3:2 – Werder muss gegen Viertligist FV Illertissen in die Verlängerung

Die Angsthasen besiegen doch noch den Pokalfluch

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Der Moment, der Werder Bremen die Angst nahm: Assani Lukimya nutzt aus, dass Illertissens Schlussmann Patrick Roesch orientierungslos durch den Fünfmeterraum hüpft und köpft in der Verlängerung das 2:1.

Ulm - Wer gibt schon gerne zu, dass er Angst hat? Die Werder-Profis haben es gestern getan und damit eindrucksvoll demonstriert, wie groß der Druck manchmal im Profifußball ist. Sie konnten so freimütig reden, weil ihr Angsthasen-Fußball noch einmal gut gegangen war. Der SV Werder Bremen überstand nach drei vergeblichen Anläufen gestern endlich mal wieder die erste Runde im DFB-Pokal, benötigte dafür aber gegen Viertligist FV Illertissen die Verlängerung –3:2 hieß es am Ende, ein Zittersieg. Nach 90 Minuten hatte es 1:1 gestanden – und das ziemlich glücklich aus Sicht des haushohen Favoriten.

„Jeder hatte Ballast auf den Schultern und die Angst im Rücken“, stöhnte Werder-Sportchef Thomas Eichin nach der Partie. Eljero Elia mochte ihm da nicht widersprechen: „Von der Tribüne aus muss es ausgesehen haben, als hätten wir Angst gehabt. Natürlich hast du im Hinterkopf, was in den letzten Jahren im Pokal passiert ist.“ Coach Robin Dutt hatte dafür durchaus Verständnis: „Ein Ausscheiden hätte eine verheerende Wirkung für uns gehabt. Es ist unglaublich schwer, so etwas aus den Köpfen herauszubekommen.“

Dabei hatte es für Werder perfekt begonnen. Nach nur drei Minuten zeigte Schiedsrichter Timo Gerach schon auf den Elfmeterpunkt. Zurecht. Illertissens Sebastian Schaller war der Ball nach einem Kopfball von Santiago Garcia vom Knie an den ausgefahrenen Arm gesprungen. Izet Hajrovic schnappte sich die Kugel und vollstreckte den Strafstoß sicher zum 1:0.

Eine frühe Führung hatten sich die Bremer so sehr gewünscht, um den Pokalfluch zu besiegen. Nur machten sie nichts daraus. Der Viertligist agierte auf Augenhöhe. „Da war kein Klassenunterschied zu erkennen“, lobte Dutt die Halbprofis. Die belohnten sich mit dem Ausgleich: Nach einer Freistoß-Hereingabe von Schaller schoss Moritz Nebel aus fünf Metern ungehindert ein (25.).

Immerhin wurden die Bremer jetzt wieder munterer. Doch Cedrick Makiadi vergab die Riesenchance zur erneuten Führung kläglich (28.). „Solche Möglichkeiten müssen wir in diesen schwierigen Spielen nutzen, dann hätten wir Ruhe gehabt“, klagte Mittelfeldmann Zlatko Junuzovic.

Robin Dutt reagierte in der Pause, allerdings ganz anders als erwartet: Der Werder-Coach brachte nicht den erfahrenen Nils Petersen, sondern Davie Selke für Fin Bartels. Der U19-Europameister stürmte nun neben Elia, dafür rückte Hajrovic ein Stück nach hinten auf die Zehn – und Junuzovic, der auf dieser Position enttäuscht hatte, ging ins rechte Mittelfeld. Doch das machte nicht Werder stärker, sondern Illertissen. Der Außenseiter wurde immer mutiger – und hätte durch Andreas Spann in Führung gehen müssen. Doch dem Stürmer versagten allein vor Keeper Raphael Wolf die Nerven (64.). Genauso wie kurz vor Schluss Marc Hämmerle, der aus einem hilflosen Querschläger von Garcia nur eine Rückgabe produzierte. Riesenglück für Werder – und irgendwie auch für Dutt. Der Coach war bei seiner zweiten Einwechslung nach einer Stunde erneut einen ungewöhnlichen Weg gegangen und hatte für Makiadi Nachwuchsmann Marnon Busch gebracht, der lange Zeit übernervös agierte.

Die Verlängerung begann mit einem Paukenschlag: Freistoß Junuzovic, Kopfball Lukimya – 2:1 (93.). Als Selke dann sogar einen Kroos-Schuss per Hacke unhaltbar zum 3:1 abfälschte (99.), schien alles klar zu sein. Für genau drei Minuten. Diesmal machte es Hämmerle besser, zirkelte den Ball in die Maschen.

Hajrovic, Lukimya und Selke schießen Werder in die nächste Runde

Die Noten: Galvez als sechser kein Volltreffer

In dem mit 10502 Zuschauern gut besuchten Ulmer Donaustadion, in das der FV Illertissen ausweichen musste, waren plötzlich die FVI-Fans viel, viel lauter als die große Werder-Anhängerschaft. Die zitterte nämlich gewaltig. Genauso wie die Spieler. „Ich dachte nur: Was ist denn das für ein Mist, schaffen wir das wieder nicht?“, erinnerte sich Elia und stellte dann zufrieden fest: „Es ist doch egal, wie man die erste Runde übersteht. Hauptsache wir sind weiter.“ Dutt bediente sich derweil der Ironie und scherzte: „Wir haben die Sensation geschafft!“ Rückschlüsse auf den Bundesliga-Start am Samstag in Berlin seien total unzulässig. Denn dann, so Dutt, müsse ja niemand mehr Angst vor einem Ausscheiden haben.

kni

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