Geheimtraining

Werder macht dicht

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Einige Fans riskierten sogar einen Balanceakt, um Werders Geheimtraining mitzubekommen. ·

Bremen - Im Abstiegskampf greift Robin Dutt in die Trickkiste – und niemand soll es sehen. Der Coach des SV Werder bereitet sein Team mit einem Geheimtraining-Doppelpack auf das Heimspiel gegen Borussia Möcnhengladbach (morgen, 15.30 Uhr) vor. Das Ziel: Der Tabellenfünfte soll mit einer neuen Aufstellung, mit einer veränderten Taktik und Spezial-Standards überrascht werden.

„Ich habe ein paar Dinge, die der Gegner nicht unbedingt mitbekommen soll“, erklärte Dutt gestern: „Und diese Dinge bekomme ich nicht in eine Einheit hinein.“ Also mussten die Fans und damit auch die befürchteten Kiebitze aus Gladbach gestern draußen bleiben und dürfen heute Nachmittag beim Abschlusstraining ebenfalls nicht zuschauen. Zwei Tage geschlossene Gesellschaft – das gab es noch nie bei Werder. Nur die Medien bekommen 20 Minuten für Filmaufnahmen, damit der Bundesligist nicht ganz von der Bildfläche verschwindet.

Sebastian Prödl begrüßt die neue Trainingsleere auf dem mit Planen als Sichtschutz abgehängten Platz direkt an der Weser. „Wir sind in einer angespannten Lage, da muss man jede Kleinigkeit ausnutzen“, findet der Innenverteidiger und erklärt aus Spielersicht: „Wenn im Training etwas ausprobiert wird und das dann schief läuft, wird es nicht gleich in der Öffentlichkeit breitgetreten. Das ist für den einen oder anderen Spieler schon angenehmer.“

Dutts angespannter Blick auf seinen Spickzettel und die demonstrativ auf den Platz gestellte Taktiktafel ließ für das Training Besonderes erwarten. Fürs Spiel auch? „Ich hoffe, das Besondere am Samstag ist, dass wir drei Punkte holen“, meinte der Coach mit einem breiten Grinsen. Natürlich wollte er nicht verraten, was auf seinem Plan steht. Aber es wäre schon sehr verwunderlich, wenn die Ausrichtung gegen die spielstarken Gladbacher nicht defensiv wäre. Wenngleich Dutt betonte: „Gegen Dortmund hatten wir eine relativ defensive Taktik und trotzdem keinen Erfolg. Wir müssen auch unser Spiel nach vorne suchen, dürfen nicht mit acht Mann hinten stehen bleiben und sagen: Die Zwei da vorne werden schon ein Tor machen.“

Es ist wie immer ein Spagat, der Werder gelingen muss. Die Psyche spielt dabei nach dem verpatzten Rückrunden-Start mit nur einem Punkt aus drei Spielen natürlich eine Rolle. In Einzelgesprächen hat Dutt deshalb versucht, die Spieler mit positiver Energie aufzuladen.

Angst, dass sein Team grundsätzlich dem Druck im Abstiegskampf nicht gewachsen sein könnte, hat der Coach aber nicht. Denn er und sein Team hätten bereits zu Saisonbeginn vorgesorgt. „Wir sind mit der Mannschaft im Juli alle Szenarien durchgegangen. Deswegen tritt jetzt ein Mechanismus ein“, versicherte Dutt und sprach von einer „Wagenburg-Mentalität: Es greift jetzt, dass die Mannschaft nicht nur sagt, wir halten zusammen, Sie tut es auch. Ich brauche keinen Kleber für irgendeine Cliquenbildung.“

Nein, Werder macht dicht. So wie es einst die Germanen erfunden haben, als sie ihre Fahrzeuge im Kreis parkten und gemeinsam auf den übermächtig erscheinenden Gegner warteten. Eine Defensivformation, wo sich der eine auf den anderen verlassen kann.

Theoretisch (also mental) hat Werder das laut Dutt schon drauf , praktisch (also fußballerisch) wird das gerade im Geheimen eingeübt. Und der Coach holte dabei verbal auch schnell noch die ganze Stadt mit ins Boot. „Bremen hat ebenfalls eine Wagenburg-Mentaltität“, behauptete der Trainer. Hier würden alle zur Mannschaft stehen und nicht wie an anderen Bundesliga-Standorten für Chaos sorgen. „Ein großes Plus“, befand Dutt und resümierte ganz mutig: „Mit einer Topleistung können wir gegen jede Mannschaft in der Bundesliga gewinnen.“

Offenbar hat er wirklich eine Trickkiste gefunden – denn die bisherigen Leistungen in diesem Jahr geben eigentlich keinen Anlass, daran zu glauben. · kni

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