Nachspielzeit

Die Werder-Krise: Fans im Tal der Verzweiflung

Ingo Trümpler

Bremen - Von Ingo Trümpler. Samstagabend, 20.30 Uhr, Hauptbahnhof Bremen. Über den Aufgängen pfeift eisiger Wind, durch den warmen Bauch des Bahnhofs zieht der Dunst aus Bratwurst- und Pommesfett, Döner und Pizza.

Und eine Raupe von 150 Fürther Fans, die sich grölend durch einen Kokon von 150 Polizisten zu ihrem Zug bewegt. Vor dem Spalier der Ordnungshüter eine bizarre Szene: Ein junger Mann in Werder-Kutte, geschätzte zwölf Beck’s intus, führt einen seltsamen Tanz auf. Er dreht sich torkelnd um die eigene Achse, stößt beide Arme in die Luft und schreit dabei: „Caaallsen-Bracker, schalalalalalala.“ Wie verzweifelt muss dieser Bursche sein, dass er seinen einzigen Trost darin findet, einem Augsburger namens Jan-Ingwer Callsen-Bracker zu huldigen, weil der dem ungeliebten HSV mit seinem Tor den Nachmittag vermasselt hat.

Auch im Regional-Express, der dann (und natürlich mit Verspätung) einfährt, ist sie zu spüren, diese Frustration, diese Sinnkrise, die dem Bremer Anhang schwer zu schaffen macht. Vier Fans, drei Männer um die 35, und eine Frau um die 25, alle mit Werder-Schals, sitzen im ersten Waggon nach der Lok und arbeiten die Situation nach dem 2:2 gegen Fürth auf. Sie: „Ich bin jetzt seit 14.00 Uhr aus dem Haus und hab mich nur geärgert. Wenn ich überlege, was ich in der Zeit alles hätte machen können. Ich glaub, die Dauerkarte für die Ostkurve hol ich mir nächste Saison nicht wieder.“ Ihr Gegenüber: „Ich hatte mir dieses Winter-Ticket gekauft, für die Spiele gegen Freiburg, Augsburg und Fürth. 60 Euro, da kannst ja nix zu sagen, aber es war dreimal eine einzige Scheiße!“ Darauf wieder sie: „Was willste auch erwarten? Sind ja alle weg, die wirklich was reißen konnten: Pizarro, Naldo, Almeida, Diego.“ Sogar Wiese, der sie in der letzten Saison bei einem Autogrammwunsch wohl mal arrogant abblitzen ließ, dürfte, wenn es nach ihr ginge, wiederkommen: „Der hat wenigstens mal was gehalten.“ Sie schüttelt den Kopf: „Nee, nee, das is nix mehr mit Werder. Und kurz vorm Abpfiff hat mir auch noch einer auf die Schuhe gekotzt.“

Dann hat der Spuk ein Ende. „Nächster Halt: Barrien“, schnarrt es durch die Decken-Lautsprecher. „Da muss ich raus“, sagt die Frau und steht auf. Sie wirkt erleichtert.

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