Werder mit neuem System raus aus der Krise

Hinten alle, vorne Ujah

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Der Mann, der die Krise besiegte: Anthony Ujah funktionierte im 4:1:4:1-System, wie er funktionieren musste und badete anschließend im Fan-Meer.

Bremen - Der Morgen nach dem Einzug in das DFB-Pokal-Achtelfinale war ein Bilderbuchmorgen für einen Fußballer. Nicht wegen Sonnenscheins im Fenster oder frischem Kaffee am Bett, sondern wegen des über die Nacht geretteten Gefühls des Sieges. „Man steht gleich mit guter Laune auf“, sagte Jannik Vestergaard.

Das 1:0 (1:0) über den 1. FC Köln war für Vestergaard uns seine Kollegen von Werder Bremen nicht nur der Sprung in die nächste Pokalrunde, sondern auch der nächste Schritt raus aus der Krise. Werder ist im Aufwind – doch schon morgen, wenn Borussia Dortmund im Weserstadion antritt (15 Uhr) könnte es damit wieder vorbei sein.

Es bleibt kaum Zeit für die Bremer, sich über das Erreichte zu freuen. Dabei war es alles andere als eine Selbstverständlichkeit, dass die mühsam aus dem tiefsten Tief gekrabbelte Mannschaft, dem Bundesligasieg bei Mainz 05 (3:1) vier Tage später auch den Erfolg im Cup-Wettbewerb gegen Köln folgen lassen würde. Aber Werder hat etwas entdeckt und entwickelt, auf das sich offenbar vertrauen und bauen lässt. Viele sprechen vom 4:1:4:1-System – man kann es aber auch die „Hinten-alle-und-vorne-Ujah-Methode“ nennen. Mit der sind die Bremer plötzlich erfolgreich und zufrieden. „Tony trifft, wir stehen hinten richtig – das ist im Moment so“, sagte auch Trainer Viktor Skripnik.

Gegen die großen Bayern fing es an. Werder staffelte sich neu mit zwei Viererketten, verbunden durch einen defensiven Mittelfeldmann. Und im Angriff trug Anthony Ujah die Hauptlast. Das brachte zunächst zwar keine Punkte, weil Ujah gegen den Rekordmeister noch zwei Chancen ausließ und die Bremer 0:1 verloren. Doch dann kam beides zusammen: defensive Stabilität und Ujah-Tore. Zwei waren es beim 3:1 in Mainz und das eine entscheidende gegen Köln, seinen Ex-Club. „Jetzt läuft es bei ihm“, sagte Skripnik über den Torjäger: „Ich drücke die Daumen, dass es so bleibt.“

Natürlich drückt er. Denn Ujah ist im Augenblick die wichtigste Figur im Bremer Spiel – logisch, denn ein Ein-Stürmer-System ist immer abhängig von der Qualität der Sturmspitze. „Er macht das super, perfekt“, urteilte Geschäftsführer Thomas Eichin nach Ujahs Siegtor am Mittwochabend: „Er macht den entscheidenden Treffer – das muss ein Stürmer dieser Art auch können.“

Ujah kann. Aber natürlich funktioniert Werder nicht allein wegen ihm. Das Fundament ist die Defensive. Und die hat nach der erst in Mainz beendeten Serie von fünf Niederlagen am Stück bemerkenswert plötzlich zur Sicherheit gefunden. Was Abwehrchef Jannik Vestergaard nicht nur das Aufstehen am Morgen, sondern das ganze Leben versüßt. „Mit dem 4:1:4:1-System haben wir viel Kompaktheit gewonnen. Wir machen es dem Gegner schwer, sich Torchancen herauszuspielen – auch die Bayern mussten sich sehr bemühen.“ Und die Mainzer erst! Und die Kölner … nun gut, die Rheinländer hatten Möglichkeiten, den Ausgleich zu markieren, das darf nicht unterschlagen werden.

Aber unterm Strich stand die Null – was Werder happy machte. „Das sieht im Moment ganz gut aus“, lobte Eichin. „Wir haben jetzt eine gute Basis gefunden“, stellte auch Vestergaard fest und schwenkte direkt rüber zur nächsten Aufgabe, der Partie gegen den Bundesliga-Zweiten aus Dortmund. „Für uns ist es jetzt die Herausforderung, das Selbstvertrauen, das wir getankt haben, mit einem guten Spiel gegen den BVB weiter aufzubauen“, meinte der Däne.

Das ist wohl leichter gesagt als getan. Denn die Borussia ist ein ähnliches Kaliber wie der FC Bayern. „Eine Torfabrik“ stöhnte Viktor Skripnik. Gegen Spieler wie Pierre-Emerick Aubameyang, Marco Reus, Henrikh Mchitarjan, Ilkay Gündogan und Shinji Kagawa „musst du schon die doppelte Energie aufbringen, um die Null zu halten“, glaubt der Bremer Coach.

Anders als vor zwei Wochen gegen den FC Bayern traut sich Werder genau das aber zu. Eichin, der gegen die Münchner sogar ein 0:12 ins Kalkül gezogen hatte, sagte nun: „Man hat in der Bundesliga immer eine Chance.“ So können zwei Siege die Erwartungshaltung grundlegend ändern.

csa/kni

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