Werder-Keeper Wiedwald nerven die Heimniederlagen mit seinem „Herzensverein“

„Hier nimmt es mich noch mehr mit“

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Das Werder-W hat sein Leben geprägt, nun will er die Zukunft des Bundesligisten selbst als Nummer eins mitgestalten: Felix Wiedwald möchte den Fans im Weserstadion wieder mehr „Erfolgserlebnisse schenken“.

Bremen - Als er neun Jahre alt war, wechselte Felix Wiedwald vom TSV Achim aus dem Bremer Umland zum großen SV Werder. 16 Jahre später ist er nach kurzen Stationen in Duisburg und Frankfurt die Nummer eins des Bremer Bundesligisten – und natürlich hat er ein ganz besonderes Verhältnis zu seinem „Herzensverein“.

Das macht es gerade in sportlich schwierigen Zeiten gar nicht so einfach. Wie Wiedwald damit umgeht, warum er öffentlich nie Kollegen kritisiert und wo er seine Weihnachtsgeschenke kauft, verrät der Torwart im Interview.

Herr Wiedwald, so eine Klasseparade wie kurz vor Schluss gegen Stuttgarts Timo Werner – wie oft geht Ihnen die danach noch durch den Kopf?

Felix Wiedwald: Nach dem Spiel ist es eigentlich vorbei. Es kommen vielleicht noch ein, zwei Glückwünsche zur Parade, aber ansonsten geht es weiter. Man fokussiert sich schon auf das nächste Training, auf das nächste Spiel. Ich halte mich nicht lange damit auf.

Ist es keine Aktion, die einen Torwart pusht?

Wiedwald: In dem Moment schon, und ich versuche die Spieler dann auch mitzuziehen. Aber die nächsten Aufgaben kommen schon – und da muss man versuchen, eine ähnliche Leistung abzurufen.

Nach der Derby-Pleite war es eine schwere Woche für Werder, nun das 1:1 in Stuttgart – wie ist die Stimmung im Team?

Wiedwald: Unverändert, wir stecken immer noch unten drin, bleiben aber optimistisch. Wir haben jetzt noch drei Spiele und wollen das Bestmögliche rausholen.

Vor dem Stuttgart-Spiel wurde sehr viel geredet, sogar ein Mannschaftsabend veranstaltet. Hat das alles den gewünschten Erfolg gebracht?

Wiedwald: Der Abend hat uns nach vorne gebracht. Es ist immer gut, wenn man eine gefestigte Mannschaft hat. Wir konnten uns mal sagen, was uns stört.

Gibt es in dieser Woche eine Wiederholung oder eine vergleichbare Maßnahme?

Wiedwald: Nein. Wir haben in der zweiten Halbzeit eine gute Leistung gezeigt. Daran müssen wir einfach anknüpfen. Wenn wir die beiden Bundesliga-Spiele gewinnen, stehen wir gut da.

Aber die erste Halbzeit war wie so oft in der Vergangenheit nicht so gut – woran liegt das?

Wiedwald: Das ist schwer zu erklären. Als wir 0:1 hinten lagen, ging es auf einmal. Wir müssen jetzt den Schalter umlegen, damit es von Anfang an so läuft und nicht erst unter Druck.

Also mit einem 0:1 beginnen?

Wiedwald: Das vielleicht nicht, aber wir könnten ja zumindest vom Kopf her so tun, als würde es 0:1 stehen… (lacht).

Sie haben vor Stuttgart von einer Art Endspiel gesprochen, was ist dann das Heimspiel am Samstag gegen Köln?

Wiedwald: Natürlich ist es wichtig, weil wir erst ein Heimspiel gewonnen haben. Und wir müssen unbedingt wieder eine Heimmacht werden – so wie letztes Jahr. Wir haben ja schon gezeigt, dass wir gegen Köln bestehen können.

Wie sehr hilft dieses 1:0 vor ein paar Wochen im Pokal?

Wiedwald: Pokal ist etwas anderes – da zählt hop oder top. Aber natürlich hat man als Torwart im Hinterkopf, dass man zu Null gespielt hat. Es wäre schön, wenn das jetzt endlich auch mal in der Bundesliga klappen würde.

Wenn man so eine katastrophale Heimbilanz mit sechs Niederlagen in sieben Spielen hat, flattern einem dann die Nerven vor dem nächsten Auftritt im Weserstadion?

Wiedwald: Die Erwartungshaltung der Fans ist groß – unsere auch. Ich persönlich blende es aus, dass wir die letzten Wochen zu Hause immer verloren haben. Wir haben ja auswärts gezeigt, dass wir es können.

Ihnen muss diese Heimbilanz besonders weh tun, Sie sind als Achimer schließlich ein Lokalpatriot.

Wiedwald: Natürlich ist es enttäuschend. Die Hütte ist immer voll, die Unterstützung super – und wir geben wenig zurück.

Sportchef Thomas Eichin hat nach dem Stuttgart-Spiel berichtet, dass Trainer Viktor Skripnik als Ur-Werderaner nach Niederlagen mehr leidet als er selbst, weil er nur ein Zugereister ist. Wie ist es bei Ihnen? Sie haben schließlich schon als Kind für Werder gespielt.

Wiedwald: Ich habe mir Niederlagen immer zu Herzen genommen – auch in meinen anderen Vereinen. Aber hier nimmt es mich noch mehr mit, gerade zu Hause. Ich hatte mir mehr vorgenommen, wollte den Zuschauern Erfolgserlebnisse schenken. Es ist wirklich schwer, wenn man mit seinem Herzensverein verliert.

Hatten Sie sich das hier so schwer vorgestellt?

Wiedwald: Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass es besser läuft. Aber wir standen bis jetzt noch nicht auf einem Abstiegs- oder dem Relegationsplatz. In der Winterpause können wir uns sammeln – und ich hoffe, dass wir dann wieder so durchstarten wie vor einem Jahr.

Kann das nicht auch trügerisch sein, wenn man zwar immer, aber auch nur knapp über dem Strich steht?

Wiedwald: Sicher, du kannst 33 Spieltage drüber stehen und steigst trotzdem noch ab. Aber ich sehe das positiv, daran können wir uns durchaus festhalten. Und wenn wir unsere Hausaufgaben machen, kommen wir da unten raus.

Nach dem Nordderby hatte man in der Interview-Zone das Gefühl, dass Sie kochen vor Wut. Sie sind dann trotzdem sachlich geblieben. Ist der Zeitpunkt noch nicht da, dass ein Felix Wiedwald öffentlich auf den Tisch haut, so wie es andere Torhüter mal machen?

Wiedwald: Wenn einen etwas stört, dann kann man das zum Beispiel auf einem Mannschaftsabend ansprechen, wie wir den gerade gemacht haben. Aber öffentlich Kritik üben? Wir sind ein Team, da kann man alles intern regeln, da muss nichts nach außen dringen.

Haben Sie also beim Mannschaftsabend deutlich Ihre Meinung gesagt?

Wiedwald: Jeder durfte etwas sagen, und jeder hat etwas gesagt.

Anderes Thema: Haben Sie schon Weihnachtsgeschenke gekauft?

Wiedwald: Puuh – ich bin einer, der es immer etwas später regelt. Aber jetzt geht es langsam los. Mit meiner Verlobten werde ich schon die richtigen Sachen finden.

Eher vor Ort in den Geschäften oder im Internet?

Wiedwald: Das meiste bestelle ich ganz entspannt im Internet.

Kann man als Fußball-Profi – speziell im Abstiegskampf – die Adventszeit überhaupt genießen, auch mal über den Weihnachtsmarkt schlendern?

Wiedwald: Job ist Job. Zu Hause kann ich abschalten, meine Verlobte unterstützt mich da toll. Man muss auch privat was unternehmen – und ich werde sicher mal über den Bremer Weihnachtsmarkt gehen.

kni

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