Werder-Legende Lorenz wünscht sich im „Endspiel“ gegen Köln Petersen im Sturm

„Dutt tut mir leid, aber er lobt auch zu viel“

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Max Lorenz (Bild) macht sich große Sorgen um seinen SV Werder und moniert dabei einen in der Öffentlichkeit zu sanften Umgang von Trainer Robin Dutt mit den Profis.

Bremen - Endspielzeit im Weserstadion! Werder muss am morgen Abend gegen den 1.FC Köln gewinnen – um aus der Krise zu kommen und Trainer Robin Dutt zu retten. Doch das wird alles andere als einfach. „Die Kölner kommen nicht zu uns, um nur einen Punkt zu holen, die wollen hier gewinnen“, sagt Max Lorenz.

Die Legende des SV Werder Bremen weiß das aus erster Hand. Der 75-Jährige hat in dieser Woche beim Training des 1. FC Köln vorbeigeschaut und mit seinen einstigen WM-Teamgefährten Wolfgang Weber und Bernd Cullmann im berühmten Geißbockheim Kaffee getrunken: „Die sind genauso erschrocken wie ich, was mit Werder passiert ist.“

Lorenz, der mit Werder 1965 die erste Meisterschaft gefeiert hat, macht sich große Sorgen um seinen Club, dem Schlusslicht der Bundesliga. „Wir dürfen einfach nicht absteigen“, sagt er: „Das wäre eine Katastrophe für den Verein und für die Stadt.“ Und der sonst stets so fröhliche und optimistische Lorenz ist ziemlich skeptisch, was die Zukunft betrifft: „Da unten rauszukommen, das wird ganz, ganz schwierig. Wir haben leider keine großartige Mannschaft mehr. Uns fehlt ein Leader.“ Und auch ein guter Trainer? Bei der Frage ist Lorenz hin- und hergerissen. „Ich wünsche dem Trainer, dass er es schafft. Er ist ja auch nur ein Mensch. Robin Dutt tut mir leid“, sagt der 75-Jährige, fügt aber auch an: „Er lobt auch zuviel. Nur mit tollen und lieben Jungs werden wir die Klasse nicht halten. Ich finde, dass er auch mal öffentlich sagen sollte, wenn jemand schlecht gespielt hat. Das müssen die Jungs doch aushalten können, das sind doch Profis. Immerhin hat er jetzt mal den freien Tag gestrichen.“

Auch mit Dutts Personalentscheidungen ist Lorenz längst nicht immer zufrieden gewesen: „Der Trainer wollte unbedingt Cedrick Makiadi haben, aber bis jetzt hat der total enttäuscht, spielt aber trotzdem immer wieder.“ Auch die Personalie Petersen ärgert den Vize-Weltmeister von 1966: „Nils wurde für viel Geld gekauft, um Tore zu schießen. Aber wie soll er treffen, wenn er nie spielt? Nils muss gegen Köln spielen!“

Nur gegen den VfL Wolfsburg hat Petersen in der Startelf gestanden, vier Mal durfte er immerhin noch als Joker ran. Eine Torvorlage sprang dabei heraus. Die Zahlen von Franco Di Santo sind da schon wesentlich besser: acht Spiele von Beginn an, vier Tore, eine Vorlage. „Wenn wir den nicht hätten“, sagt Lorenz und gerät vor dem Köln-Spiel ein wenig ins Träumen: „Wenn Di Santo und Petersen spielen, gewinnen wir 2:1, jeder macht ein Tor.“

Und wenn nicht? Was ist, wenn Werder verliert? „Daran möchte ich gar nicht denken“, sagt Lorenz: „Dann ist hier noch mehr Unruhe.“ Der Druck auf Dutt würde wachsen – auf Sportchef Thomas Eichin allerdings auch. Der hat den Kader schließlich zusammengestellt. „Auch bei den Transfers wurden Fehler gemacht“, urteilt Lorenz – sieht dabei aber nicht nur Eichin, sondern auch dessen Vorgänger Klaus Allofs in der Verantwortung. Der größte Fehler liege ohnehin schon fünf Jahre, also weit vor Eichins Einstieg bei Werder, zurück – mit dem ehemaligen Clubchef Jürgen L. Born als tragischer Figur: „Dass Jürgen Born damals von Willi Lemke zum Rücktritt gedrängt wurde, war fatal. Bis dahin hatten wir eine große Harmonie.“ Die Vorwürfe gegen Born, er habe sich an Werder bereichert, stellten sich später als haltlos heraus.

Dass nun auch Lemke seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender räumt, findet Lorenz zwar gut, aber nur bedingt: „Ich freue mich, dass Marco Bode jetzt mehr Verantwortung übernimmt. Ich hätte mir aber gewünscht, dass Willi ganz aufhört. Er hat ganz sicher eine sehr erfolgreiche Zeit von Werder mitgeprägt. Aber so, wie sie es jetzt gemacht haben, ist es kein echter Umbruch, sondern nur ein Hin- und Hergeschiebe von Posten.“

Doch Lorenz will nicht nur kritisieren. Er macht sich um die finanzielle Zukunft weniger Sorgen als um die sportliche. „Wir sind nicht pleite, es ist noch Geld da“, sagt der 75-Jährige und lobt dabei ausdrücklich Werder-Boss Klaus Filbry: „Er ist zwar ein etwas ruhiger Typ, aber sehr fähig. Er hat den Laden im Griff.“

Für morgen gegen Köln bringt das allerdings wenig. „Da müssen sich die Jungs auf dem Platz den Hintern aufreißen“, fordert Lorenz. Denn wenn er das nächste Mal zu seinen Freunden nach Köln reist, möchte der Ex-Profi endlich wieder positiv über Werder sprechen.

kni

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