Werder-Manager Eichin stärkt Skripnik - aber wie lange noch?

Bremen - Von Michael Rossmann. Werder Bremen rutscht immer tiefer in den Abstiegsstrudel. Das Unentschieden gegen den Aufsteiger aus Darmstadt ist zu wenig. Doch der Trainer erhält Rückendeckung - vorerst.

So gut es ging wehrte Werder-Manager Thomas Eichin die Fragen zu Viktor Skripnik ab - beenden konnte er die immer lauter werdende Trainer-Diskussion aber nicht. Nachdem er mehrmals blockte, ließ sich der Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten nach dem glücklichen 2:2 (1:1) gegen Darmstadt 98 irgendwann doch noch zu konkreteren Aussagen zu Skripniks Zukunft bewegen: „Ihr werdet doch an meiner Art und Weise, wie ich spreche, hören, dass ich nicht vorhabe, den Trainer zu wechseln.“ Der Trainer darf also weitermachen, zumindest bis zum Spiel am Mittwoch in Leverkusen.

Trotz des erneuten Rückschlages. Trotz des Negativrekords mit neun Heimspielen ohne Sieg. Trotz der mickrigen 21 Punkten aus 23 Spielen - auch das ein ungewollter Negativ-Rekord. Routinier Claudio Pizarro stärkte dem Coach am Tag nach dem Remis ebenfalls den Rücken. „Wir stehen hinter ihm“, sagte der peruanische Fußballprofi am Sonntag. „Wir versuchen alles, dass er eine ruhige Woche hat.“ Pizarros später Ausgleich in der vorletzten Minute der regulären Spielzeit hatte auch dem Manager den Druck bei der Trainer-Frage genommen. „Wir als Verein müssen aus dieser Nummer kommen, alle zusammen“, betonte der Manager. „Deshalb beantworte ich diese Frage grundsätzlich nicht.“ Nicht direkt, aber zumindest indirekt gab Eichin doch Antwort. „Die Zukunft des Trainers wird nicht diskutiert“, sagte er. „Wir als Verein haben den Druck, nicht nur der Trainer, jeder von uns.“ Die Mannschaft spielt auf jeden Fall nicht gegen Skripnik. Sie bäumte sich nach den Darmstädter Treffern durch Sandro Wagner (44./Foulelfmeter) und Aytac Sulu (82.) auf und kam nach Anthony Ujahs (33.) Führungstor auch noch zu einem Punkt durch Pizarro (89.).

Die Noten für die Werder-Profis

Felix Wiedwald: Gute Parade gegen Rausch (22.), aber dann: Unglücklich, wie er den Elfmeter zum 1:1 verursachte, unglücklich, wie er vor dem 1:2 aus dem Tor, aber nicht an den Ball kam. Note 4,5 © nph
Theodor Gebre Selassie: Offensiver als sonst, weil es die Taktik so forderte. Aber zu selten sprang dabei etwas heraus, weil der Außenverteidiger in Bedrängnis zu hektisch agierte. Note 4 © nph
Jannik Vestergaard: Vor dem Elfmeter zum 0:1 wurde er getunnelt, beim 1:2 hätte der Riese (1,99 Meter) gerne auch bei Kopfball-Spezialist Sulu sein dürfen. Der Däne war schon mal wesentlich souveräner. Note 4 © nph
Papy Djilobodji: Kleines Tief beim Senegalesen. Der Innenverteidiger wirkte etwas fahrig und unkonzentriert. An beiden Gegentoren trug er eine Mitschuld. Note 4,5 © nph
Santiago Garcia: Hatte einige Mühe mit dem schnellen Heller. Wollte in der Offensive Akzente setzen, doch wirklich viel gelang ihm dabei nicht. Note 4 © nph
Florian Grillitsch: Überraschend einziger Sechser – und der Österreicher machte das bei seiner Premiere ganz ordentlich. Er ging allerdings auch etwas zu sehr auf Nummer sicher. Note 3,5 © nph
Sambou Yatabare (ab 58.): Erstmals in der Startelf, aber wie schon beim Debüt in Ingolstadt nicht im Zentrum, sondern im rechten Mittelfeld. Athletisch, aktiv und robust – ein Mal allerdings viel zu robust: Sein Foul an Gondorf hätte auch Rot geben können (45.). Positiv seine Vorlage zum 1:0. Aber als 26-Jähriger muss er insgesamt einfach besonnener agieren. Note 4 © nph
Zlatko Junuzovic: Zurück in der Startelf – und der Ersatzkapitän wollte eine gute Leistung erzwingen. Es gelang ihm nur bedingt. An beiden Toren beteiligt, am zweiten sogar per Ecke als direkter Vorlagengeber. Ansonsten waren seine Standards aber eher schwach. Note 4 © nph
Fin Bartels: Wenn er zu seinen Dribblings ansetzte, wurde es auch gleich gefährlich – nur machte er das viel zu selten. Note 4 © nph
Claudio Pizarro: Bewies in der Schlussphase einen kühlen Kopf und rettete mit seinem siebten Tor in dieser Bundesliga-Saison wenigstens noch einen Punkt. Der 37-Jährige zeigte aber zu selten seine besonderen Fähigkeiten. Note 3 © nph
Anthony Ujah: Er trifft endlich wieder! Erstes Bundesliga-Tor seit dem Rückrundenauftakt auf Schalke am 24. Januar – und dazu ein richtig feines. Schöner Drehschuss zum 1:0. Doch das Glück ist noch nicht ganz zurück, denn danach gab es von ihm zwar viel Arbeit, aber wenig Ertrag. Note 3,5 © nph
Laszlo Kleinheisler (ab 58.): Wie schon gegen Berlin ein richtig guter Einwechselspieler. Der junge Ungar brachte Schwung ins Bremer Spiel, wagte auch mal was, wenngleich ihm längst nicht alles gelang. Note 3 © nph

Das Team ackerte und rackerte bis zum Schluss, doch der späte Ausgleich übertünchte die Werder-Probleme nur notdürftig. Ob Skripnik der Richtige ist in der brenzligen Situation? „Es gibt keine Erkenntnis, dass es anders ist“, sagte Eichin. Gibt es einen Bruch zwischen Coach und Team? „Solange ich das nicht erkenne, werde ich Fragen zum Trainer nicht beantworten.“ Und tat es damit doch. „Ich bereue schon wieder, dass ich die Fragen zugelassen habe“, sagte er schließlich, nachdem er Skripnik deutlich den Rücken gestärkt hatte. Denn er lobte auch seine Arbeit während der Woche: „Das macht er sehr gut.“ Man dürfe „nicht alles abladen auf dem Trainer, der auch nichts dafür kann, dass das zweite Tor gefallen ist“.

Dass Werder auch gegen Darmstadt wieder zwei Gegentore kassiert hat, das zeigt das größte Problem. Das ist exakt der Durchschnitt in den 23 Saisonspielen. Dieses schon seit Jahren bekannte und mittlerweile existenzbedrohende Defizit der Bremer hat der im Oktober 2014 zum Trainer der Profis beförderte Skripnik immer noch nicht behoben. „Die Rückendeckung ist da, Vertrauen ist da, wir spüren das“, sagte der längst nicht mehr unumstrittene Coach: „Aber wir wissen, wie schwierig das ist.“ Skripnik will kämpfen und nicht aufgeben: „Soll ich aufhören? Das mache ich nicht!“ Viel Kredit hat Skripnik auf jeden Fall nicht mehr. In Leverkusen, wo Werder sich im Pokal mit 3:1 durchsetzte, darf Werder Bremen am Mittwoch nicht verlieren. Sonst wird Eichin wieder die gleichen Fragen beantworten müssen. Und vielleicht fallen die Antworten

Rubriklistenbild: © nph

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