Torwart-Talent Raif Husic auf dem Abstellgleis

Gekommen, um zu gehen

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Werder-Keeper Raif Husic

Bremen – Ein Kommentar von Michael Baltes. Seine Ambitionen waren groß. Er wollte bei Werder den Durchbruch schaffen, langfristig gesehen die Nummer eins werden. Nun steht Raif Husic - im Sommer als eines der größten deutschen Torwart-Talente aus München verpflichtet - bei den Bremern auf dem Abstellgleis. Eine Perspektive an der Weser scheint der 18-Jährige nicht zu haben.

Bisher verlief die Karriere von Raif Husic ausschließlich in eine Richtung: steil nach oben. Vom Dorfclub Zusmarshausen in die Jugend des FC Augsburg, von dort weiter in den Nachwuchsbereich der Bayern. Im Sommer folgte der Wechsel zu Werder Bremen. An der Weser hatte Husic den endgültigen Sprung zu den Profis anvisiert. Gelungen ist das nicht. Nach knapp einem halben Jahr zählt der 18-Jährige neben Richard Strebinger zu den großen Verlierern des Bremer Umbruchs auf der Torwartposition. Mit Koen Casteels und Michael Zetterer sind im Winter gleich zwei neue Keeper gekommen, im Sommer soll mit Felix Wiedwald ein dritter folgen. Perspektive für Husic und Strebinger? Fehlanzeige.

Während Strebinger an Drittligist Regensburg verliehen wurde, fristet Husic sein Dasein derzeit weiter in Bremen. Gestrichen aus dem Profikader, zurückgestuft in die U23. Für einen 18-Jährigen noch kein Beinbruch, mag man meinen. Zumindest dann nicht, wenn er dort Spielpraxis sammeln und sich so erneut für den Profikader empfehlen kann. Doch mit der Verpflichtung von U20-Nationalkeeper Zetterer dürfte es auch mit der Spielpraxis in der U23 schwer werden.

Liegt es an der Qualität? Ist Husic nicht gut genug für Werder? Antworten auf diese Fragen können letztlich nur Bremens Torwarttrainer geben. Allerdings ist es schon erstaunlich, dass Rekordmeister Bayern München enorm hohe Stücke auf den Keeper hält. So soll Matthias Sammer, vorsichtig formuliert, nicht gerade erfreut gewesen sein, dass das Talent im Sommer abgegeben wurde. Zudem sicherten sich die Münchner eine Rückkaufoption. Ohne Grund hat es der 18-Jährige sicher auch nicht in die U-Auswahlen des DFB geschafft. Es sind Dinge, die für das Talent und die Qualität von Husic sprechen.

„Raif gehört unbestritten in seinem Jahrgang zu den besten Torhütern Deutschlands. Wir haben uns dafür entschieden, dass die neue Konstellation für seine Entwicklung vorteilhafter sein wird", begründete Thomas Eichin Husics Degradierung aus dem Profikader. Er sei zu jung, zu unerfahren – einfach noch nicht reif für die Bundesliga, hieß es. Zetterer ist nur ein Jahr älter. Und ob er als Stammkeeper in der dritten Liga ein außergewöhnliches Plus an Erfahrung hat, ist ebenfalls diskutabel.

Frust von Husic nachvollziehbar

Dass Husic schon vor der Verpflichtung von Zetterer mit seiner Situation in Bremen alles andere als glücklich war, haben seine Zitate gegenüber der „Bild“-Zeitung gezeigt. Dort hatte er öffentlich Bremens sportliche Führung kritisiert. „Ganz verstehen kann ich es nicht. Wenn in der Situation etwas helfen soll, dann holt man eine Nummer 1“, kommentierte er den Casteels-Transfer. Eine forsche Aussage – gerade aus dem Mund eines Nachwuchsspielers. Und doch kann man den durchklingenden Frust bei Husic auf gewisse Weise nachvollziehen. Spätestens jetzt, da er mit Zetterer einen weiteren Keeper vor die Nase gesetzt bekommen hat.

Von der Perspektive, die ihm Bremen laut seiner Aussage im Sommer geboten hat („Ich bin fest bei den Profis dabei. Spielen soll ich in der U23. Aber auch bei einigen Bundesligaspielen auf der Bank sitzen.“), ist nichts geblieben. Allein die Tatsache, dass es so ist, ist nicht verwerflich. Der Sprung aus dem Nachwuchsbereich zu den Profis ist riesig. Dass Talente hier durchs Raster fallen, gehört im Profifußball zum Alltag. Hinzu kommt der Wechsel des Trainerteams in der Hinrunde bei Werder. Mit ihm gehen unweigerlich auch unterschiedliche Einschätzungen des Personals einher. Trotz allem, ein Talent, für das im Sommer schwer gekämpft, geworben und Ablöse gezahlt wurde, bereits nach sieben Monaten derart aufs Abstellgleis zu setzen - das ist zumindest fragwürdig.

Für Husic wäre es wohl das Beste, in den kommenden Tagen ebenfalls noch verliehen oder gar verkauft zu werden. Ein junger Spieler in seiner Situation braucht Vertrauen, Rückendeckung und Spielpraxis. In Bremen bekommt er das offensichtlich nicht.

Werder-Keeper Husic

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