Werder-Profis wollen alles andere ausblenden

Werder-Profis haben nur noch die Bayern im Kopf

Bremen - Der angekündigte Rückzug von Aufsichtsratschef Willi Lemke, der viel diskutierte Richtungswechsel hin zu einer mutigeren Finanzpolitik – und der Infront-Deal, der frische Millionen bringt und den Handlungsspielraum für Winter-Neuzugänge erhöht: Das waren die Werder-Schlagzeilen der vergangenen Tage. Die Bremer Profis kennen sie, sind aber bemüht, all das möglichst nicht an sich heranzulassen.

Etwa Fin Bartels. „Ich versuche, das komplett auszublenden. Wir haben ohnehin keinen Einfluss darauf, was da oben passiert“, sagte der Mittelfeldmann und meinte die Büros der Verantwortlichen im Weserstadion. Von großer Einigkeit und Harmonie war auf der Führungsebene zuletzt nicht viel zu spüren. Dennoch glaubt Vizekapitän Sebastian Prödl, dass alles gut wird: „Die große Stärke des Vereins ist das familiäre Auftreten. Da wird alles in Ruhe besprochen – und dann geht man gestärkt aus solchen Situationen hervor. Das wird Werder weiter ausmachen.“

Mehr Gedanken mag sich Prödl zu den Themen abseits des Platzes jedoch nicht machen, zumindest nicht öffentlich – seine Teamkollegen und er wollen „raus aus der Misere“ und seien „sehr fokussiert“ auf die kommende sportliche Aufgabe in der Bundesliga. Und die könnte schwerer nicht sein. Am Samstag (15.30 Uhr) treten die Bremer beim FC Bayern in München an. Siegloser Tabellenletzter gegen Tabellenführer – klarer können die Rollen nicht verteilt sein. Doch Werder kratzt das letzte Selbstvertrauen zusammen und versucht, nicht schon vorab in Ehrfurcht zu erstarren. „Wir fahren da sicher nicht hin, um uns abschießen zu lassen“, erklärte Bartels und ergänzte: „Für uns ist das eine Riesenaufgabe, ein Highlight für jeden. So wollen wir es anpacken.“

Prödl geht die Mission München mit einer verbalen Mischung aus Demut und Angriffslust an. „Ich sehe bei den Bayern nicht so viele Schwächen“, gestand der Österreicher, „dafür aber bei uns einige Stärken. Wir sind ein unangenehmer Gegner, jedes Spiel stand auf der Kippe. Wir wollen unser gutes Gesicht präsentieren. Den Bayern muss es wehtun, gegen uns zu spielen.“

Anders als die meisten seiner Bremer Kollegen hat Prödl frische Sieg-Erfahrung. Landsmann Zlatko Junuzovic und er fuhren in der EM-Qualifikation mit Österreich zwei Siege ein und sind Spitzenreiter der Gruppe G. Das gibt Rückenwind. Prödl nutzte während der Länderspielreise auch schon mal die Gelegenheit, mit Bayerns Linksfuß David Alaba über das Nord-Süd-Duell am Samstag zu sprechen. „Ich habe versucht, ihn zu bestechen“, lachte Prödl, „aber er wollte nicht...“

mr

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