Werder-Stürmer Di Santo glaubt, dass heute in München alles möglich ist

„Der Funke muss zünden“

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Bei seinem ersten Gastspiel in München konnte sich Werder-Stürmer Franco di Santo vor einem halben Jahr noch so strecken, ein Tor gelang ihm nicht, Werder verlor 2:5.

Bremen - Mit vier Toren in sieben Spielen ist Franco Di Santo so etwas wie ein Lichtblick in sportlich finsteren Zeiten bei Werder Bremen. Auf dem argentinischen Stürmer ruhen bei dem aktuellen Bundesliga-Schlusslicht viele Hoffnungen. Di Santo bringt sich aber nicht nur mit seinen Toren ein, sondern auch mit seinem unerschütterlichen Glauben an die Stärke der Mannschaft. Ihn schreckt die augenblickliche Situation überhaupt nicht – und selbst im Auswärtsspiel beim schier übermächtigen FC Bayern rechnet sich Di Santo heute ab 15.30 Uhr etwas aus. „Alles möglich“, sagt der 25-Jährige.

Sieben Spiele kein Sieg, Platz 18 und heute geht es zu Spitzenreiter Bayern München – es gibt angenehmere Situationen, oder?

Franco Di Santo: Sicher, die Situation ist nicht einfach. Wir müssen jetzt den Weg raus aus dem Keller finden und können nicht bis zum nächsten Jahr warten. Wir müssen jetzt aufwachen!

Aufwachen? Hat die Mannschaft bisher geschlafen?

Di Santo: Das ist nicht das, was ich meine. Mir geht es darum, dass wir alle realisieren, in welcher Situation wir stecken. Wir müssen alle noch ein bisschen mehr draufpacken. Wenn einer meint, er hat bisher 100 Prozent gegeben, dann muss er jetzt einfach 130 Prozent geben. Das wird den Unterschied ausmachen. Mit dem Fleiß kommt auch der Erfolg.

Auch gegen den FC Bayern?

Di Santo: Die Bayern sind sicherlich ein gutes Team, aber auch nicht unschlagbar. Ich erinnere nur an die vergangene Saison. Da haben wir in München zur Halbzeit noch geführt, dann aber das Zepter aus der Hand gegeben und letztlich verloren (Ergebnis 2:5 nach 2:1-Führung, d. Red.). Wir müssen nur konzentriert weiterarbeiten, dann ist alles möglich.

Übertreiben Sie jetzt nicht ein bisschen?

Di Santo: Gegenfrage: Meinen Sie, wir sollen einfach zu Hause bleiben?

Natürlich nicht. Aber nach einem Saisonstart mit sieben Spielen ohne Sieg erscheint es verwegen, an einen Erfolg ausgerechnet in München zu glauben.

Di Santo: Jetzt mal unabhängig davon, wie wir in München abschneiden: Ich bin überzeugt, dass in unserer Mannschaft ein weitaus größeres Potenzial steckt, als sie es bisher abgerufen hat. So schlecht wie der Tabellenstand es aussagt, ist unser Team nicht. Es kann sehr viel mehr leisten, als die Leute ihm zutrauen – und wird es auch machen. Für mich ist das überhaupt keine Frage.

Was muss dafür passieren?

Di Santo: Ich bin überzeugt, dass wir nur den einen Funken brauchen, der zündet. Ein Erfolgserlebnis. Es wird ein Ruck durch die Mannschaft gehen, sobald der erste Sieg eingefahren ist. Dann werden alle merken: Hey, hier geht ’was.

Können Sie dennoch verstehen, dass die Öffentlichkeit skeptisch ist?

Di Santo: Das ist normal, wir sind nunmal Letzter. Die Öffentlichkeit ist besorgt, wenn ein Club mit einem großen Namen wie Werder Bremen auf Platz 18 steht, da muss man auch nichts schönreden. Aber die Realität ist auch diese: Bis zu Platz neun sind es nur fünf Punkte – wenn wir also zwei, drei Spiele nacheinander punkten, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus und ein anderer Club ist Letzter.

Großen Respekt für Ihren Optimismus und Ihr Vertrauen. Woher schöpfen Sie beides nur?

Di Santo: Aus meiner Zeit bei Wigan Athletic in England. Dort hatten wir einmal (es war die Saison 2011/12) die Situation, zehn Spieltage vor Schluss Tabellenletzter zu sein. Der Druck war enorm, wir mussten von den letzten zehn Partien sieben gewinnen, um die Klasse zu halten. Am Ende hatten wir neun davon gewonnen – unter anderem schlugen wir die vier Top-Teams der Premier League. Das hat mich gelehrt, auch in schwierigen Situationen die positive Einstellung nicht zu verlieren.

In der darauffolgenden Saison haben Sie mit Wigan dennoch Ihre Negativerfahrung gemacht, stiegen ab. Wie fühlt sich so ein Abstieg an?

Di Santo: Es war eine schräge Saison. Erst gewannen wir im Finale gegen Manchester City den FA-Cup, eine Woche später waren wir abgestiegen. Das Seltsame ist: Der Moment, wenn es keine Rettung mehr gibt, ist gar nicht das Schlimmste. Aber die Wochen zuvor, wenn du dir vornimmst, jetzt die Punkte zu holen und es dann doch Spieltag für Spieltag nicht klappt, sind schlimm. Das ist das Frustrierende, das strapaziert die Nerven. Die Zeit hat mich aber auch stark gemacht, ich bin daran gewachsen.

Was heißt das für die Lage bei Werder?

Di Santo: Dass sie mich nicht nervös macht. Ich habe gelernt, den Kopf nicht hängen zu lassen. Die Situation ist im Grunde immer gleich: Man kämpft um etwas und kann es erreichen – das lässt einen Spieler reifen.

csa

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