Werder-Kapitän Clemens Fritz über den Abstiegskampf, Skripnik und die eigene Zukunft

Befreiung? „Das kann dauern“

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Clemens Fritz fühlt sich im rechten Mittelfeld ziemlich wohl und sagt über seine neue, alte Position: „Dort kann man besser Einfluss nehmen.“

Bremen - Seit 2006 steht Clemens Fritz bei Werder unter Vertrag – damit ist der 33-Jährige (wird am 7. Dezember 34) eindeutig der dienstälteste Profi im aktuellen Kader. So turbulente Zeiten wie zuletzt hat der Bremer Kapitän aber selten erlebt.

Erst die lange Sieglos-Serie, dann der Trainerwechsel von Robin Dutt zu Viktor Skripnik und endlich die ersehnten Erfolgserlebnisse in Chemnitz (Pokal) und Mainz (Bundesliga). Und: Natürlich seine neue, alte Position im rechten Mittelfeld. Viele Themen für den „Capitano“ – Clemens Fritz über:

die Stimmung im Team

Es wird wieder mehr gelacht, die Profis wirken – trotz des letzten Tabellenplatzes – viel gelöster.

„Wenn man Spiele gewinnt, schlägt sich das auf das Wohlbefinden nieder. Man hat eine positivere Stimmung, auch im Umfeld. Wenn man wochenlang, auch zu Recht, liest, wie schlecht man ist, weil man die Punkte nicht geholt hat, tun Erfolge gut und geben Selbstvertrauen. Jetzt gehen wir mit viel Schwung an die nächsten Aufgaben ran.“

den Trainerwechsel

Einen Tag nach dem 0:1 im Heimspiel gegen den 1. FC Köln (24. Oktober) entließ Werder als Reaktion auf die sportliche Talfahrt Chefcoach Robin Dutt und stellte dann Viktor Skripnik (bis dato Bremer U23-Trainer) als neuen Mann vor.

„Wir haben untereinander sehr viel gesprochen und wissen, dass wir als Mannschaft schuld am Trainerwechsel sind. Wenn man einen Impuls setzt, wie es der Verein getan hat, sollte es auch etwas bringen. Wichtig ist, dass sich jeder der Verantwortung stellt – das haben wir getan. Im Training geht es sehr intensiv zur Sache, jeder will sich anbieten. Der Konkurrenzkampf ist sehr groß. Jeder will in den Kader – und da gibt es eben, wie in den vergangenen Wochen, auch mal ein paar Härtefälle.“

Viktor Skripnik

Der 44-jährige Ukrainer ist bei den Fans schon jetzt extrem beliebt – und auch die Spieler loben die Art des neuen Chefs und langjährigen Werderaners.

„Viktor spricht uns immer wieder Mut zu und weist uns auf unsere Qualitäten hin. Er hat eine klare Ansprache an die Mannschaft, macht klare Ansagen und ermahnt uns oft bei Fehlern. Er lebt das alles vor – das finde ich gut.“

seine neue Position

Unter Dutt spielte Fritz Rechtsverteidiger, Skripnik zog ihn dann vor auf die rechte Position der Mittelfeldraute.

„Ich fühle mich da recht wohl – und wenn wir weiter gewinnen, fühle ich mich noch wohler. Ich versuche als Kapitän, meine Rolle auszufüllen und die Mannschaft zu unterstützen. Sicher ist es leichter, die Jungs aus dem Mittelfeld heraus mitzureißen und auch mal kurz ein paar Hinweise zu geben. Man ist im Zentrum und kann besser Einfluss nehmen als auf der Rechtsverteidiger-Position. Ich habe die Position oft gespielt, musste mich aber erst mal wieder ein bisschen eingewöhnen.“

Franco Di Santo

Der Argentinier ist in Topform, hat sechs von zwölf Bremer Bundesliga-Toren in dieser Saison geschossen.

„Dass Franco eine unglaubliche Qualität hat, war schnell zu sehen. Das erste Jahr in Bremen war nicht einfach für ihn – der Wechsel, die Verletzung, die Rotsperre. Da kam alles zusammen. Aber jetzt ist er topfit, macht unheimlich weite Wege, auch in der Defensive. Wichtig ist, dass er in den entscheidenden Momenten vor dem Tor steht. Da hat er momentan ein sehr gutes Näschen, macht das ruhig und abgeklärt. Ich hoffe, es bleibt so.“

den Gegner Stuttgart

Der VfB ist als Tabellen-15. zwei Punkte besser als Werder (9:7) und hat mit 23 fast so viele Gegentreffer kassiert wie die Bremer (24).

„Stuttgart schaltet sehr schnell um in die Offensive, hat aber hinten auch ein paar Probleme. Diese Schwachstellen wollen wir für uns ausnutzen. Beide Mannschaften brauchen am Samstag dringend die Punkte. Es wird ein intensives, hartumkämpftes Spiel. Da darf kein Zweikampf liegengelassen werden. Wir müssen von der ersten Minute an Gas geben, konzentriert sein, mit aller Leidenschaft und Konsequenz unser Tor verteidigen – und vorne unsere Chancen nutzen. So wie in Mainz. Der Funke muss von uns auf das Publikum überspringen.“

Verstärkung im Winter

Chefcoach Skripnik soll den Kader durchleuchten und entscheiden, ob und wo Bedarf für Neuzugänge besteht. Es ist wahrscheinlich, dass Werder in der Winterpause tätig wird.

„Wir haben Qualität im Kader, keine Frage. Wir sind aber eben auch eine junge Mannschaft, in der ein bisschen Erfahrung fehlt. Und wenn man dann im Abstiegskampf steckt, mangelt es mitunter an Leichtigkeit und kreativen Lösungen. Noch mehr Qualität würde uns natürlich gut tun. Aber man muss schauen, was umsetzbar ist.“

Skripnik spielt im Training mit

den Abstiegskampf

Noch sind viele Teams in der unteren Tabellenhälfte eng beisammen. Schlusslicht Werder hat fünf Punkte Rückstand auf Platz zehn (Augsburg).

„Wir versuchen, den Rückenwind mitzunehmen und vor der Winterpause so viele Punkte wie möglich zu holen. Man tut aber gut daran, sich darauf einzustellen, dass es noch eine ganze Weile dauern kann, bis man sich richtig befreit.“

die eigene Zukunft

Fritz’ Vertrag bei Werder läuft im Sommer 2015 aus.

„Momentan konzentriere ich mich voll auf Werder. Das ist unsere Baustelle, die müssen wir erst mal zu Ende bauen. Dann sehen wir weiter. Ich habe natürlich schon darüber nachgedacht, lebe ja nicht ins Blaue hinein. Aber öffentlich möchte ich noch nichts dazu sagen.“

mr

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