Werder-Neuzugang Fin Bartels im Interview

„Ich habe zwei Gesichter“

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Zurückhaltender Typ – aber nur abseits des Platzes: Werders neuer Offensivmann Fin Bartels.

Zell Am Ziller - Fin Bartels ist ein „sehr netter Nachbar“, findet Nils Petersen. Der Stürmer sitzt in der Werder-Kabine direkt neben dem Neuzugang vom FC St. Pauli und hat bereits festgestellt: „Menschlich ist er super.“ Auch im Journalistengespräch im Zillertal vermittelt Bartels (27) einen freundlichen, aber sehr zurückhaltenden Eindruck. Doch er kann auch anders – wenn er auf dem Platz steht, zeigt der Offensivmann gerne mal sein zweites Gesicht.

Vier Jahre Saisonvorbereitung mit Zweitligist FC St. Pauli. Jetzt lernen Sie Werders kennen. Wo sind die größten Unterschiede?

Fin Bartels: In Nuancen ist es immer verschieden. Die ersten zweieinhalb Wochen hier waren schon sehr intensiv. Das habe ich so auch noch nie miterlebt. Aber Grundlage muss eben sein. Jetzt arbeiten wir mehr im technischen und taktischen Bereich – und da gibt es in jedem Verein gewisse Unterschiede. Man sollte es aber gar nicht groß vergleichen. Ich freue mich, hier zu sein und werde alles aufsaugen.

Wie sind Sie privat in Bremen mittlerweile angekommen – und was ist schöner als in Hamburg?

Bartels: Zu Hause in unserer Wohnung habe ich mich schon ganz gut eingelebt. In der Stadt war ich noch nicht so viel unterwegs, wir waren ja ständig auf Reisen. Was ich schon sagen kann: Bremen ist ein bisschen kleiner und beschaulicher, das kenne ich aus Kiel, wo ich geboren bin. Und es gefällt mir gut. Ich mag es zwischendurch auch mal ein bisschen ruhiger.

Eine ganz wichtige Frage für alle Bremer: Wie stehen Sie zum Hamburger SV?

Bartels: Ich habe vier Jahre beim Stadtrivalen gespielt (lacht). Auch durch den Wechsel steht der Verein jetzt bestimmt nicht höher im Kurs bei mir. Ich freue mich schon auf die Nordderbys, das werden bestimmt mit die interessantesten Spiele der Saison.

Was für einen Eindruck haben Sie von Ihrer neuen Mannschaft?

Bartels: Durchweg positiv. Ich wurde super aufgenommen. Allen Neuen wird es sehr leicht gemacht, sich hier zurechtzufinden und Teil der Mannschaft zu werden.

Mit St. Pauli haben Sie immer zünftige Abschlussfahrten gemacht, zuletzt im Mai nach Mallorca. Ist so etwas mit Werder auch denkbar?

Bartels: Ich werde es bestimmt nicht anregen, da halte ich mich lieber im Hintergrund. Mit Pauli war es eine Tradition und immer eine schöne Gaudi. Das macht man auch gerne mal mit. Bei Werder haben wir nun aber erst mal andere Ziele, als schon über so etwas nachzudenken.

Beim letzten Mallorca-Trip trugen alle Pauli-Profis T-Shirts mit Tarnnamen. Bei Ihnen stand „Two Face“ drauf. Warum?

Bartels: Ich bin privat und abseits des Platzes immer sehr zurückhaltend und eher introvertiert, auf dem Feld ist das alles aber ein bisschen anders. Deswegen kann man sagen, dass ich zwei Gesichter habe. Und da passte der Name ganz gut.

Kommen Sie auch mal aus sich heraus?

Bartels: Ab und zu kann ich ein Spaßmacher sein – wenn ich mich wohlfühle in einer Gruppe. Dann kann ich auch mal über mich selbst lachen, kein Thema.

Ihr Großvater Kurt war ein sehr guter Handballer, in den 60er Jahren drei Mal Deutscher Meister mit dem THW Kiel. Welche sportlichen Talente haben Sie außer Fußball?

Bartels: Also Schwimmen ist definitiv nichts für mich. Das wusste ich schon vor unserem Team-Triathlon – aber jetzt weiß ich es erst recht. Und um Handball zu spielen, habe ich zu kleine Hände, glaube ich. Ich spiele gerne mal Tennis, ein bisschen Abwechslung gehört dazu. Aber ein großes zweites Talent habe ich noch nicht entdeckt.

Dann zurück zum Fußball: Sie haben in Rostock und St. Pauli zwei Mal jeweils ein Jahr 1. Bundesliga gespielt, sind dann gleich wieder abgestiegen. Nun kommt mit 27 Jahren Ihr dritter Anlauf. Was bedeutet die neue Chance für Sie?

Bartels: Ich bin überglücklich und gehe es recht unbekümmert an. Ich weiß, dass es schwer wird und wir bei Werder eine hohe Qualität haben. Es ist ein Traum von jedem, die großen Spiele machen zu können. Ich mache mir keine Sorgen, sondern freue mich auf die Herausforderung.

Warum ist es Ihnen bislang nicht gelungen, sich dauerhaft in Liga eins zu etablieren.

Bartels: Mit Rostock und später St. Pauli waren wir damals auf einem guten Weg zur Rettung, aber wir haben es uns leider selbst kaputtgemacht, weil wir ein bisschen zu leichtfertig waren. Und dann bin ich nicht der Typ, der nach einem Jahr erste Liga und einem Abstieg sofort wieder abhaut. Außerdem hatte ich einen Vertrag.

Aus dem man Sie hätte herauskaufen können.

Bartels: Ja, das hätte man vielleicht machen können.

Es tat aber kein Erstligist – nun hat Werder Sie ablösefrei geholt. Schaffen Sie hier den Durchbruch in der 1. Bundesliga?

Bartels: Das ist mein Ziel. Und so gehe ich die Aufgabe auch an. Wir alle wollen ordentlichen Fußball in der ersten Liga spielen. Und dazu will ich meinen Teil beitragen. Ich bin inzwischen auch etwas reifer, habe Erfahrungen gesammelt, die mir helfen können.

Allerdings nicht nur gute: Sie sind in Ihrer Karriere schon vier Mal abgestiegen, jeweils ein Mal mit Holstein Kiel und St. Pauli, sogar gleich zwei Mal mit Hansa Rostock.

Bartels: Natürlich liest man das nicht gerne in seiner Vita. Aber daraus kann und muss man seine Schlüsse ziehen. Zum Beispiel, dass man in gewissen Situationen einfach cleverer sein muss. Ich hoffe, dass ich das in meinem fortgeschrittenen Alter besser drauf habe. Zuletzt hat es gut geklappt. Ich bin drei Jahre hinterein-ander nicht abgestiegen – das ist fast eine Erfolgsstory. Mein Ziel ist es, bis zu meinem Karriereende nicht mehr abzusteigen. Und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass es klappt.

mr

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