Nach der Absage des Länderspiels

„Wir dürfen nicht in Angst und Schrecken verfallen“

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Bartels ist fest davon überzeugt, „dass die Freude und der Spaß in den Stadien bleiben wird“.

Bremen - Es war heute Morgen ein etwas anderes Frühstück der Werder-Profis im Kabinentrakt des Weserstadions. Denn es gab eigentlich nur ein Thema, ein ziemlich unangenehmes: Die Absage des Länderspiels in Hannover wegen einer Terrorwarnung – und das nur wenige Tage nach den schlimmen Anschlägen in Paris.

„Wir haben viel darüber gesprochen. Natürlich bekommt man ein mulmiges Gefühl, wenn man am Wochenende wieder in einem vollen Stadion spielen soll“, gesteht Fin Bartels, der Mittelfeldspieler sagt aber auch: „Ich denke, es wäre das Verkehrteste, wenn man jetzt nicht spielen würde. Wir dürfen uns nicht diktieren lassen, was wir machen.“ Denken alle Werder-Profis so? „Jeder hat seine Meinung“, sagt Bartels. Nach ihm kommt Theodor Gebre Selassie in die Interview-Zone – und der Tscheche wirkt etwas besorgter als sein Teamkollege. „Das ist keine einfache Zeit“, sagt der 28-Jährige und lässt einen tiefen Seufzer folgen. Er macht sich dabei weniger Sorgen um sich („Bei uns ist immer viel Security“), sondern mehr um die Fans und vor allem um seine Familie. Da ist er ganz froh, dass am Samstag erst einmal ein Auswärtsspiel ansteht. Ob seine Frau dann eine Woche später im Heimspiel gegen den Hamburger SV auf der Tribüne mitfiebern wird, lässt Gebre Selassie offen: „Das muss ich mit ihr noch besprechen. Das ist alles schwierig.“

Es ist Gebre Selassie deutlich anzumerken, dass ihn das Thema tief berührt. Das gestrige Länderspiel seiner Tschechen gegen Polen hat er aus gesundheitlichen Gründen verpasst und nur ganz wenig aus der Ferne verfolgt: „In dieser Woche ist Fußball nicht so wichtig.“

Trotzdem wird natürlich trainiert. Die Vorbereitungen auf die Partie in Wolfsburg laufen. Ohne den noch nicht ganz fitten Gebre Selassie, aber natürlich mit Bartels. Der 28-Jährige findet es gut: „Zuhause oder in der Kabine sind diese schrecklichen Dinge immer ein Thema, aber auf dem Platz mit dem ganzen Adrenalin ist der Kopf zum Glück beim Fußball. Es ist gut, mal durchschnaufen zu können.“

Bei Werder gibt es auch noch andere Möglichkeiten, den Kopf frei zu bekommen. Die Spieler können Kontakt zu einem Psychologen aufnehmen. „Das läuft natürlich alles diskret“, sagt Bartels.

Hilfe könnten auch die Nationalspieler benötigen. „Es ist noch einmal eine ganz andere Situation, wenn du so etwas direkt vor Ort erlebst – und das gleich zwei Mal“, findet Bartels. Für ihn seien die Anschläge in Paris zwar ein Schock gewesen, aber irgendwie immer noch weit weg. So wie auch der Flugzeugabsturz in Ägypten. „Aber das in Hannover ist jetzt richtig greifbar, weil es so nah ist. Das macht es nicht einfacher“, gesteht Bartels.

Er setzt nun auf die steigenden Sicherheitsvorkehrungen: „Es wird noch schwieriger, in die Stadien zu kommen.“ Für die Fans werde das zwar mit den vielen Kontrollen nicht angenehm, aber sie würden sich danach auch sicherer fühlen. Bartels ist daher fest davon überzeugt, „dass die Freude und der Spaß in den Stadien bleiben wird“. Und er wiederholt noch einmal seine Grundeinstellung: „Wir dürfen jetzt nicht in Angst und Schrecken verfallen. Wir dürfen uns nicht diktieren lassen, was wir zu tun und zu lassen haben.“ Aber ein mulmiges Gefühl bleibt – auch bei ihm. 

 kni

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