Werder muss den HSV heute schlagen

Tierschutz auf dem Trikot – aber nicht für den „Dino“

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Der HSV ist Claudio Pizarros Lieblingsgegner. Gut möglich, dass er deshalb heute von Anfang an spielen darf.

Bremen - Der HSV hat heute nichts zu fürchten. Könnte man jedenfalls meinen. Schließlich ist er ein „Dino“, der einzige Club, der der Bundesliga seit Gründung und ohne Unterbrechung angehört. Und da „Dinos“ Tiere sind/waren, werden die Hamburger heute im Nordderby sehr pfleglich behandelt von Werder Bremen.

Der Erzrivale hat sich schließlich per Trikotwerbung dem Projekt „Für mehr Tierschutz“ verschrieben. Es ist eine von Lobbyisten des Hauptsponsors Wiesenhof platzierte Kampagne, die Werder heute besser nicht zu ernst nehmen sollte. Denn dann wäre der HSV im 103. Bundesliga-Duell beider Vereine fein raus.

Aber gut: Nicht jede via Spielerbrust verbreitete Botschaft muss auch ernst genommen werden. Tierschutz? Vielleicht für Wiesenhof-Geflügel, dessen Bestimmung dennoch das Schlachthaus bleibt. Aber doch bitte nicht für den „Dino“ aus Hamburg. Werder hat heute Gegensätzliches im Sinn, wenn um 15.30 Uhr der Evergreen der Liga im Weserstadion angepfiffen wird. „Wir wollen sie schlagen“, sagt Werder-Geschäftsführer Thomas Eichin.

Es muss aber auch gelingen. Denn nur 13 Punkte nach 13 Spieltagen bedeuten wieder mal Abstiegskampf für die Bremer – erst recht, wenn es gegen den HSV die sechste Heimniederlage der Saison setzen sollte. Dann wäre der Erzfeind und Fast-Absteiger der letzten beiden Spielzeiten schon um acht Punkte ent-eilt. Eine gruselige Vorstellung aus Bremer Sicht.

Marco Bode glaubt jedoch nicht, dass es so weit kommen wird. „Wir sind nach Negativ-Erlebnissen immer zurückgekommen, die Mannschaft ist aufgestanden und hat eine Reaktion gezeigt. Ich bin mir sicher, dass auch jetzt gegen den HSV wieder eine Reaktion zu sehen sein wird“, sagte der Vorsitzende des Werder-Aufsichtsrates gegenüber Sky Sport News HD: „Die Mannschaft wird alles dafür tun, um dieses Spiel zu gewinnen – es wird ein harter Fight.“

Um entsprechend gerüstet zu sein, haben Coach Viktor Skripnik und sein Assistent Torsten Frings nach dem 0:6-Debakel beim VfL Wolfsburg in die Motivationskiste gegriffen und alle internen Hierarchien mal eben weggefegt. Keine Stammplätze, kein Bonus für irgendwen – so hieß es jedenfalls zu Wochenbeginn. Was davon geblieben ist, wird sich heute Nachmittag zeigen, wenn Werder gegen 14.30 Uhr die Aufstellung veröffentlicht.

Es ist nicht zu anzunehmen, dass Skripnik und Frings das komplette Team umkrempeln. Aber ein, zwei feine, aber bedeutsame Änderungen könnte es in der Tierschutz-Truppe dann doch geben. Die eine in der Viererkette: In den Trainingseinheiten deutete sich an, dass Assani Lukimya den in Wolfsburg extrem schwachen Innenverteidiger Alejandro Galvez verdrängen wird. Und im Angriff könnte es nach Wochen mit der Ein-Stürmer-Strategie eine Rückkehr zur Zwei-Mann-Lösung geben. Heißt: Anthony Ujah und Claudio Pizarro gemeinsam in der Startelf. „Schauen wir mal“, sagt Skripnik geheimnisvoll zu diesem Modell, das er bisher erst einmal von Anfang an erprobt hat. Es ging total schief, Werder verlor 0:3 gegen Leverkusen.

Das ist zwei Monate her. Seither ist aus dem noch überhaupt nicht fitten Pizarro ein einigermaßen fitter Pizarro geworden. „Er kann jetzt länger als eine Halbzeit spielen“, meint der Coach. Und der Spieler selbst sagt im Werder-Talk bei Radio Bremen: „Ich bin jetzt in einer guten Phase.“

Dann darf er gerne seine bemerkenswerte HSV-Bilanz weiter ausbauen. In bislang 31 Begegnungen mit den Hamburgern erzielte Pizarro 21 Tore – nur Torjäger-Legende Gerd Müller ist bei 26 Treffern noch gnadenloser umgegangen mit dem Bundesliga-Urtier aus Hamburg. Pizarro sagt, er sei schon „heiß“ auf den HSV. Was freilich für jeden Werder-Profi gelten dürfte.

Viktor Skripnik glaubt, dass es ein kluger Kniff gewesen ist, nach der Klatsche in Wolfsburg erstmal allen Stammkräften das Vertrauen zu entziehen. „Die Spieler haben das ernst genommen und haben echt gut trainiert. Das freut mich“, sagt er. Und weil er weiß, dass er geschürte Unsicherheiten rechtzeitig vor dem Anpfiff wieder beseitigt haben muss, streichelt er Spielern wie Zlatko Junuzovic, der aktuell im Formtief steckt, nun die Seele. „Jeder kann mal in ein Loch fallen, das ist menschlich. Aber was er im Training gezeigt hat, gefällt mir gut. Ich drücke die Daumen, dass er wieder der Zladdy ist, den wir schon tausend Mal gesehen haben.“ Mit anderen Worten: Junuzovic behält den Stammplatz. Was nicht anders zu erwarten war. Das Loch, das durch die Gelbsperre von Kapitän Clemens Fritz im Mittelfeld entsteht, ist schon groß genug. Eine zweite Baustelle braucht es da nicht.

csa

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