4:3 – Werder ringt Gladbach nieder und steht im Viertelfinale des DFB-Pokals

Was für ein Mut, was für ein Spiel!

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„Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa“ – Anthony Ujah schreit nach seinem Tor zum 4:2 die ganze Freude heraus und demonstriert damit: Werder ist wieder da!

Mönchengladbach - Wer hätte dieser Mannschaft das noch zugetraut? Viktor Skripnik! Der Werder-Coach strafte gestern Abend alle Kritiker Lügen, zauberte eine überraschende Startelf aufs Feld und stattete diese auch noch mit ganz, ganz viel Mut aus. Der Lohn ist das DFB-Pokal-Viertelfinale – das erste seit der Saison 2009/10. Und dazu gibt es jede Menge Respekt. Denn dieser 4:3 (0:1)-Erfolg gestern Abend im Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach verdient die Bezeichnung „Bestes Spiel seit einer gefühlten Ewigkeit“. Werder lebt wieder – und das hoffentlich auch in der Bundesliga.

+„Ich bin stolz auf diese Mannschaft. Der Sieg war sehr wichtig – auch finanziell“, schwärmte Sportchef Thomas Eichin und dachte dabei an die Zusatzeinnahmen: Eine Million Euro gibt es als Prämie vom DFB, dazu kommen noch die Zuschauereinnahmen. Der Gegner wird heute Abend um 23.15 Uhr in der ARD ausgelost, das Viertelfinale dann am 9./10. Februar ausgetragen. Der siebte Pokalsieg in der Vereinsgeschichte darf weiter ins Visier genommen werden.

Dabei hatte Skripnik im Vorfeld der Partie alles andere als angriffslustig gewirkt – und präsentierte dann so eine Aufstellung: Der 46-Jährige brachte Claudio Pizarro als zweite, etwas hängende Spitze, stellte somit das System vom defensiveren 4:1:4:1 zum offensiveren 4:4:2 um. Und das gegen ein Spitzenteam! Außerdem durften in der Viererkette Assani Lukimya und Janek Sternberg für Alejandro Galvez und Santiago Garcia an. „Wir wollten etwas anders spielen als sonst und die Gladbacher Abwehr attackieren, ohne ins offene Messer zu laufen“, erklärte Eichin.

Und der mutige Plan ging auf. Werder war die bessere Mannschaft und hatte binnen zwei Minuten drei richtig gute Chancen: Doch Claudio Pizarro und Theodor Gebre Selassie scheiterten an Keeper Yann Sommer (10.), Clemens Fritz verfehlte knapp das Ziel (11.).

Mönchengladbach bekam es überhaupt nicht, dass Granit Xhaka als Sechser schon im Spielaufbau am eigenen Strafraum abwechselnd von Philipp Bargfrede und Fritz attackiert wurde. Nur einmal kam die Borussia gefährlich vor das Werder-Tor, doch da reagierte Keeper Felix Wiedwald glänzend gegen Raffael (14.).

Ansonsten hatten die Bremer alles im Griff. Bis zur 32. Minute: Da verpasste Fritz den rechtzeitigen Zugriff auf Mahmoud Dahoud. Der deutsche U20-Nationaspieler bediente Thorgan Hazard, der wiederum blitzschnell Lars Stindl – und schon zappelte die Kugel unhaltbar im Bremer Netz.

Wie bitter! Zumal Gladbach nun richtig aufwachte, die Partie beherrschte. Sollte es das schon gewesen sein für Werder? Nein! Die Gäste kämpften sich nach der Pause zurück und drehten den Spieß innerhalb von nur sieben Minuten um. Erst jagte Sternberg nach Pizarro-Vorlage den Ball flach zum 1:1 ins lange Eck (52.). Dann staubte Jannik Vestergaard gedankenschnell ab, nachdem Sommer einen frechen Freistoß von Florian Grillitsch gerade noch so an den Innenpfosten gelenkt hatte (58.). Zum ersten Mal in dieser Saison war aus einem Bremer Rückstand eine Bremer Führung geworden. Allerdings auch mit etwas Glück. Denn zwischen den beiden Werder-Toren hatte Hazard den Innenpfosten getroffen (57.).

Nun war es Pokal pur vor 53106 Zuschauern im nicht ganz ausverkauften Borussia-Park. Strafraumszenen auf beiden Seiten – und dann gab es die verrückten fünf Minuten: Erst glich Branimir Hrgota nach einem Ballverlust von Ulisses Garcia aus (73.). Doch Pizarro behob postwendend den Schaden, als er eine Hereingabe von Levin Öztunali durch die Beine von Sommer schoss – 3:2 (75.). Und weil kurz darauf Anthony Ujah nach feiner Vorarbeit von Grillitsch sogar auf 4:2 erhöhte (78.), herrschte Ausnahmezustand bei den 4500 Werder-Fans.

Die Noten zum Werder-Pokalsieg in Gladbach

Es fühlte sich wie ein Traum an. Doch es war echt. Die Gäste belohnten sich für ihren Mut und ihre Leidenschaft. „Endlich haben wir das mal 90 Minuten durchgezogen“, jubelte Fritz. Die Unaufmerksamkeit in der Nachspielzeit, als Hrgota noch der Anschlusstreffer gelang, hatte er einfach mal vergessen. War ja auch unwichtig, denn Gladbach kam nicht mehr zurück. Werder durfte feiern, genoss den Erfolg in vollen Zügen vor den eigenen Fans.

Auch Skripnik gönnte sich ein „Wahnsinn“. Er sei „überglücklich, mit vier Toren auswärts gegen einen starken Gegner gewonnen zu haben“. Und genauso froh dürfte er darüber sein, dass seine Position vor dem Hinrunden-Finale der Bundesliga am Samstag in Frankfurt nun gestärkter ist. Wer hätte das vor dem Spiel bei diesem Gegner gedacht?

kni/mr

Werder gewinnt Pokalfight in Gladbach

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