Spieler, Trainer, Ärzte, Physios – „wir stellen alles auf den Prüfstand“

Werder und sein Lazarett: Allofs will es jetzt wissen

Bremen - Im Heimspiel gegen Augsburg fehlte dem SV Werder Bremen am Samstag eine komplette Elf – und das nur aus Verletzungsgründen (Bild unten). Warum trifft es die Bremer so knüppelhart? Nur Pech? Oder läuft etwas falsch?

Diese Fragen stellt sich natürlich auch Klaus Allofs – und jetzt will der Sportchef Antworten hören. In dieser Woche wird es intensive Gespräche geben mit Spielern, Trainern, Ärzten und Physiotherapeuten. „Wir sagen nicht, dass das alles Zufall oder eine Verschwörung ist – wir stellen alles auf den Prüfstand“, kündigt Allofs an.

Allerdings: Neu ist dieses Thema bei Werder eigentlich nicht. Schon in der vergangenen Saison zog sich das Verletzungspech wie ein roter Faden durch die Spielzeit und war mitverantwortlich für den unerwarteten Abstiegskampf. „Wir erleben in dieser Hinsicht eine Saison der Extreme. Man schaut jeden Tag, was man da anders machen und verbessern kann – und dann knickt wieder einer um. Im Schnitt fehlen mir sieben oder acht Spieler - das ist doch nicht normal“, hatte Trainer Thomas Schaaf fast genau vor einem Jahr geklagt.

Viel zu viele Verletzte: Werders Sportchef Klaus Allofs (rechts) und Trainer Thomas Schaaf begeben sich in dieser Woche auf Ursachenforschung.

Nun ist die Situation fast identisch. Konsequenzen werden trotzdem noch nicht gezogen. Zunächst steht eine Bestandsaufnahme auf dem Programm. „Es kann ja auch sein, dass herauskommt, dass wir nichts ändern müssen“, sagt Allofs und nähert sich dem Thema nun lieber etwas vorsichtiger. Denn vor der Augsburg-Partie hatte der Werder-Boss der „Bild“-Zeitung erklärt, das Privatleben der Profis unter die Lupe nehmen zu wollen. Danach war vom Überprüfen der Essgewohnheiten zu lesen. Doch Allofs legt großen Wert darauf, dass Werder jetzt nicht anfängt herumzuschnüffeln. Es würden weder irgendwo Kameras installiert noch Privatdetektive engagiert: „Wir wollen niemanden gängeln oder kontrollieren, sondern wissen, ob die Spieler in ihrem Verhalten irgendetwas verändert haben – beispielsweise bei der Regeneration oder in ihrer Ernährung.“

Die Werder-Noten gegen Augsburg

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Der Sportchef beschränkt sich aber nicht nur auf die Profis, er erwartet auch von der medizinischen Abteilung und den Physiotherapeuten detaillierte Auskünfte. Er wolle die Verletzungs-Schwemme „in Gesprächen und Diskussionen von allen Seiten beleuchten. Wo könnten Gefahrenquellen liegen? Was kann ich als einzelner besser machen?“, erklärt Allofs. Mit Trainer Thomas Schaaf habe er sich natürlich schon intensiv ausgetauscht. Ohne neue Erkenntnis. „Er hat in seiner Arbeit nichts Gravierendes verändert“, berichtet Allofs und nimmt den Coach damit schon einmal aus der Schusslinie.

An einer Überbelastung kann es jedenfalls nicht liegen. Werder spielt in dieser Saison nicht international und hat sich schon in der ersten Runde aus dem DFB-Pokal verabschiedet. 28 Pflichtspiele mussten die Bremer in dieser Saison bislang absolvieren – das sind 14 (!) weniger als der FC Bayern und Schalke 04.

Was ist dann das Problem? Sebastian Prödl hatte sich in der vergangenen Woche nach seiner neuerlichen Verletzung (Muskelfaserriss im Oberschenkel) aus der Deckung gewagt und seine Teamkollegen in die Pflicht genommen: „Als erstes müssen wir Spieler uns hinterfragen, ob wir Profitum leben und unseren Körper entsprechend pflegen.“ Er glaube nicht, dass es nur Pech sei: „Ich habe da meine Ansätze, aber es ist nicht meine Aufgabe das zu erörtern.“ Das ist Allofs’ Job, dem er jetzt nachkommt. Dass Prödl ihn quasi dazu öffentlich aufgefordert hat, findet der Ex-Profi „nicht negativ. Wir wollen doch Spieler haben, die sich Gedanken machen. Er hat das aber so im Raum stehen lassen – und es muss geklärt werden.“ Die Ergebnisse werden mit Spannung erwartet. · mr

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