„Goodbye bro“

Arnautovic ist verkauft – alle sind zufrieden

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Bremen - von Carsten Sander. Einer war ehrlich traurig. Als gestern der Transfer von Marko Arnautovic zum englischen Premier-League-Club Stoke City als perfekt gemeldet worden war, twitterte Eljero Elia, selbst im Visier von Ajax Amsterdam, schnell seine Botschaft. „Goodbye bro“, schrieb er und verzierte den Abschiedsgruß an seinen „bro“ (Kurzform für brother = Bruder) sogar mit einem roten Herzchen. Wie niedlich.

Das war es dann aber auch an Gefühlsduseleien. Von Werder wurde Arnautovic nach drei Jahren sachlich, kurz und knapp verabschiedet.

Nur wenige Zeilen lang war die Mitteilung, die der Club verschickte. Und von einer dermaßenen Schlichtheit, dass wirklich niemand auf den Gedanken kommen konnte, der Club müsse einen liebgewonnenen Spieler ziehen lassen. Das Gegenteil ist der Fall. Werder hatte Arnautovic schon lange nicht mehr lieb. Den letzten Kredit hatte der Österreicher im vergangenen Frühjahr verspielt, als er zwei Tage vor dem wichtigen Spiel bei Bayer Leverkusen nachts auf der Autobahn unterwegs war – gemeinsam mit „bro“ Elia. Beide wurden bis Saisonende suspendiert.

Schon damals fiel in der Geschäftsführung die Entscheidung, den talentierten, aber unreifen Angreifer im Sommer zu verkaufen. Das ist auf den letzten Drücker gelungen. Stoke City zahlt angeblich eine Ablöse von 2,35 Millionen Euro für den Österreicher, soll zudem erfolgsabhängige Nachzahlungen bis zu einer Million Euro zugesagt haben.

Ob das nun ein guter oder schlechter Deal ist, bleibt mal dahingestellt. Fakt ist, dass Arnautovic in der Bilanz ein Verlustgeschäft darstellt. 2010 hatte er 6,5 Millionen Euro gekostet, jetzt geht er für vier Millionen Euro weniger. Und sportlich ist er in der Zeit dazwischen vieles schuldig geblieben. „Er hat sicher nicht das gezeigt, was Werder von ihm und er von sich selbst erwartet hatte“, sagte Eichin und wählte damit noch milde Worte für Arnautovics Leistungsdaten im Werder-Trikot. 14 Tore und zehn Assists in 72 Bundesliga-Spielen sind alles andere als ein Top-Wert. Und rechtfertigten gewiss nicht das Top-Gehalt von zwei Millionen Euro pro Saison.

Trotz der wenig überzeugenden Werte wollen die Engländer den Kraftprotz aus Wien haben. Bis tief in die Nacht hätten die Verhandlungen gedauert. Gegen 1.30 Uhr gestern Morgen sei dann alles geklärt gewesen, verriet Werder-Manager Thomas Eichin. Am Ende müssen sogar Seufzer der Erleichterung durch die Telefone gekrochen sein – so jedenfalls beschrieb es der 46-Jährige: „Es sind alle zufrieden, dass da ein Schlussstrich gezogen wurde.“ Wieder so ein Satz, der zeigte, wie wenig Arnautovic in Bremen noch erwünscht war.

Der 24-Jährige lieferte unterdessen einen erneuten Beweis, dass er im diplomatischen Dienst nichts zu suchen hätte. Der Wechsel zu Stoke City, dem Fünften der Premier League, sei für ihn „kein Rückschritt“, sagte Arnautovic dem TV-Sender Sky, „sondern ein Step, um bei einem ganz großen Verein in England zu landen.“ Das werden die Fans von Stoke City sicher gerne hören.

Für vier Jahre hat er bei dem Club aus den Midlands unterschrieben und ist nun Teamkollege des ehemaligen deutschen Nationalspielers Robert Huth sowie des englischen Sturm-Riesen Peter Crouch (2,03 Meter groß). Zuvor hatte Arnautovic angeblich Angebote von West Ham United und dem schottischen Champions-League-Teilnehmer Celtic Glasgow abgelehnt. Werder gefiel das nicht. Die Bremer wollten den Gut-Verdiener mit dem schlechten Preis-Leistung-Verhältnis noch zu Geld machen, bevor es zu spät ist. Arnautovics Vertrag wäre am Saisonende ausgelaufen. Dass Werder nun eine Anschubhilfe leistete, den Stürmer zum Wechsel drängte, ließ Eichin gestern unkommentiert: „Dazu sage ich nichts.“

Fakt ist: Eichin und Trainer Robin Dutt hatten sich alle Mühe gegeben, das Bad-Boy-Image von Marko Arnautovic mit vielen guten Worten zu überschminken. Was auch Sinn machte bei einem Spieler, der ins Schaufenster gestellt werden sollte. „Ein Herz und eine Seele“ sei man, hatte Eichin zuletzt betont. Auf rote Herzchen in der Pressemitteilung verzichtete er dennoch.

Nun ist der Bremer Manager gespannt, wie der Weg von Marko Arnautovic in England weitergehen wird. „Ich werde das interessiert beobachten“, sagte Eichin: „Es wird Marko sicher guttun, bei einem anderen Verein frei durchstarten zu können. Vielleicht sagen wir in einem Jahr über ihn: Wow, was für ein Hammerspieler.“ Ob er sich in dem Fall ärgern würde über den gerade getätigten Verkauf, wurde er gestern gefragt. Klare Antwort: „Nein.“

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