Werder verdient sich das 1:1 in Stuttgart erst nach der Pause / Ujah trifft per Abstauber

Mit wenig zufrieden

+
Nach seinem Treffer zum 1:1 geht Anthony Ujah mit dem Ball schwanger – und Levin Öztunali entwickelt als Wegbereiter des Tores eine gewisse Anhänglichkeit.

Stuttgart - Für Thomas Eichin war die Sache ganz klar. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Punkt“, sagte der Werder-Sportchef gestern nach dem 1:1 (0:1) beim VfB Stuttgart. Eigentlich ist ein Zähler bei einem schwer angeschlagenen Tabellenvorletzten im Abstiegskampf zu dürftig.

Auch die Leistung – vor allem in der ersten Halbzeit – war zu schwach, um an bessere Zeiten zu glauben. Aber Werder bewies immerhin Moral, glich die Stuttgarter Führung von Lukas Rupp (33.) durch Anthony Ujah (71.) noch aus. Das gab neben einem verdienten Punkt auch noch eine Portion Selbstvertrauen – und das musste nach zuvor zwei Pleiten am Stück für eine bessere Gemütslage reichen. „Natürlich war das wenig schöner Fußball“, gestand Jannik Vestergaard: „Von uns und von denen.“ Die erste Viertelstunde war zum Wegdösen, weil beiden Teams die Verunsicherung tief in den Beinen steckte. Zusammenspiel? Fehlanzeige! Die 46590 Zuschauer in der nicht ausverkaufen Mercedes-Benz-Arena rechneten schon mit dem Schlimmsten, als der VfB endlich in Ansätzen seinen durchaus vorhandenen Spielwitz wiederfand. Das reichte schon, um die fahrige Werder-Abwehr – mit Ausnahme des starken Vestergaard – in Verlegenheit zu bringen. Die beiden Timos – Baumgartl (15.) und Werner (22.) – vergaben jedoch gute Chancen. Und so hätte tatsächlich Werder nach unterirdischem Start in Führung gehen können, wenn Schiedsrichter Florian Meyer nach einer halben Stunde das klare Foul von Baumgartl an Anthony Ujah mit Elfmeter geahndet hätte.

Die Noten: Wiedwalds Reflex rettet das Remis

„So etwas tut in einem Kellerduell natürlich besonders weh“, ärgerte sich Viktor Skripnik. Zumal der Werder-Coach nur kurz darauf den Rückstand mitansehen musste. Theodor Gebre Selassie hatte sich bei einem langen Ball verschätzt, Alejandro Galvez den Turbo nicht angeschaltet bekommen – und so flankte Filip Kostic auf den freien Lukas Rupp, der per Vollspann-Kracher vollstreckte. Gegenspieler Santiago Garcia war auf die Torlinie statt zu Rupp geeilt. Das passte zum planlosen Auftritt der Gäste, die vor allem über die Außen sehr anfällig waren. Dabei hatte Skripnik auf das defensivere 4:1:4:1-System umgestellt. Für die Offensive war das noch schlechter, nach vorne ging gar nichts, es gab bis zur Pause keinen echten Torschuss zu verzeichnen.

Wie sollte das nur besser werden? Vielleicht mit neuem Personal? Nein, befand Skripnik. Der Coach wechselte erst, als er musste: Bei Zlatko Junuzovic ging es wegen einer Schulterverletzung nicht weiter (51.), dafür kam Florian Grillitsch. Aber es änderte sich nicht viel. Eine Ujah-Chance – das war’s (59.). Blieb als letzte Hoffnung Claudio Pizarro, der nach seinem Startelf-Einsatz gegen den Hamburger SV, nur auf der Bank gesessen hatte. Als er kam (67.), ging zwar kein Ruck durch die Mannschaft, aber der VfB stellte sein Spiel nun fast komplett ein. Und wurde dafür böse bestraft. Nach einem endlich mal fulminanten Antritt von Levin Öztunali landete der Ball via Grillitsch bei Clemens Fritz. Der Schuss des Kapitäns hätte ganz sicher nicht den Ausgleich gebracht, doch Stuttgarts Toni Sunjic fälschte so unglücklich ab, dass Ujah die Kugel nur noch ins Tor schießen musste – 1:1 (71.).

An der Bremer Bank herrschte nun rege Betriebsamkeit. Skripnik diskutierte mit seinen Co-Trainern, ob auf Sieg gespielt werden soll. Man entschied sich dagegen – und die Mannschaft agierte entsprechend kontrolliert. „Es war clever, nicht volle Kanne für den Dreier nach vorne zu rennen. Manchmal musst du auch mit einem Punkt zufrieden sein“, erklärte Eichin. Der Sportchef hätte trotzdem beinahe den Siegtreffer gesehen, doch Öztunalis Schuss klatschte an die Latte (85.). Andererseits hätte es beinahe gar keinen Punkt gegeben, wenn Keeper Felix Wiedwald gegen Werner nicht so reaktionsschnell gewesen wäre (86.).

Deshalb sprachen alle am Ende von einem gerechten Punkt. Auch VfB-Sportchef Robin Dutt. „Ein Punkt ist zwar eigentlich etwas wenig, aber wir haben kleine Schritte nach vorne gemacht“, sagte der ehemalige Werder-Trainer und aktuelle Stuttgarter Sportchef. Zugleich kündigte Dutt an, dass Interimscoach Jürgen Kramny auch am Freitag in Mainz auf der Bank sitzen wird.

Skripnik ist dann einen Tag später wieder dran – und bekam für die Partie im Weserstadion gegen Köln eine klare Aufgabenstellung von Eichin. „Wir müssen ein Mittel finden, wie wir die erste Halbzeit besser angehen“, sagte der Sportchef und fügte unmissverständlich noch an: „Wir wollen endlich mal wieder einen Heimsieg.“ Mit weniger wäre man dann sicher nicht mehr zufrieden.

kni

Mehr zum Thema:

Arnold Schwarzenegger fährt Elektro-Auto

Arnold Schwarzenegger fährt Elektro-Auto

Abschied von Roman Herzog: "Geschenk für unser Land"

Abschied von Roman Herzog: "Geschenk für unser Land"

Trotz Aus: Großartige Tage für Mischa Zverev in Melbourne

Trotz Aus: Großartige Tage für Mischa Zverev in Melbourne

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Autostudien mit nachwachsenden Rohstoffen

Meistgelesene Artikel

Thanos Petsos zum FC Fulham?

Thanos Petsos zum FC Fulham?

"Hungrig auf Spielzeiten" - Florian Kainz will mehr

"Hungrig auf Spielzeiten" - Florian Kainz will mehr

Junuzovic vor der Rückkehr

Junuzovic vor der Rückkehr

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Kommentare