Werder und der HSV im Tabellenkeller vereint / Eichin: „Wir wissen alle, dass die Lage prekär ist“

Das Leiden im Norden

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Unschöne Premiere: Sebastian Prödl (2.v.r.) stand mit Werder „noch nie auf einem Abstiegsplatz“ – jetzt sind die Bremer Vorletzter in der Bundesliga.

Bremen/Hamburg - Diese eine Frage hat gute, alte Tradition. Wer ist die Nummer eins im Norden? Werder Bremen oder der Hamburger SV? In erfolgreichen Zeiten beanspruchten beide Clubs den Status gerne lautstark für sich. Und auch aktuell ist das Thema brisant – allerdings unter völlig anderen Voraussetzungen. Wer ist im Norden die Nummer eins im Abstiegskampf?, muss es momentan heißen. Und da hat der HSV leicht die Nase „vorn“.

Beinahe wären die beiden Teams gleichauf gewesen. Der HSV hatte ebenfalls drei Punkte und die gleiche Tordifferenz (minus sechs) wie Werder. Aber dann zauberte Frankfurts Lucas Piazon am Sonntagabend in der Schlussminute einen Freistoß ins Hamburger Netz. 1:2, die nächste Pleite, der HSV bleibt Letzter mit zwei Zählern. Nur einen Platz und einen Punkt besser steht Werder da. Die großen Nordrivalen sind nach sechs Spieltagen noch sieglos und am Tabellenende im Leid vereint. Trübe Aussichten an Weser und Elbe – genau wie in der vergangenen Saison, als Werder lange zittern und sich der HSV sogar durch die Relegation quälen musste.

„Der Abstiegskampf hat nicht erst jetzt, sondern schon am ersten Spieltag begonnen“, sagt Werders Sebastian Prödl. Der Vizekapitän muss es wissen, er ist seit 2008 in Bremen und hat die vergangenen drei Jahre mit mächtigem Zittern um den Klassenerhalt hautnah miterlebt. „Auf einem Abstiegsplatz standen wir aber noch nie, seit ich hier bin“, meint Prödl. Nach drei Niederlagen hintereinander ist Werder nun 17. und schon wieder mittendrin in der Gefahrenzone. „Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass wir hier etwas schönreden“, betont Sportchef Thomas Eichin: „Wir wissen alle, dass die Lage prekär ist.“ Trotzdem sitzt Trainer Robin Dutt fest im Sattel, bekam von Eichin nach dem 1:2 in Wolfsburg das „volle Vertrauen“ ausgesprochen. Gelingt aber am Samstag im Heimspiel gegen den Drittletzten Freiburg (mit vier Punkten das dritte sieglose Team der Liga) erneut kein „Dreier“, wird auch der Druck auf den Coach größer.

In Hamburg war der Kredit des Trainers früh aufgebraucht. Schon nach dem dritten Spieltag (0:2 in Hannover) musste Mirko Slomka seine Koffer packen. Es kam – aus der eigenen Regionalliga-Mannschaft – Josef Zinnbauer. Der 44-Jährige hatte mit dem 0:0 gegen den FC Bayern einen wunderbaren Einstand, doch es folgten harte Rückschläge. Ein 0:1 in Gladbach, dann das bittere 1:2 gegen Frankfurt – der Zinnbauer-Effekt ist offenbar schon wieder verpufft. Der neue Vorstandsboss Dietmar Beiersdorfer hat aber keine Lust auf die nächste Trainerdiskussion und stellt sich schützend vor Zinnbauer: „,Joe‘ macht einen tollen Job. Er hat der Mannschaft Leben eingehaucht und ihr beigebracht, sich zu wehren. Er ist mit viel Leidenschaft dabei.“

Der HSV hat sich verbessert, aber noch immer ein Riesenproblem. Erst ein Treffer in sechs Partien – indiskutabel. Bevor Nicolai Müller gegen Frankfurt traf, hatten die Hamburger mit 508 Minuten den Torlos-Rekord des VfL Bochum aus der Saison 1979/1980 geknackt. Werder hat deutlich mehr Tore geschossen (neun), mit 15 (Liga-Höchstwert) aber auch deutlich mehr kassiert als der HSV (8). Vor allem durch individuelle Fehler, die schwer abzustellen sind – befürchtet Eichin: Fußball sei „nun mal kein Computerspiel“, wo auf Knopfdruck alles besser wird. „Es gibt kein Allheilmittel“, sagt Eichin.

Werder-Einzelkritik

Die (Gegen)Tor-Statistiken der Nordclubs sind insgesamt niederschmetternd – und in höchstem Maße alarmierend. Beide sind verzweifelt bemüht, sich von ihren Horror-Starts nicht zu sehr runterziehen zu lassen. Die Taktik in den Hansestädten: Starkreden, Optimismus ausstrahlen. „Wir sind auf dem richtigen Weg und haben eine Mannschaft, die laufen kann und will. Wenn sie so weitermacht, wird sie bald belohnt“, glaubt Zinbauer, der mit seinem Team als nächstes bei Borussia Dortmund antreten muss. Ganz ähnliche Worte sind aus Bremen zu hören. „Es ist an der Zeit, dass wir uns belohnen“, sagte Eichin gestern mal wieder. Und Prödl fügte kämpferisch an: „Letztes Jahr standen wir auch mit dem Rücken zur Wand und haben dem Druck standgehalten. Wir müssen jetzt alle Kräfte mobilisieren, um da wieder rauszukommen. Mit aller Macht.“ mr/csa

Werder verliert in Wolfsburg mit 1:2

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