Werder-Profi glaubt fest daran, dass die Mannschaft erneut mit Skripnik die Kurve kriegt

Bartels: „Wir leben!“

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Fin Bartels kann es nicht fassen, dass Werder schon wieder in diese Abwärtsspirale geraten ist und um den Klassenerhalt fürchten muss.

Bremen - Der Trainer schweigt. Viktor Skripnik möchte erst wieder öffentlich sprechen, wenn er muss: am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Mainz-Spiel. Die Werder-Profis sind da offener. Fin Bartels stellte sich gestern den Fragen der Journalisten. Der 28-Jährige stärkte dabei seinem Chef den Rücken, warnte vor Panikmache und versprach, dass Werder wieder gewinnen wird.

Herr Bartels, wie ist nach fünf Niederlagen in Serie die Stimmung im Team?

Fin Bartels: Wir sind alle sehr konzentriert und versuchen, das Positive aus dem Bayern-Spiel herauszuziehen. Es gab zwar wieder keine Punkte, trotzdem hatten wir offensiv gute Ansätze, und defensiv standen wir 90 Minuten richtig gut. Darauf gilt es aufzubauen.

Trotzdem steigt der Druck vor dem Spiel in Mainz, wie macht sich der bei Ihnen bemerkbar?

Bartels: Wir wissen, dass es eine ernste Situation ist. Deshalb müssen Punkte her. Wir kennen das schon vom letzten Jahr. Damals sind wir damit ganz gut umgegangen. Ich bin überzeugt, dass wir die Kurve kriegen.

Warum ist die Mannschaft erneut in diese unangenehme Lage geraten?

Bartels: Nach einem guten Start haben wir Spiele verloren, die wir einfach nicht verlieren dürfen. Danach war das Selbstvertrauen weg. So sind wir in die Abwärtsspirale geraten. Wir müssen jetzt den Turnaround schaffen und Punkte sammeln.

Ist das fehlende Selbstvertrauen auch für die Torflaute verantwortlich?

Bartels: Natürlich. Im Abschluss fehlt dir die Leichtigkeit, um etwas zu versuchen. Stattdessen hast du einen kleinen Rucksack auf dem Rücken. Ich denke, wir müssen den Ball einfach mal über die Linie würgen. Aber dafür müssen wir mutig sein, nur so werden wir Chancen kreieren und Tore machen.

Trainer Viktor Skripnik hat sich nach dem Bayern-Spiel mit den Medien angelegt. Wie haben Sie das wahrgenommen, und wie kommt er in der Mannschaft rüber?

Bartels: Als Trainer und Typ ist er immer noch komplett der gleiche. Er macht seine Arbeit wie immer, sehr konzentriert, aber immer auch mit einem Spaß dabei.

Skripnik hat seine Zukunft als Werder-Coach in Frage gestellt und gemutmaßt, dass er schon beim übernächsten Bundesliga-Spiel gegen Dortmund nicht mehr auf der Bank sitzen könnte. Ist das in der Mannschaft ein Thema, ist er noch der richtige Trainer?

Bartels: Natürlich ist er der richtige Trainer für uns. Aber es gilt nun, Ergebnisse einzufahren, denn es ist ein Ergebnissport.

Wie sehr fühlt man sich als Spieler für einen Trainer und dessen Zukunft verantwortlich?

Bartels: Darüber sollten wir uns jetzt keine Gedanken machen, damit macht man sich nur noch mehr verrückt. Wir wollen uns als Einheit da rauskämpfen – so wie vor einem Jahr.

Das gelang allerdings erst nach einem Trainerwechsel.

Bartels: Aber mit dem Trainer, den wir jetzt haben.

Skripnik hat vor einem Jahr auch den Schwung eines neuen Trainers genutzt. Was macht er jetzt?

Bartels: Natürlich ist der Effekt des Neuen weg. Aber das Trainerteam weiß, wie neue Reize gesetzt werden.

Welche sind das?

Bartels: Man muss jetzt nicht alles umkrempeln. Es geht um Kleinigkeiten. Manche sieht man auf dem Trainingsplatz, andere sind intern.

Vor dem Bayern-Spiel haben alle mit einer Niederlage gerechnet, wie groß ist nun der Druck, am Samstag in Mainz unbedingt punkten zu müssen?

Bartels: Der Druck wächst natürlich von Niederlage zu Niederlage. Aber wir haben 90 Minuten Zeit, das Spiel zu gewinnen, da muss man nicht mit aller Macht sofort vorne draufgehen, sondern die richtige Taktik finden. Wir haben in der Vergangenheit diese Drucksituationen meistern können, und das werden wir auch diesmal schaffen.

Vor fast genau einem Jahr gab es mit dem 2:1-Sieg in Mainz die Wende. Werden Sie sich das Spiel noch mal anschauen – quasi als Schablone?

Bartels: Damals hätten wir nach 30 Minuten 0:4 hinten liegen müssen und gewinnen dann noch. Ich hätte nichts dagegen, wenn es wieder so läuft. Ein dreckiger Sieg wie damals kann den Knoten zum Platzen bringen. Aber dafür müssen wir arbeiten, arbeiten und mutig sein, egal, ob Fehler passieren.

Das wurde vor den vergangenen Spielen auch gefordert, und nichts ist passiert. Muss etwas verändert werden?

Bartels: Wir hätten in Hannover und auch gegen die Bayern ein Tor machen können. Das hängt von Kleinigkeiten wie zum Beispiel dem letzten Pass vor dem Tor ab – kommt der, dann sieht die Welt ganz anders aus.

Ist das eher ein Kopfproblem oder mehr eine fußballerische Geschichte?

Bartels: Viel Kopf – Fußball ist sowieso viel Kopf.

Müssen die Spieler mehr den Kopf des angeschlagen wirkenden Trainers frei bekommen oder umgekehrt?

Bartels: Wir müssen da beim Trainer nichts machen, der weiß sehr gut mit der Situation umzugehen. In der Emotion nach einem Spiel sagt man manchmal Sachen etwas deutlicher, die von den Medien dann dankbar aufgenommen werden. Das ist alles nicht so dramatisch. Viktor ist eine Persönlichkeit, die das gut wegsteckt.

Sie haben in Ihrer Karriere schon häufiger Abstiegskampf erlebt, was ist da vor einem zehnten Spieltag das Wichtigste?

Bartels: Man muss die Lage jetzt nicht überspitzen. Wir müssen als Team weiter zusammenarbeiten, dürfen uns gegenseitig keine Vorwürfe machen und uns nicht zerfleischen. Es werden wahrscheinlich noch mehr Fehler passieren, weil es im Moment nicht von alleine läuft und das Selbstvertrauen fehlt. Da heißt es dann, jeden Fehler als Team aufzufangen, gemeinsam zu marschieren und den Erfolg zu erzwingen.

Wenn Sie die Situation mit der vor einem Jahr vergleichen: Was stimmt Sie da optimistisch?

Bartels: Wir haben etwas mehr Punkte. Nein, im Ernst: Wir dürfen von den letzten fünf Spielen drei auf keinen Fall verlieren. Das ist der Unterschied. Wir haben zwar auch letzte Saison gut angefangen, hatten dann aber Spiele, wo nichts mehr ging. Gegen Bayern haben wir bewiesen, dass wir leben. Das macht mich optimistisch.

Platz 16 ist aber nicht gerade erbaulich.

Bartels: Das stimmt. Man darf aber jetzt nicht mit dem Kopf unterm Arm durch die Gegend laufen. So wie wir nach Siegen die Kirche im Dorf lassen, sollten wir es auch jetzt tun. Wir dürfen nicht alles schwarz malen. Ja, es fehlen im Moment die Tore und die Punkte – daran müssen wir arbeiten. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir wieder erfolgreicher spielen werden!

kni

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