Werder Bremen: Zum Leben zu wenig . . .

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Flugeinlage: Werders Mittelfeldmann Aaron Hunt (rechts) im Luftdreikampf mit Hannovers Christian Schulz (Mitte) und Torwart Ron-Robert Zieler. 

Von Arne Flügge - 90 Minuten lang gekämpft, streckenweise sogar ordentlich Fußball gespielt und auch nach dem Abpfiff noch vollgepumpt mit Adrenalin.

Doch in der Frage, ob das Glas nach dem 1:1 (0:1) von Werder Bremen gestern Abend gegen Hannover 96 nun halbvoll oder halbleer war, ließ Bremens Sportchef Klaus Allofs keine zwei Antworten zu: „Wir treten punktemäßig auf der Stelle, das war kein Fortschritt.“

Da der 1. FC Köln und St. Pauli gewannen, Kaiserslautern gegen Spitzenreiter Dortmund einen Punkt holte, rutschte Werder sogar vom 13. auf den 14. Tabellenplatz ab. Die Alarmglocken im Abstiegskampf schrillen lauter denn je. Immerhin stimmte positiv, dass sich die Bremer vor 39.500 Zuschauern im nicht ausverkauften Weserstadion gegen den drohenden Abstieg wehrten.

Werder begann stark, ließ den Gästen in der Anfangsphase kaum Luft zum Atmen. Und in der 21. Minute hatten die Bremer auch schon den Torschrei auf den Lippen, doch Sebastian Prödls Kopfball nach einer Ecke kratzte Manuel Schmiedebach gerade noch von der Linie; und das mit angelegtem Arm, was Werder-Verteidiger Per Mertesacker später noch immer ärgerte: „Ein klares Handspiel“, schimpfte der 26-Jährige. Schiedsrichter Dr. Felix Brych hatte das anders gesehen, der Elfmeterpfiff blieb aus.

Fünf Minuten später zeigte sich dann, warum die Bremer so tief im Sumpf stecken. Wie aus heiterem Himmel traf Hannovers Torjäger Didier Ya Konan zur 1:0-Führung der Gäste, weil zunächst Prödl Gegenspieler Schlaudraff nicht am Pass hinderte, Mikael Silvestre dann Ya Konan entwischen ließ und schließlich auch Mertesacker den Ivorer nicht stoppte – 0:1 (26.). „Wir beginnen so gut und kassieren dann wieder so ein dummes Gegentor. Das darf uns einfach nicht mehr passieren“, schimpfte Kapitän Torsten Frings – und Trainer Thomas Schaaf ergänzte: „Wir haben uns damit wieder selbst in eine schlechte Position gebracht.“

Remis in Bremen

Remis in Bremen: Werder und Hannover 96 trennen sich 1:1

Immerhin fiel Werder nach dem Rückstand nicht – wie schon häufiger in dieser Saison – auseinander. Die Bremer kämpften, wollten unbedingt den Ausgleich – und wurden fünf Minuten nach Wiederanpfiff belohnt. Nach einem Freistoß von Aaron Hunt und einer Kopfballverlängerung von Silvestre stieg Mertesacker am Höchsten und köpfte den Ball zum 1:1 ins lange Eck. „Wenn ich schon mit nach vorn gehe, möchte ich auch den Ertrag haben. Ich habe keine Lust, umsonst 50 Meter nach vorn und dann wieder zurückzurennen“, flachste der Torschütze.

Jetzt wollte Werder mehr, schaffte es aber nicht, sich gegen die gut gestaffelte Hannoveraner Abwehr entscheidend durchzusetzen. „Werder war richtig stark, doch wir haben es geschafft, 90 Minuten dagegenzuhalten“, resümierte „96“-Trainer Mirko Slomka. Nachdem Marko Arnautovic in der 56. Minute knapp verzogen hatte, folgten 120 Sekunden, die Werder auch weit nach Spielschluss noch beschäftigten.

Zunächst spielte Ya Konan den Ball mit der Hand (62.). Bereits mit Gelb verwarnt, hätte der „96“-Angreifer die Ampelkarte sehen müssen. „Ganz klar ein Platzverweis“, schimpfte Frings. Schiri Brych hatte da seine eigene Sichtweise: „Ich habe die Bilder gesehen. Es war Handspiel, mit Absicht. Aber da gibt es auch Unterschiede. Um eine Gelbe Karte zu zeigen, muss eine Unsportlichkeit vorliegen. Und die lag meines Erachtens nicht vor.“ Nun, das sei mal so dahingestellt.

Und schlimmer traf Werder ohnehin 60 Sekunden später die Auswechslung von Claudio Pizarro. Bremens Topstürmer zog sich eine Oberschenkelverletzung zu. „Im Moment sieht es nach einer Zerrung aus. Claudio wird wohl sieben bis zehn Tage ausfallen“, seufzte Trainer Schaaf. Ein herber Rückschlag für Werder im Abstiegskampf. Es ist bereits Pizarros vierte Muskelverletzung in dieser Saison. „Das ist schon auffällig“, stellte Allofs fest.

Pizarro fehlte den Bremern in der Schlussphase merklich. Werder versuchte zwar weiter, den Siegtreffer zu erzielen, kam aber nicht richtig durch – und war auf der anderen Seite nun anfällig für Konter. Und die Bremer konnten sich bei Torwart Sebastian Mielitz bedanken, der zwischen der 79. und 83. Minute gleich viermal rettete. „Eine Klasseleistung“, lobte Sportdirektor Allofs, der unmittelbar nach dem Abpfiff auch noch seinen Einsatz hatte. Hannovers Schmiedebach hatte gegen Marko Marin nachgetreten. Sofort kam es zu einer heftigen Rudelbildung, bei der Clemens Fritz seinem Kollegen zu Hilfe kam, Allofs, Schaaf und auch Slomka zu schlichten versuchten. „Es wurde nachgetreten, da ist es doch klar, dass ich meinen Mitspieler verteidige“, sagte Fritz.

Schmiedebach sah noch die Gelbe Karte. Es war seine fünfte, was Slomka auf die Palme brachte: „Das darf nicht passieren.“

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