Werder schließt sein Transferfenster – eine Kaderanalyse:

Gute Wellenbrecher, aber es droht eine Sturmflaute

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Zwei halbe Neuzugänge in ihrem Element: Philipp Bargfrede verteidigt gegen Franco Di Santo, beide haben verletzungsbedingt viele Spiele der Hinrunde verpasst.

Bremen - Noch nie hat Werder im Winter so viele Spieler hin- und hertransferiert wie in diesem Jahr – gleich acht an der Zahl. Schön verteilt auf beide Seiten, also Ab- und Zugänge. Geholt werden soll niemand mehr, hat Sportchef Thomas Eichin bereits am Dienstag angekündigt.

Und daran soll auch die Verletzung von Melvyn Lorenzen nichts ändern. Möglicherweise gibt der Club bis zum Ende der Transferperiode am Montag aber noch einen Spieler ab. Trotz knapper Kasse hat Werder mehr ausgegeben als eingenommen – aufgefangen wird das aber unter Umständen durch eingesparte Gehälter. Ob es sich gelohnt hat, muss die Rückrunde zeigen. Aber eine Kaderanalyse ist natürlich schon jetzt möglich und ergibt: Eichin und Co. haben gut gehandelt, hätten aber gerne noch etwas mehr tun können, um Werder noch besser vor dem Abstieg zu schützen. Aber das ist auch eine Geldfrage.

Der Überblick:

Die Torhüter:

Es war das Thema des Winters – und Werder hat fast das komplette Personal auf dieser Position ausgetauscht. Nur die Nummer eins ist geblieben. Aber ist Raphael Wolf wirklich noch die Nummer eins? Leihgabe Koen Casteels sitzt ihm im Nacken. Starke Konkurrenz für einen, der sich in der Hinrunde angreifbar gemacht hat. Dass Michael Zetterer als Talent geholt und Richard Strebinger verliehen wurde, ist nebensächlich.

Fazit: Werder musste handeln und wird davon profitieren.

Abwehr

Innenverteidiger: 39 Gegentore sagen alles. Daran ist freilich nicht allein das Abwehrzentrum schuld. Außerdem hat sich die Situation seit dem Trainerwechsel verbessert, weil endlich Alejandro Galvez verteidigen darf. Die Verpflichtung von Jannik Vestergaard macht trotzdem absolut Sinn: Er kann den noch verletzten Sebastian Prödl sofort ersetzen und im Sommer beerben, falls der Österreicher seinen Vertrag tatsächlich auslaufen lässt.

Fazit: Werder hat jetzt drei gute Wellenbrecher für die Gegentorflut, aber auch drei unzufriedene Innenverteidiger: Lukimya, Caldirola und Hüsing. Einer muss mindestens noch gehen.

Außenverteidiger: Alles beim Alten – und das ist richtig schade. Speziell auf der linken Seite hätte Werder Qualität gebrauchen können. Santiago Garcia bleibt ein Unsicherheitsfaktor, und Janek Sternberg ist auch noch keine echte Alternative. Rechts sieht es mit dem soliden Theodor Gebre Selassie, dem aktiven Marnon Busch und einem erfahrenen Clemens Fritz in der Hinterhand besser aus.

Fazit: Werder muss endlich mal eine gute Lösung für die linke Seite finden. Das Problem: Fast allen Konkurrenten geht es ähnlich.

Mittelfeld

Sechser: Kein Einkauf – und trotzdem ein Fast-Neuer: Philipp Bargfrede hat nach langer Verletzungspause die Vorbereitung durchgehalten und könnte nun durchstarten. Als Alternativen bleiben Felix Kroos und mit Abstrichen Cedrick Makiadi, der durch seine Teilnahme am Afrika-Cup aber ganz weit weg ist.

Fazit: Optimal wäre es gewesen, Werder hätte in der Winterpause aus dem robusten Bargfrede und dem spielstarken Kroos einen Sechser gemacht. Geht natürlich nicht, deshalb ist die Position allenfalls ordentlich besetzt. Verstärkung in dem Bereich hätte gut getan, war aber nicht zwingend notwendig.

Links/Rechts/Mitte: Levin Öztunali für Ludovic Obraniak – das bringt jede Menge Phantasie. Die Leihgabe aus Leverkusen kann ein echter Kracher werden, aber von einem 18-Jährigen darf man auch nicht zu viel erwarten. Das ist allerdings allemal besser, als Obraniak zu behalten, von dem niemand mehr etwas erwartet hat.

Fazit: Geschickte Verpflichtung, wenngleich Werder ein bisschen mehr Erfahrung sicher nicht geschadet hätte. Damit ist allerdings kein 30-Jähriger gemeint, der die Bundesliga nicht kennt und sich wahrscheinlich nie eingewöhnt…

Angriff

Da schickt ein abstiegsbedrohter Club im Winter zwei namhafte Stürmer weg – und einen auch noch zum direkten Konkurrenten. Ungewöhnlich ist das schon, aber auch nachvollziehbar. An Nils Petersen (SC Freiburg) und Eljero Elia (FC Southampton) hat hier kaum noch jemand geglaubt, denn sie haben sich von einem Zweitliga-Einkauf wie Fin Bartels und Talenten wie Davie Selke und Melvyn Lorenzen abhängen lassen. Im Gegensatz zu Franco Di Santo. Sechs Tore in elf Spielen – der Argentinier ist extrem wichtig und muss nach seiner wochenlangen Verletzungspause unbedingt schnell in Form kommen.

Fazit: Es war richtig, Petersen und Elia abzugeben. Es ist aber auch gefährlich, keinen Ersatz geholt zu haben. Denn wenn Di Santo wieder ausfällt, bleibt Werder vorne nur noch das Projekt „Jugend forscht“. Und nach dem Ausfall von Lorenzen fehlt dabei vorerst ein großes Talent.

kni

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