Trainer: „Mannschaft darf Fehler machen“

Werder unter Welpenschutz

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Platt liegt Aaron Hunt am Boden, im Hintergrund feiert die 96-Bank den Last-Minute-Siegtreffer. „Wir sind zu hohes Risiko gegangen“, sagt Hunt.

Bremen - Ein Fan meinte es besonders gut mit den Werder-Profis. An den Scheibenwischern der Dienstwagen klemmten gestern Morgen kleine Zettelchen. „Tolles Spiel! Weiter so!“, stand darauf geschrieben – versehen noch mit einem Smiley und einem Täfelchen Schokolade.

Und am Stadiontor klebte ein Schild mit gleicher Botschaft: „Ihr wart super! Richtige Richtung!“ So sehen in Bremen Reaktionen aus auf einen Bundesliga-Start, der ein Fehlstart war. Jedenfalls sagt das die Tabelle.

Erstrunden-Aus im DFB-Pokal, nur drei Punkte nach drei Bundesliga-Spieltagen – eigentlich entsteht daraus nicht eine Atmosphäre, in der Smileys verteilt werden. Fan-Proteste, Aufruhr, Unruhe – an anderen Standorten alles vorstellbar. Aber nicht in Bremen. Dort wird eine Mannschaft auch dann noch beklatscht, wenn sie verliert. Sogar vom Trainer.

Werder in der Einzelkritik

Hannover gegen Bremen: Einzelkritik der Werder-Spieler

Thomas Schaaf stimmte nach der 2:3 (1:2)-Last-Minute-Niederlage bei Hannover 96 ein Loblied an auf sein Team: „Das waren Emotionen und Leidenschaft, das war Faszination“, bewertete er die Leistung seines Teams, das einen frühen 0:2-Rückstand – Tore durch Szabolcs Huszti (7.) und Leon Andreasen (10.) – wegsteckte und ausglich. Nach den Treffern von Aaron Hunt (27./Handelfmeter) und Kevin De Bruyne (74.) verhinderten nur der Tor-Klau durch Schiedsrichter Deniz Aytekin (siehe Bericht unten) sowie die eigene schlechte Chancenverwertung, dass Werder die Partie komplett drehte. Als dann die Leidenschaft zu groß wurde, spielte Hunt in der Vorwärtsbewegung einen Fehlpass, konterte Hannover und markierte schließlich Huszti das 3:2 (90.+2). Ein brutales Ende für die aufblühenden Bremer. Aber auch ein selbstverschuldetes, räumte Hunt ein: „Wir sind zu hohes Risiko gegangen, haben Hauruck-Fußball gespielt und alles auf eine Karte gesetzt. Die Lücken nach hinten waren zu groß. Besser wäre es gewesen, wir wären mit einem Punkt zufrieden gewesen.“

Hannover 96 gegen Werder Bremen

Hannover 96 gegen Werder Bremen - 3:2

Dass die Spieler es nicht waren, fand Geschäftsführer Klaus Allofs „einerseits lobenswert“. Andererseits sei die Gefahr unterschätzt worden, dass ein Klasse-Team wie Hannover auch aus dem Nichts zurückschlagen kann: „Da haben wir Fehler gemacht. Es ist doch klar, dass wir eine Mannschaft haben, die noch nicht ausgereift ist. Aber wir wissen auch, dass vieles in ihr steckt.“

Was genau, das hatte sie zwischen der 20. und 90. Minute gezeigt. In der Festung AWD-Arena, in der 96 zuvor 19 Mal in Folge nicht verloren hatte, regierten die Bremer und zeigten die von Schaaf besungenen Tugenden. „Wenn wir das in den nächsten Spielen beibehalten und noch eine Schippe drauflegen, dann werden wir auch die Ergebnisse einfahren, die uns begeistern“, sagte der Coach.

Bilder vor dem Spiel in Hannover

Hannover 96 gegen Werder Bremen - Bilder vorm Spiel

Die Fehler, die zu den Toren – speziell dem dritten – führten, verzieh Schaaf seinem Personal großmütig und stellte Werder unter Welpenschutz: „Die Mannschaft ist jung und neu, die darf noch Fehler machen.“ Auch den, auswärts bis zum Schluss auf Sieg zu spielen? „Ja“, antwortete Schaaf: „Wenn wir zurückstecken, verlieren wir unsere Linie.“ Und wenn das  Team nicht zurücksteckt, verliert es Spiele – wie in Dortmund, wie nun in Hannover. Aber, so Schaaf: „Beide Partien haben wir zu Unrecht verloren.“

Sich diesem Urteil anzuschließen, fällt bei objektiver Betrachtung beider Begegnungen nicht schwer. Deshalb will in Bremen auch niemand von einem Fehlstart sprechen, deshalb klemmen aufmunternde Zettelchen an Windschutzscheiben. Deshalb behalten auch die Spieler die Ruhe. „Wir haben“, sagte Aaron Hunt, „schließlich nicht gegen irgendwelche Blinden verloren. Einen Knacks werden wir von diesen Ergebnissen jedenfalls nicht bekommen.“ · csa

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