„Werder ist für mich ein Meilenstein“

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Luca Caldirola vor einem frühen Foto der Bremer Verteidiger-Legende Horst-Dieter Höttges. Verschiedene Generationen, ein Metier. ·

Bremen - In seinem Pass steht, er sei Italiener. Wer Luca Caldirola im Leben abseits des Fußball-Platzes erlebt, mag das kaum glauben. Denn der 22-jährige wirkt insgesamt sehr unitalienisch.

Wenn er spricht, dann macht er das fast schon bedächtig, die Hände ruhen dabei, gestikulieren nicht wild. Caldirola ist nicht laut, eher leise. Aber eines an ihm ist echt italienisch: der Mann ist ein prima Verteidiger, das hat er im Land des Catenaccios gelernt. Der Heimat hat er aber den Rücken gekehrt, weil sie ihm nicht die Perspektive geboten hat, die er sich gewünscht hat. Bei Werder Bremen hat er alles, was er braucht – sagt er jedenfalls.

Herr Caldirola, Sie sind in der noch jungen Saison eine der wenigen Konstanten im Team, haben bislang alle sieben Partien absolviert. Überrascht Sie das?

Luca Caldirola:Ich bin sehr zufrieden, dass der Trainer mir so vertraut. Die Bundesliga ist für mich nach der englischen Premier League die stärkste Liga der Welt – dass ich da mitspielen darf, macht mich sehr glücklich.

Sie standen bei Inter Mailand unter Vertrag, haben aber fast ausschließlich in Italiens Serie B, der zweiten Liga, Erfahrungen gesammelt. Wie groß haben Sie den Sprung in die Bundesliga empfunden?

Caldirola:Ich wusste, dass das Niveau hoch sein würde. Aber meine Erwartungen wurden übertroffen. In der Bundesliga wird sehr schneller Fußball gespielt. Schneller auf jeden Fall als in Italien. Da ist ist alles langsamer, bedächtiger.

Wieso haben Sie Italien eigentlich verlassen? Sie waren Kapitän der U 21 – da sollte man glauben, die Clubs würden sich um das wohl größte Abwehrtalent seines Jahrgangs reißen.

Caldirola:In Italien ist es sehr schwer für junge Verteidiger, sich in der Serie A durchzusetzen oder überhaupt zu spielen.

Warum ist das so?

Caldirola:Weil in Italien viel Wert auf erfahrene Verteidiger gelegt wird. Junge Abwehrspieler haben es schwer. Insgesamt gibt es im Land sehr viele junge und gute Spieler, aber die müssen auch spielen dürfen. Das Heranführen von Talenten an die ersten Mannschaften ist ein Problem, über das auch gerade viel diskutiert wird in Italien.

Was raten Sie Landsleuten in Ihrem Alter?

Caldirola:Ich kann nur jedem jungen Spieler raten, Angebote aus Deutschland oder England anzunehmen, wenn welche kommen. Ich glaube auch, dass viele ins Ausland gehen werden.

Ist das Werder-Engagement nach dem vergeblichen Anlauf bei Inter Mailand und vielen Ausleihen nun Ihr eigentlicher Start in die Karriere?

Caldirola:Es ist ein Meilenstein. Ich bin sehr dankbar für die Chance.

Wie fühlen Sie sich als Italiener in Bremen?

Caldirola:Es fällt mir und meiner Freundin Marija bisher überhaupt nicht schwer, uns einzuleben. In den Supermärkten gibt es genügend italienische Produkte, die Menschen sind nett, die Stadt ist ruhig und in den Cafés schmeckt der Espresso. (lacht)

Sie mögen die Ruhe, nicht den Trubel?

Caldirola:Ich komme aus Mailand, und Mailand ist chaotisch. Da ist es wirklich schön, in einer Stadt zu leben, in der man sich beim Spaziergang nicht den Weg bahnen muss.

Was machen Ihre Deutschkenntnisse? Lernen Sie fleißig?

Caldirola:Zwei, drei Mal in der Woche nehme ich Unterricht. Einiges verstehe ich schon, und wenn man langsam spricht, sogar fast alles. Auf dem Platz versuche ich Deutsch zu sprechen, das ist besser für mich, so lerne ich am schnellsten.

Santiago Garcia dürfte die Ausnahme sein.

Caldirola:Er spricht sehr gutes Italienisch, natürlich bleiben wir dann dabei. Das macht es für uns beide einfacher.

Seit er bei Werder ist, müssen Sie nicht mehr links verteidigen, sondern können in der Mitte bleiben. Was Ihnen vermutlich ganz gelegen kommt.

Caldirola:Ich bin froh, dass Santi da ist, weil er ein sehr starker Spieler ist. Wir unternehmen auch privat viel miteinander, verstehen uns richtig gut.

Wie Sie selbst wirkt auch Garcia ziemlich ruhig. Nach seinem halben Tor gegen Nürnberg hat er beim Jubeln aber sein ganzes Temperament gezeigt. Können Sie auch so explodieren?

Caldirola:Vielleicht – wenn ich denn mal ein Tor machen sollte…

Tore verhindern reicht auch. Bisher hat das mal sehr gut funktioniert, und Werder spielte drei Mal zu Null. Es gab aber auch Spiele wie gegen Gladbach, Frankfurt und Nürnberg mit vielen Gegentoren. Wo sehen Sie Werder?

Caldirola:Wir stehen schon ganz gut da. Ich glaube an das Potenzial der Mannschaft. Und wenn man die letzten beiden Spiele gegen Hamburg und Nürnberg betrachtet, ist zu sehen, dass wir gerade unseren Weg finden.

Heute führt der Weg in die Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena, wo im VfB ein Gegner wartet, der zuletzt zehn Punkte aus vier Spielen geholt hat…

Caldirola: …und daran sieht man, dass das eine richtig starke Mannschaft ist. Aber auch wir haben zuletzt zwei Mal gut gespielt – wenn man die zweite Halbzeit gegen Nürnberg mal weglässt. Wir sind nicht chancenlos. Ich hoffe, dass wir die Punkte mitnehmen. · csa

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