1:2-Pleite in Dortmund – und Allofs ist sauer

Werder vergibt den Big Point

Werder-Bremen - DORTMUND. Klaus Allofs war um Fassung bemüht. In Werder Bremens Sportchef brodelte ein Vulkan, der kurz vor dem Ausbruch stand. Am liebsten hätte der 53-Jährige Gift und Galle gespuckt, doch er behielt die Beherrschung.

„Ich bin maßlos enttäuscht. Es war fahrlässig, die Punkte so herzuschenken“, ereiferte sich der Werder-Boss. Seine Spieler schlichen währenddessen in der Mixed-Zone hinter ihrem Chef vorbei, die Köpfe in den Bewusstsein nach unten gerichtet, richtigen Bockmist verzapft zu haben.

Fotos vom Spiel Borussia Dortmund - Werder Bremen

Borussia Dortmund - Werder Bremen

Mit 1:2 (0:2) musste sich Werder gestern bei Borussia Dortmund geschlagen geben und hat damit wohl die letzte Chance auf das Erreichen der Champions-League-Qualifikation leichtfertig verspielt. Nach einer desolaten ersten halben Stunde lag Werder nach Kopfballtoren von Kevin Großkreutz (10.) und Neven Subotic (20.) bereits mit 0:2 zurück, ehe sich die Gäste doch noch auf ihre Qualitäten besannen. Doch zu mehr als dem Anschlusstreffer von Aaron Hunt (65.) reichte es vor 80 572 Zuschauern im ausverkauften Signal Iduna Park trotz guter Chancen diesmal nicht.

„So einen Rückstand kann man vielleicht gegen Bochum wettmachen. In Dortmund gelingt das nicht“, wetterte Allofs – und warf seiner Mannschaft in der Anfangsphase „fehlende Bereitschaft, schlechtes Zweikampfverhalten und mangelnde Disziplin bei Standardsituationen“ vor. „Da gibt es klare Zuordnungen“, schimpfte der Bremer Sportdirektor an die Adresse von Hugo Almeida, der Dortmunds Verteidiger Subotic beim 2:0 gewähren ließ. Und zum 1:0 meinte Allofs in Richtung Clemens Fritz: „Da haben wir nicht blockiert.“

Warum nicht? Warum diese Schlafmützigkeit in der ersten halben Stunde? Warum erst das späte Aufbäumen? „Wenn ich das nur wüsste“, klagte Philipp Bargfrede, der im defensiven Mittelfeld noch zu den besten Bremern gehörte. Und Torschütze Aaron Hunt fügte an: „Die erste Halbzeit war gar nichts. Keine Zweikämpfe, keine Aggressivität. Ich habe auch keine Ahnung, warum wir so zaghaft waren.“

Dabei hatten sich die Bremer vor der Partie so viel vorgenommen. Es war ein Endspiel. Ein Sieg in Dortmund – und Platz drei, der zur Qualifikation für die Champions League berechtigt, wäre greifbar nahe gewesen. Zumal Leverkusen mit 2:3 in Frankfurt patzte und damit erneut eine Steilvorlage lieferte. Statt aber auf Tuchfühlung zu gehen, „haben wir einen bitteren Dämpfer erlebt“, räumte Hunt, der in der ersten Halbzeit die ungewohnte Rolle als zweiter „Sechser“ spielen musste, ein: „Fünf Punkte Rückstand bei noch fünf Spielen – das ist schon heftig.“

Zwar ist die theoretische Chance noch gegeben, doch von Zahlenspielen hat Allofs erstmal gründlich die Nase voll. „Wir müssen Spiele gewinnen, und sonst nichts. Das muss unser Ziel sein. Denn ohne Punkte brauchen wir nicht nach irgendwelchen Plätzen zu schielen.“

Der müde Auftritt seiner Mannschaft in der Anfangsphase hat Allofs ohnehin wenig Mut gemacht, das angestrebte Ziel noch erreichen zu können. „Wir müssen in solchen Spielen von Anfang an Gas geben und nicht erst, wenn uns das Messer an der Kehle sitzt“, ereiferte sich der Sportchef: „Wir müssen langsam lernen, dass ein Spiel 90 Minuten dauert und es nicht reicht, irgendwann wach zu werden. Wenn wir das nicht kapieren, dann reicht es einfach nicht für ganz oben.“

Zumal die Bremer Statistik gegen die Top-4-Mannschaften der Liga in dieser Saison fatal ist. Werder hat noch kein Spiel gegen eines dieser Teams gewonnen . . .

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