Werder stümpert

Alle sind genervt, nur die Auswärtsfans nicht

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Wenn Verlierer gefeiert werden: Die Werder-Fans sangen in Mainz so lange, bis die Bremer Profis fast eine Stunde nach der 0:3-Klatsche in Mainz noch mal aufs Spielfeld kamen.

Mainz / Bremen - In der Achterbahnfahrt durch die Saison ist der SV Werder mal wieder ganz unten angekommen. Und das geht den Beteiligten langsam richtig auf den Geist. Clemens Fritz tobte nach der 0:3-Klatsche in Mainz und zählte knallhart die Bremer Versäumnisse auf.

Das wiederum brachte Sportchef Thomas Eichin in Rage, während Coach Robin Dutt nur schwerlich die stets wiederkehrenden Fragen der Journalisten zum Thema Abstiegskampf ertragen konnte. Kurzum: Werder war genervt! Und was machten die Fans: Die feierten auch eine Stunde nach Spielschluss noch ihr Team

„Solche Fans habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gesehen“, wunderte sich Luca Caldirola und fügte noch grinsend an: „Wenn du so in Italien verlierst, lauern dir die Fans vor der Umkleide auf.“ Ein kleiner Scherz, wie der Italiener schnell noch betonte. Ganz so schlimm sei es in seiner Heimat dann doch nicht. Aber der Unterschied zu Bremen könnte trotzdem kaum größer sein. Und selbst in der Bundesliga nimmt Werder eine Ausnahmestellung ein. Während in den vergangenen Wochen fast an jedem Abstiegsstandort die Fans die Verlierer auspfiffen und wütend zur Rede stellten, wählen die grün-weißen Anhänger einen anderen Weg. Speziell die Auswärtsfans, in Mainz waren es 4 000, blenden die Ergebnisse komplett aus. In der Coface-Arena sangen sie nach der Niederlage so lange, bis die Mannschaft noch einmal auf den Platz kam. Schweren Schrittes. Die drei Gegentreffer von Nils Petersen (5. Eigentor), Christoph Moritz (16.) und Yunus Malli (39.) hatten Wirkung gezeigt. Die Verlierer waren sichtlich irritiert, dafür auch noch beklatscht zu werden.

„Unglaublich, wie die Fans reagiert haben“, staunte Robin Dutt – und verstand die etwas ulkige Kurvenparty mit berauschten Fans und bedröppelten Spielern als klaren Auftrag: „Es ist mehr als unsere Pflicht, eine unmittelbare Reaktion zu zeigen.“ Also einen Heimsieg am Samstag gegen Hoffenheim – und damit auch das Ende des Abstiegskampfs.

Doch dieses Wort ist in der Nähe von Dutt nur mit äußerster Vorsicht zu benutzen. Den Coach nervt es nämlich, dass er Woche für Woche von den Journalisten gefragt wird, wie Werders Chancen nun stehen. Denn für ihn gibt es nur eine Antwort: „Für uns ist der Abstiegskampf erst beendet, wenn er rechnerisch beendet ist.“

Die Mannschaft wisse das. Deshalb sieht Dutt auch kein Einstellungsproblem. Einzig das Zweikampfverhalten sei Schuld gewesen. „Da war uns Mainz klar überlegen“, urteilte der Werder-Coach – und wies darauf hin, dass Mainz nun einmal ein Team aus der Europa-League-Region sei. Gegen solche Gegner könne es für den SV Werder im Jahr 2014 eben zu solchen Ausschlägen kommen. Nur ist das natürlich schwer nachvollziehbar, wenn es eine Woche zuvor gegen den Tabellendritten aus Schalke noch ein hochverdientes 1:1 gegeben hatte.

Diese Leistungsschwankungen machen zunehmend auch den Profis zu schaffen. Clemens Fritz wütete erst auf dem Platz – unter anderem in Richtung Nils Petersen. Dann fand er vor den Journalisten so deutliche Worte wie selten zuvor. Der Kapitän sprach von einer „Frechheit“ und dass er sich schämen würde, den weit gereisten Fans so eine Leistung präsentiert zu haben: „Manchmal habe ich mich gefragt: Will da keiner von uns zum Ball gehen? Wir haben gepennt. Wir haben versagt.“

Die Werder-Noten gegen Mainz

Werder Bremen in Mainz: Die Noten

Raphael Wolf: Machtloser geht es kaum noch, wenn jetzt schon die eigenen Kollegen auf sein Tor schießen. Ließ sich von der allgemeinen Verunsicherung nicht anstecken, hatte aber auch keine Chance, sich auszuzeichnen. Note 3,5 © dpa
Clemens Fritz: Kämpfte bis zum Umfallen und versuchte sich als Antreiber. Dabei war der Außenverteidiger schon mit der Bewachung von Choupo-Moting überfordert. Das 0:2 leitete er zudem mit einem Kopfball auf die Brust von Prödl ungeschickt ein. Note 5 © nph
Luca Caldirola: Als er in der 58. Minute hilflos wie ein Maikäfer auf dem Rücken lag und Malli den Pfosten traf, war der Tiefpunkt erreicht. Caldirola stand völlig neben sich, gewann gerade einmal 42 Prozent seiner Zweikämpfe, das ist inakzeptabel für einen Innenverteidiger. Note 5,5 © nph
Sebastian Prödl: Beim 0:2 und 0:3 sah der Innenverteidiger schlecht aus – allerdings nur, weil ihn die Kollegen in die Bredouille gebracht hatten. Verhinderte nach der Pause Schlimmeres. Note 4 © nph
Santiago Garcia: Schlechtes Stellungsspiel, viele Abspielfehler – auch das ist der Argentinier. Für den Linksverteidiger waren die Mainzer einfach zu flink. Note 5 © dpa
Philipp Bargfrede (bis 78.): Von den wenigen Bällen, die er bekam, landete mehr als die Hälfte beim Gegner. Ähnlich schwach war auch die Zweikampfquote des Sechsers. Note 5 © nph
Zlatko Junuzovic: Er ist ein Kämpfer – und dann das: Der Österreicher entschied nur jeden vierten (!) Zweikampf für sich. Ein Desaster für den mal wieder laufstärksten Bremer! Für ein taktisches Foul sah er die fünfte Gelbe Karte und ist am Samstag gegen Hoffenheim gesperrt. Note 5,5 © nph
Cedric Makiadi: Zu Beginn noch mit einigen guten Ballgewinnen, aber dann ereilte auch ihn die große Bremer Zweikampfschwäche (42 Prozent). Note 5 © dpa
Aaron Hunt (bis 67.): Viel unterwegs, aber viel zu selten am Ball – und dabei dann auch total glücklos. Note 5 © nph
Nils Petersen (bis 46.): Alptraum-Auftritt beim Startelf-Comeback! Der Stürmer hatte nur zehn Ballkontakte – und einer davon landete nach nur fünf Minuten im eigenen Tor. Nach vorne ging gar nichts. Note 6 © nph
Eljero Elia: Fiel nur durch Meckereien gegen Schiedsrichter Aytekin auf. Eine leichte Beute für die Mainzer Abwehr. Note 5,5 © nph
Theodor Gebre Selassie (ab 46.): Ein, zwei ganz ansprechende Aktionen, aber letztlich passte er sich dem Bremer Niveau an. Note 4,5 © nph
Ludovic Obraniak (ab 67.): Ein Lichtblick! Sehr aktiv und zweikampfstark (75 Prozent). Da wollte einer unbedingt zeigen, dass er in die Startelf gehört. Note - © nph
Martin Kobylanski (ab 78.): Bereits sein achter Bundesliga-Einsatz – allerdings ohne nennenswerte Szene. Note - © nph

Bilder vom Spiel

Schwache Bremer verlieren in Mainz mit 3:0

Bilder vom Bundesliga Spiel des 30. Spieltages - 1. FSV Mainz 05 gegen SV Werder Bremen © nordphoto
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Bilder vom Bundesliga Spiel des 30. Spieltages - 1. FSV Mainz 05 gegen SV Werder Bremen © nordphoto
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Der FSV Mainz 05 hat sich mit einer beeindruckenden Leistung im Rennen um die internationalen Plätze der Fußball-Bundesliga zurückgemeldet. Nach zuletzt nur drei Punkten aus den vergangenen vier Partien zeigten sich die Rheinhessen beim 3:0 (3:0) gegen ein erschreckend schwaches Werder Bremen von ihrer besten Seite und dürfen mit 47 Zählern weiter von der Europa League träumen. © nordphoto
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Der FSV Mainz 05 hat sich mit einer beeindruckenden Leistung im Rennen um die internationalen Plätze der Fußball-Bundesliga zurückgemeldet. Nach zuletzt nur drei Punkten aus den vergangenen vier Partien zeigten sich die Rheinhessen beim 3:0 (3:0) gegen ein erschreckend schwaches Werder Bremen von ihrer besten Seite und dürfen mit 47 Zählern weiter von der Europa League träumen. © nordphoto
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Der FSV Mainz 05 hat sich mit einer beeindruckenden Leistung im Rennen um die internationalen Plätze der Fußball-Bundesliga zurückgemeldet. Nach zuletzt nur drei Punkten aus den vergangenen vier Partien zeigten sich die Rheinhessen beim 3:0 (3:0) gegen ein erschreckend schwaches Werder Bremen von ihrer besten Seite und dürfen mit 47 Zählern weiter von der Europa League träumen. © nordphoto
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Diese Aussagen kamen bei Eichin gar nicht gut an. „Das sind so Sachen, die kann ich nicht mehr hören – und das habe ich mit den Spielern auch schon ein paar Mal diskutiert“, zischte Eichin und legte noch nach: „Wenn wir nach dem Spiel anfangen, zu erzählen, was wir nicht gemacht haben. Das vertrage ich nicht. Und das ist in unserer Situation gefährlich. Dafür sind es jetzt zu wenig Spiele. Da müssen hundert Prozent her und nicht, dass man danach davon spricht, dass irgendwas gefehlt hat.“

Es ging schon mal harmonischer bei Werder zu. Dass es nicht noch mehr kracht, liegt auch an der Konkurrenz: Der Abstand auf den Relegationsplatz beträgt weiter sechs Punkte. Ein gute Polster für eine Achterbahnfahrt. Aber es muss noch einmal aufwärts gehen. n kni

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