„Pico“ Schütz wird heute 80 Jahre alt

„Ein besseres Vorbild gibt es nicht“

+
„Pico“ Schütz 2012 im Wuseum vor einem Porträt.

Bremen - Für die älteren Werder-Fans ist er noch immer ein großer Held, eine Legende. Arnold Schütz führte die Bremer als Kapitän 1965 überraschend zur Deutschen Meisterschaft.

Aber auch die jüngeren Anhänger finden „Pico“ gut, immerhin ist er mit sieben Treffern bis heute der Bremer Rekordtorschütze gegen den Hamburger SV, den ungeliebten Nordrivalen. Heute feiert Werders erster Ehrenspielführer seinen 80. Geburtstag – im kleinen Kreis. Schütz befindet sich nach einem Oberschenkelhalsbruch noch in der Reha, darf vermutlich erst Mitte der Woche wieder zurück ins heimische Worpswede.

„Die große Geburtstagsparty muss leider ausfallen. Es geht ihm aber den Umständen entsprechend gut“, berichtet Max Lorenz, der fast täglich mit seinem früheren Mitspieler telefoniert. Der 75-Jährige wird Schütz heute auch besuchen, genau wie dessen Ehefrau „Micky“, die Kinder und einige Freunde.

„Pico“ Schütz im Meisterjahr 1965.

Vor fünf Jahren, zum 75. Geburtstag des gebürtigen Bremers, hatte es einen großen Empfang im Weserstadion gegeben – mit vielen ehemaligen Weggefährten und auch Prominenz aus Film und Fernsehen. Der damalige Präsident und Geschäftsführer und jetzige Ehrenpräsident Klaus-Dieter Fischer rühmte Schütz in seiner Rede: „Wir sind beide 1955 in den Verein eingetreten. Es haben viele große Spieler für Werder gespielt, aber Pico war und ist Werder. Wenn ich eine Werder-Auswahl zusammenstellen müsste, dann wäre Pico bei mir der Kapitän.“ Ähnlich ins Schwärmen gerät Lorenz nun zum 80. seines guten Freundes: „Pico ist einer der besten Repräsentanten des Vereins, unser Ehrenspielführer Nummer eins, wie wir immer sagen. Ein großartiger Sportsmann und ein Werderaner, wie er im Buche steht. Ein ehrlicher Knochen, immer pünktlich und korrekt. Ein besseres Vorbild kann es nicht geben.“

Lorenz muss es wissen, er hatte schon damals den engsten Draht zu Schütz, zur aktiven Zeit waren die beiden Zimmerkollegen. „Als ich 1960 zu Werder wechselte, hat er sich gleich um mich gekümmert. Das hat er mit allen Neuen gemacht, er war als Kapitän immer für sie da“, erinnert sich Lorenz. Und das, obwohl Schütz eigentlich nicht viel Zeit gehabt haben kann. Denn neben der Profikarriere arbeitete er noch im Bremer Hafen, als Schadensbesichtiger für eine Versicherung. Lorenz: „Wir haben vormittags trainiert, er war bis mittags im Hafen und kam erst nachmittags dazu. Er hat eindrucksvoll bewiesen, dass es auch mit weniger Training geht.“

„Pico“ Schütz vor dem letzten Spiel seiner Karriere 1972, als ihn der damalige Präsident Dr. Franz Böhmert verabschiedete

Seine ersten Gehversuche als Fußballer machte Schütz bei seinem Heimatverein TuS Walle. Weil er so klein und schmächtig war, nannten ihn alle schnell nur noch „Pico“ – ein Spitzname, der sich bis heute gehalten hat. 1955 ging er dann zu Werder. Mit seinem ersten Profigehalt machte er der ganzen Familie eine Freude. „Ich lud sie schick zum Essen ein. Meinem Sohn kaufte ich noch eine Hose, meiner Tochter eine Jacke und meiner Frau eine Bluse“, sagte Schütz 2013 in einem Interview mit dem Fußballmagazin „11 Freunde“. Bis zu seinem Karriereende 1972 trug er nur noch das Werder-Trikot, sagenhafte 826 Mal. Er war 1963 beim ersten Spiel der Bundesliga-Geschichte dabei, als Dortmunds Timo Konietzka nach 58 Sekunden zum 1:0 für den BVB traf und keine Kamera das historische Tor eingefangen hatte. „Ich dachte nur: Seid ihr bescheuert? Könnt ihr nicht eine Minute lang euren Mann decken?“, erinnerte sich Schütz vor einigen Jahren bei „werder.de“. Am Ende gewann Werder aber mit 3:2.

Schütz lief danach noch 252 Mal für die Grün-Weißen in der ersten Liga auf. Als Mittelfeldspieler, der aber auch mal in Abwehr oder Angriff eingesetzt wurde, schoss er 69 Tore. Gerne per Freistoß, Elfmeter oder aus der Distanz. Seine größten Erfolge sind der Gewinn des DFB-Pokals 1961 und natürlich die Meisterschaft 1965. „Pico konnte die Mannschaft vorher in der Kabine und dann auf dem Platz immer sehr gut motivieren. Die Gegner hatten richtig Schiss vor uns“, meinte Lorenz.

Am liebsten trat Schütz, der Namenspate für das damalige Werder-Maskottchen „Pico“ (ein Heidschnuckenbock) war, gegen HSV-Star Uwe Seeler an. „Das waren immer herrliche Duelle“, erinnerte sich Schütz: „Keiner spielte gleichzeitig so fair und so einsatzfreudig wie der Dicke. Wenn der sich in die Zweikämpfe warf, knallte es jedes Mal.“ Inzwischen sind Schütz und Seeler richtig gute Freunde, vermutlich wird die Hamburger der Bremer Legende heute auch persönlich gratulieren.

Verletzt war Schütz fast nie – ein Mal aber richtig schwer. „Gegen Atletico Madrid hat er sich 1962 den Knöchel gebrochen. In der Halbzeit bekam er eine Injektion und eine Bandage – und dann hat er sich vorne wieder reingestellt. Wahnsinn!“, staunt Lorenz noch heute. Gesundheitliche Probleme bekam Schütz erst nach seiner Profikarriere. 2006 wurde ihm erfolgreich ein Kiefer-Tumor entfernt, nun brach er sich den Oberschenkel. Doch Lorenz ist optimistisch, was die Genesung angeht: „Ich sage ihm immer: ,Pico, sieh zu, dass du in Gang kommst. Wir wollen bald wieder ein schönes Gezapftes zusammen trinken‘.“

mr

Mehr zum Thema:

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Honey als Känguru, Kakerlakenregen und viele Tränen: Tag elf im Dschungelcamp

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Drei Hundewelpen aus verschüttetem Berghotel geborgen

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Die Staatskarossen der US-Präsidenten

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Wie werde ich Fitnesskaufmann/-frau?

Meistgelesene Artikel

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

BVB mit Personalproblemen gegen Werder

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Bundesliga Rückrunde: Das vierte Gif-Quiz zu Werder gegen Dortmund

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Werder verliert gegen Dortmund: Viel Moral, null Ertrag

Borussia Dortmund im Schnellcheck

Borussia Dortmund im Schnellcheck

Kommentare