Nächster Anlauf, alles besser zu machen

Spontane Selbstheilung oder das Ende für Skripnik?

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Hände in den Taschen, Blick nach unten – ein gewohntes Bild von Viktor Skripnik.

Bremen - Von Carsten Sander. Viktor Skripnik sagt über sich, er habe „eine dicke Haut“. Anzunehmen ist, dass ein dickes Fell gemeint war. Vielleicht hat der Trainer des SV Werder Bremen aber auch beides. Das würde erklären, warum er die sich in Ton und Inhalt verschärfende Diskussion um seine mögliche Ablösung ohne erkennbare Regung erträgt.

Gestern wurde Geschäftsführer Thomas Eichin auf der Pressekonferenz vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen (heute, 20 Uhr) bereits gefragt, ob es nicht zu seinen Aufgaben gehöre, schon mit potenziellen Skripnik-Nachfolgern zu sprechen. Der Trainer saß daneben und zeigte keine Reaktion. Eichin dagegen bastelte sich eine Antwort zusammen, die darauf deuten lässt, dass die Frage ins Schwarze getroffen hatte.

„Wie meine Aufgaben definiert sind“ – nachdenkliche Pause – „weiß ich nicht. Ich mache meinen Job so, dass der Verein sich damit wohl fühlt. Und dass Viktor sich damit wohlfühlt“, meinte Eichin. Bis zu dieser Frage hatte er auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen eine Bastion der Einigkeit mit Skripnik aufgebaut. „Wir arbeiten sehr gut zusammen. Er hat meine volle Unterstützung“, erklärte Eichin. Es war das, was er sagen muss in dieser Situation, die von großer Unruhe geprägt ist.

Platz 16, die wachsende Abstiegsangst und dazu ein Trainer, der seltsam entrückt wirkt – das ist die Lage. Wer Skripnik in diesen Tagen bei der Arbeit erlebt, sieht keinen Mann, der voller Begeisterung seinem Job nachgeht. Seine Körpersprache auf dem Trainingsplatz mit in den Taschen vergrabenen Händen und nachdenklich gesenktem Kopf ist ähnlich schlaff wie seine Lösungsansätze für die gegenwärtige Krise. Was Skripnik vorhat, ist dies: Er macht mit seinen Co-Trainern alles wie immer („Definitiv gute Sachen“) und hofft, dass irgendwann der Knoten platzt. „Wir brauchen nur ein Erfolgserlebnis, dann löst sich auch die Blockade im Kopf.“

Abschlusstraining vor Leverkusen-Spiel

Diese Theorie ist vor gar nicht allzu langer Zeit jedoch schon überprüft und als falsch entlarvt worden. Denn dem 3:1-Pokalcoup beim heutigen Gegner Bayer Leverkusen folgten zwei Unentschieden und eine Niederlage in drei Duellen mit direkten Konkurrenten. Blockade gelöst? Das Gegenteil ist der Fall.

Skripnik spricht in einer Art verträumter Es-könnte-so-schön-sein-Denke trotzdem weiter davon, dass sein Team guten Fußball spielen kann („Wir haben das schon gezeigt und echt gute Gegner auswärts geschlagen“) und lässt nach außen nicht erkennen, dass er mehr in petto hat, als auf eine plötzliche und dauerhafte Selbstheilung seines Teams zu hoffen.

Wie es aussieht, wird er darin auch noch von Thomas Eichin bestärkt. „Das Trainerteam macht alles, um die aktuelle Phase zu durchbrechen. Dafür musst du mal ein Spiel gewinnen, dann kommt wieder Ruhe rein, dann fluppt das wieder“, sagt auch er. Elf Spieltage vor Saisonende wäre es auch höchste Zeit.

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