Werder macht 9,8 Millionen Euro Verlust / Hess-Grunewald neuer Präsident

Fettes Minus bei Fischers emotionalem Abschied

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Zu Tränen gerührt: Nach 45 Jahren in der Verantwortung für Werder Bremen bekam Klaus-Dieter Fischer gestern Abend Standing Ovations von den Gästen der Mitgliederversammlung. „Es waren 45 geile Jahre!“, rief der scheidende Präsident den Grün-Weißen zu.

Bremen - Zum Abschied gab Klaus-Dieter Fischer verbal noch mal ordentlich Gas – und das gleich zu Beginn seiner letzten Mitgliederversammlung als Präsident und Geschäftsführer. „Wenn es so aussieht, als ob Werder Bremen am Arsch der Welt ist, gerade dann hält dieser Verein zusammen“, schwärmte der 73-Jährige gestern Abend mit Blick auf das Nordderby seines Clubs am Vortag beim Hamburger SV (0:2). Dadurch stürzten die Bremer auf Platz 17 der Bundesliga-Tabelle. Doch nicht nur sportlich sind die Zeiten sehr hart, sondern auch finanziell. Werder hat im Geschäftsjahr 2013/2014 wieder ein fettes Minus eingefahren. 9,8 Millionen Euro – deutlich mehr als erwartet und gleichzeitig der zweithöchste Verlust der Vereinshistorie.

Vor der Verkündung der Zahlen war aber erst mal Fischer dran. Er hatte bei seinem letzten großen Auftritt in offizieller Werder-Funktion (sein 50. bei einer Mitgliederversammlung) noch mal ein strammes Programm zu absolvieren – er begrüßte mehrsprachig die vollzählig erschienene und nach zwei Stunden wieder verschwundene Profimannschaft und ehrte verdiente Mitglieder. All das tat er mit einer gehörigen Portion Wehmut. „The same procedure as every year? Nein, es ist nicht wie jedes Jahr“, sagte Fischer und gestand: „Mein Mund ist trocken, meine Stimme nicht ganz so fest wie sonst. Und meine Knie zittern ein bisschen.“ In seiner emotionalen Abschlussrede sprach er von „45 geilen Werder-Jahren“, die er in unterschiedlichen Ämtern erlebt habe. Applaus brandete auf in der voll besetzten Sporthalle an der Hemelinger Straße – und Fischer hatte Tränen in den Augen,

Als Hubertus Hess-Grunewald (Fischer-Nachfolger als Präsident und Geschäftsführer), Jens Höfer (neuer Vizepräsident) und Axel Plaat (erneut Schatzmeister) von den 334 anwesenden Mitgliedern gewählt worden waren, folgte noch ein großer Moment. Fischer, seit 1955 Mitglied, wurde Werders erster Ehrenpräsident. „Er ist der größte Werderaner, den der Verein in seiner fast 116-jährigen Geschichte hervorgebracht hat“, lobte Hess-Grunewald. Als Ehrenpräsident will sich Fischer fortan total zurückhalten: „Über die Arbeit in den Werder-Gremien wird man nicht ein öffentliches Wort von mir hören.“

Anschließend trat Klaus Filbry ans Mikrofon. Und nach der guten Nachricht, dass der Umsatz im vergangenen Geschäftsjahr (endete am 30. Juni) von 87,9 auf 91,3 Millionen Euro gestiegen ist, musste der Vorsitzende der Geschäftsführung erneut einen gewaltigen Verlust für die SV Werder Bremen GmbH & Co. KG aA verkünden. Minus 9,8 Millionen Euro – nur 2011/2012 war es noch schlimmer (13,9). Dennoch sprach Filbry davon, die „ersten Effekte“ des vor zwei Jahren eingeschlagenen Konsolidierungskurses zu spüren: „Wir haben es geschafft, den SV Werder so aufzustellen, dass wir uns ohne internationalen Wettbewerb finanzieren können.“ Dafür, dass die Bilanz so negativ ist, seien „lediglich die Abschreibungen für Spielertransfers der Vergangenheit“ verantwortlich, erklärte Filbry und nannte die vor Vertragsende verkauften Sokratis, Marko Arnautovic und Denni Avdic. „Diese Nachwirkungen werden wir aber bald überwunden haben“, meinte Filbry und ergänzte: „Wir sind nicht arm und nicht reich, wir sind gesund und liquide.“ Fakt ist jedoch, dass Werders Eigenkapital immer mehr schrumpft – von 16,5 Millionen Euro im Vorjahr auf nun 6,7 Millionen. Da auch im aktuellen Geschäftsjahr mit hohen Verlusten zu rechnen ist, dürften Werders Reserven 2015 wohl aufgebraucht sein.

Künftig wird Werder „das eine oder andere Risiko eingehen, aber mit Vernunft“, sagte Filbry – und das führt am Ende zur Rettung, da ist sich der Vereinsboss sicher: „Werder wird nicht absteigen.“

Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen

mr/kni

Hier können Sie die Mitgliederversammlung des SV Werder Bremen im Minutenprotokoll nachlesen.

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