Werder schlecht wie nie, doch Dutt hat es schnell verdrängt

+
Abgang der Gedemütigten: Eljero Elia, Assani Lukimya und Raphael Wolf verlassen gesenkten Hauptes den Platz.

Bremen - Von Carsten Sander. Es ist schlecht bestellt um Werder Bremen. Mit der 0:7-Pleite gegen Bayern München erlebten die Grün-Weißen am Samstag einen ihrer schwärzesten Tage in 50 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit.

Und obwohl die denkwürdige Pleite ein weiteres Indiz für die sportlich gravierenden Probleme der Mannschaft ist, verweigern die Verantwortlichen hartnäckig die Auseinandersetzung mit dem Thema Abstiegskampf. Ignoranz oder besseres Wissen?

Das Spiel steuerte gerade seiner historischen Dimension entgegen, als in Trainer Robin Dutt und Sportchef Thomas Eichin schon der Plan reifte, wie sie das blamable Ergebnis nach außen moderieren würden. Sie entschieden sich, so zu tun, als ob Werder gerade kein Bundesliga-Spiel, sondern nur irgendein Showmatch gegen die Harlem Globetrotters des Fußballs verloren hätte. „Dieses Spiel war nicht normal. Wir müssen es schnell abhaken“, sagte Eichin. „Es war eine Ausnahmeerscheinung, weil wir gegen eine Ausnahmemannschaft gespielt haben“, meinte Dutt und ergänzte: „Ich drücke jetzt bei den Spielern einfach die Reset-Taste, weil dieses Spiel nicht das Spiel ist, das uns in unserer Entwicklung beeinflussen sollte.“ So einfach? „Ja, so einfach. Wir müssen diesen schweren Rucksack des 0:7 schnellstmöglich leeren. Und das geht am besten, wenn wir alles rücksichtslos über Bord werfen.“

Das Muster ist dabei klar erkennbar: Nicht die Bremer waren an diesem schwarzen Samstag im Weserstadion das Problem gewesen, sondern die Raketen in den roten Trikots. Sagten die Werder-Bosse.

Seine Spieler, das attestierte der Trainer jedem Einzelnen, müssten sich jedenfalls keinen Vorwurf machen. Wie vor dem Spiel gefordert, seien alle um ihr sportliches Leben gelaufen: „Da war keiner dabei, der auch nur einen Meter zu wenig gemacht hat“, meinte Dutt. Dennoch verlor Werder so hoch gegen die Bayern wie noch kein anderes Team in dieser Saison. Selbst das Trio auf den Abstiegsplätzen hat sich deutlich besser aus der Affäre gezogen. Braunschweig und Nürnberg verloren in München jeweils nur 0:2, Freiburg schaffte daheim gar ein 1:1. Werder dagegen „hat schön auf die Fresse bekommen“, stöhnte Kapitän Clemens Fritz.

Nach dem 0:7 - Werder in der Einzelkritik

Nach dem 0:7 - Werder in der Einzelkritik

Ein Eigentor von Assani Lukimya (21.), ein Kopfballtreffer von Daniel van Buyten (27.), zwei Tore des phänomenalen Franck Ribery (38./82.) sowie Mario Mandzukic (60.) und Thomas Müller (69.) sorgten schon für das Bremer Debakel, ehe Mario Götze in der Schlussminute noch zum 7:0 traf. Damit war das 1:7 vom 21. März 1987 gegen Gladbach als höchste Bremer Heimniederlage abgelöst.

Die Überlegenheit der jetzt seit 40 Liga-Spielen in Folge ungeschlagenen Münchner war dermaßen auffällig, dass es so manchem Werder-Fan auf der Tribüne kalt den Rücken runterlief. Was wird aus Werder? Ein Abstiegskandidat wie in der Vorsaison? „Nicht mein Thema“, antwortete Dutt: „Ich spreche nicht über die Tabelle, sondern nur über die Entwicklung der Spieler. Da bin ich in Teilen zufrieden, in Teilen nicht. Womit ich uneingeschränkt zufrieden bin, ist die Mentalität der Mannschaft, da mache ich ihr auch nach diesem Spiel keinen Vorwurf.“

Dennoch ist die sportliche Ausbeute alarmierend. 34 Gegentore nach 15 Spieltagen deuten auf eine noch schlimmere Schlussbilanz hin als in der Vorsaison (66). Die fünf Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz sind zwar geblieben, doch selbst Robin Dutt räumte ein: „Wenn ich über die Tabelle sprechen würde, würden mich die fünf Punkte nicht beruhigen.“

Bayern schießt Werder mit 7:0 ab

Bayern schießt Werder mit 7:0 ab

Zumal der Trend klar gegen Werder spricht. Nur ein Sieg gelang in den letzten neun Spielen. Das 0:7 ist nun ein Tiefpunkt. Werder spielte wie ein Absteiger, und Dutt sah „einen Klassenunterschied“ – allerdings nur wegen der Stärke der Bayern: „Wir konnten noch so schnell laufen, wir sind hinter Ribery nicht hergekommen. Es war nicht möglich. Wir konnten nicht so schnell laufen, wie Thiago gepasst hat. Und wir konnten nicht so hoch springen wie van Buyten. Es hat nicht gereicht.“ Manager Eichin widmete der Aufarbeitung der Blamage deutlich weniger Worte: „Ich war heilfroh, als die 90 Minuten rum waren. Wir waren in allen Belangen unterlegen. Aber wir müssen uns den Mund abwischen und am Freitag zeigen, was wirklich in uns steckt.“

Dann tritt Werder bei der Berliner Hertha an. Bis dahin muss das Sieben-Tore-Ungeheuer aus den Köpfen verschwunden sein. Zu diesem Zweck hatte Coach Dutt die Spieler direkt nach dem Abpfiff im Mittelkreis versammelt. „In dieser Sekunde“, sagte er, „hat für uns die Vorbereitung auf Berlin begonnen.“ Die aber heute schon wieder unterbrochen ist. Dutt hat seinen Spielern freigegeben und rät: „Niemand soll an Fußball denken.“ Ob das tatsächlich das richtige Mittel ist? n csa

Mehr zum Thema:

Grusel-Shots und erster Abschied: Der achte Dschungel-Tag in Bildern

Grusel-Shots und erster Abschied: Der achte Dschungel-Tag in Bildern

DHB-Team bei WM als Gruppensieger in K.o.-Runde

DHB-Team bei WM als Gruppensieger in K.o.-Runde

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

Amtseinführung von Donald Trump: Die Fotos vom Kapitol

Werder-Abschlusstraining am Freitag

Werder-Abschlusstraining am Freitag

Meistgelesene Artikel

Neue Chance für Maximilian Eggestein

Neue Chance für Maximilian Eggestein

Zlatko Junuzovic ist wieder im Training

Zlatko Junuzovic ist wieder im Training

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Gnabry und Eilers für "Tor des Jahres" nominiert

Aus der Traum von der Rückkehr: Arsenal verlängert mit Mertesacker

Aus der Traum von der Rückkehr: Arsenal verlängert mit Mertesacker

Kommentare