Werder-Trainer darf nach 2:2 bleiben

Pizarro rettet Skripnik

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In Unterzahl: Anthony Ujah nimmt es mit drei Darmstädtern auf. Werders zuletzt verhindertem Torjäger gelang gestern die 1:0-Führung.

Bremen - Zwischen der 82. und 89. Minute gab es im Weserstadion eigentlich nur noch ein Thema: War es das für Viktor Skripnik als Trainer des SV Werder Bremen?

Sein Team lag gegen Aufsteiger SV Darmstadt 98 nach einem Kopfballtreffer von Aytac Sulu mit 1:2 zurück. Doch Claudio Pizarro köpfte noch das 2:2 und rettete seinem Coach damit wohl den Job. Sportchef Thomas Eichin wollte die Trainerfrage nach dem im Abstiegskampf enttäuschenden Ergebnis zwar wie immer nicht eindeutig beantworten, schloss aber indirekt einen Rauswurf von Skripnik aus: „An der Art und Weise wie ich spreche, können Sie hören, dass ich nicht vorhabe, den Trainer zu wechseln.“ Demnach wird der Ukrainer auch am Mittwoch im Bundesliga-Spiel bei Bayer Leverkusen auf der Bank sitzen.

Immerhin gestand Eichin ein, dass die Lage „immer bedrohlicher wird“. Denn zum einen verpasste Werder die Chance, an einen Konkurrenten heranzurücken, zum anderen holte Schlusslicht Hannover 96 mit dem 2:1-Coup in Stuttgart auf. Überrascht heute Hoffenheim in Dortmund, dann könnten die Bremer sogar auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen.

Die Noten für die Werder-Profis

Felix Wiedwald: Gute Parade gegen Rausch (22.), aber dann: Unglücklich, wie er den Elfmeter zum 1:1 verursachte, unglücklich, wie er vor dem 1:2 aus dem Tor, aber nicht an den Ball kam. Note 4,5 © nph
Theodor Gebre Selassie: Offensiver als sonst, weil es die Taktik so forderte. Aber zu selten sprang dabei etwas heraus, weil der Außenverteidiger in Bedrängnis zu hektisch agierte. Note 4 © nph
Jannik Vestergaard: Vor dem Elfmeter zum 0:1 wurde er getunnelt, beim 1:2 hätte der Riese (1,99 Meter) gerne auch bei Kopfball-Spezialist Sulu sein dürfen. Der Däne war schon mal wesentlich souveräner. Note 4 © nph
Papy Djilobodji: Kleines Tief beim Senegalesen. Der Innenverteidiger wirkte etwas fahrig und unkonzentriert. An beiden Gegentoren trug er eine Mitschuld. Note 4,5 © nph
Santiago Garcia: Hatte einige Mühe mit dem schnellen Heller. Wollte in der Offensive Akzente setzen, doch wirklich viel gelang ihm dabei nicht. Note 4 © nph
Florian Grillitsch: Überraschend einziger Sechser – und der Österreicher machte das bei seiner Premiere ganz ordentlich. Er ging allerdings auch etwas zu sehr auf Nummer sicher. Note 3,5 © nph
Sambou Yatabare (ab 58.): Erstmals in der Startelf, aber wie schon beim Debüt in Ingolstadt nicht im Zentrum, sondern im rechten Mittelfeld. Athletisch, aktiv und robust – ein Mal allerdings viel zu robust: Sein Foul an Gondorf hätte auch Rot geben können (45.). Positiv seine Vorlage zum 1:0. Aber als 26-Jähriger muss er insgesamt einfach besonnener agieren. Note 4 © nph
Zlatko Junuzovic: Zurück in der Startelf – und der Ersatzkapitän wollte eine gute Leistung erzwingen. Es gelang ihm nur bedingt. An beiden Toren beteiligt, am zweiten sogar per Ecke als direkter Vorlagengeber. Ansonsten waren seine Standards aber eher schwach. Note 4 © nph
Fin Bartels: Wenn er zu seinen Dribblings ansetzte, wurde es auch gleich gefährlich – nur machte er das viel zu selten. Note 4 © nph
Claudio Pizarro: Bewies in der Schlussphase einen kühlen Kopf und rettete mit seinem siebten Tor in dieser Bundesliga-Saison wenigstens noch einen Punkt. Der 37-Jährige zeigte aber zu selten seine besonderen Fähigkeiten. Note 3 © nph
Anthony Ujah: Er trifft endlich wieder! Erstes Bundesliga-Tor seit dem Rückrundenauftakt auf Schalke am 24. Januar – und dazu ein richtig feines. Schöner Drehschuss zum 1:0. Doch das Glück ist noch nicht ganz zurück, denn danach gab es von ihm zwar viel Arbeit, aber wenig Ertrag. Note 3,5 © nph
Laszlo Kleinheisler (ab 58.): Wie schon gegen Berlin ein richtig guter Einwechselspieler. Der junge Ungar brachte Schwung ins Bremer Spiel, wagte auch mal was, wenngleich ihm längst nicht alles gelang. Note 3 © nph

Und das würde durchaus zur ersten Halbzeit gestern passen, da agierte Werder nämlich wie ein Absteiger. Skripnik hatte seinem Team zwar ein etwas offensiveres 4:1:3:2-System verordnet mit Florian Grillitsch als Überraschungs-Sechser, aber nach vorne ging gar nichts. Darmstadt hätte dagegen drei Mal in Führung gehen können, doch Sandro Wagner (14.) und Jerome Gondorf (25.) jagten die Kugel übers Tor, Konstantin Rausch scheiterte an Keeper Felix Wiedwald (22.). Da war es mehr als glücklich, dass plötzlich Werder jubelte – das allerdings nach einem feinen Spielzug: Einwurf Santiago Garcia, Flanke Zlatko Junuzovic, Kopfball-Ablage Sambou Yatabare, Drehschuss Anthony Ujah – 1:0 (33.). Es war das erste Bundesliga-Tor des Nigerianers seit dem Rückrundenauftakt am 24. Januar auf Schalke.

Die Freude darüber schaffte es allerdings nicht bis in die Pause, denn ausgerechnet Wagner wurde zum Stimmungskiller. Der Ex-Bremer, der schon im Hinspiel getroffen hatte, ließ sich erst von Wiedwald im Strafraum foulen und verwandelte dann den Elfmeter betont lässig zum 1:1 (44.). Er sei ein „bisschen berührt“ worden, sagte Wagner zum vermeintlichen Foul und urteilte: „Das reicht!“ Von Bremer Seite gab es da keinen echten Widerspruch. „Er hat das dankend angenommen“, stellte Wiedwald seufzend fest.

Es war mal wieder nicht der große Tag des Werder-Keepers. Denn auch beim zweiten Gegentor machte er keine gute Figur – wie auch einige seiner Kollegen. Nach einer Freistoß-Hereingabe von Tobias Kempe stürzte Wiedwald aus seinem Tor und wurde vom völlig freien Aytac Sulu per Kopf überlupft (82.). Bitter für Werder: Sulu hätte gar nicht mehr auf dem Platz stehen dürfen, denn nach seinem Foul an Ujah (79.) wäre Gelb-Rot fällig gewesen. Doch Schiedsrichter Robert Hartmann ließ die Karten stecken und auch hier eine klare Linie vermissen.

Auch bitter für Werder: Ujah (68.), Pizarro (68.), Junuzovic (76.) und Papy Djilobodji (81.) hatten vor dem Rückstand die Führung nur knapp verpasst. „Das ist unser Problem im Moment“, befand Skripnik und lobte die Moral seiner Mannschaft: „Jeder ist ans Limit gegangen.“ Die Bremer drängten in der Tat mit aller Macht auf den Ausgleich und wurden belohnt: Ecke Junuzovic, Kopfball Pizarro – 2:2 (89.). Und Werder war noch nicht satt, wollte unbedingt den ersten Heimsieg seit über einem halben Jahr, den ersten Dreier seit dem Rückrundenstart auf Schalke. Doch daraus wurde nichts.

„Wir sind total enttäuscht, das ist viel zu wenig“, stöhnte Junuzovic: „Wenigstens haben wir den Super-Gau verhindert.“ Der hätte dann wohl auch den Rauswurf des Trainers bedeutet. Skripnik darf aber weitermachen und versuchte sich gestern als Mutmacher: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Jetzt muss aber schleunigst ein echtes Lebenszeichen her, Werder also mal von Beginn an funktionieren und am Ende auch gewinnen. Ansonsten geht es runter in die Zweite Liga.

Schluss. Aus. Ende. Claudio Pizarro kündigt sein Karriereende als Profifußballer bei Werder Bremen an. 

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