Werder kann siegen, aber kann Werder auch nachlegen?

Und jetzt den Bann brechen

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Der erste Sieg im Jahr 2013 ist eingefahren. Das führte bei Nils Petersen, Özkan Yildirim, Aaron Hunt (v.l.) sowie dem in die Knie gehenden Aleksandar Ignjovski zu großer Erleichterung und großem Jubel.

Bremen - Geduldsspiele sind seine Sache nicht. Schon gar nicht auf dem Fußballplatz. Folglich hat Nils Petersen am Freitagabend schwer gelitten. „Das ging wirklich an die Nieren“, sagte der Stürmer von Werder Bremen nach der Partie gegen Hannover 96, die die Bezeichnung Geduldsspiel ohne Zweifel verdient hatte.

Einseitig war es, drückend die Überlegenheit der Bremer. Mit 32 Torschüssen stellte das nach zuvor zwei Niederlagen an der Grenze zur Krise wandelnde Team einen bemerkenswerten Liga-Rekord auf. Die Spannung entstand dabei nur, weil erst die beiden letzten Schüsse drin waren. Absender jeweils: Nils Petersen. „Jede Menge Adrenalin extra“ hätten ihm die Tore in der 85. und 88. Minute geliefert, sagte er. Und Werder wichtige drei Punkte.

„Es kann funktionieren“

Durch den 2:0-Sieg hat sich die Tabellensituation zwar nur leicht verbessert, doch die Krise scheint vorerst abgewendet. Sicher, dass es tatsächlich so ist, kann sich freilich niemand sein. „Es war ein Schritt in die richtige Richtung. Aber ob uns das Ergebnis wirklich einen Schub gibt, wissen wir erst nach dem nächsten Spiel.“ Am Samstag tritt Werder beim VfB Stuttgart (gestern 1:3 bei Fortuna Düsseldorf) an – dann hoffen alle Grün-Weißen auf ein zur Seltenheit gewordenes Ereignis: auf den zweiten Sieg in Folge. Im gesamten Jahr 2012 ist eine solche Mini-Serie nicht gelungen. „Diesen Bann werden wir hoffentlich brechen“, meinte Petersen.

Dafür braucht Werder nichts anderes als eine ähnliche Leistung wie gegen Hannover. „Wir waren 90 Minuten im Pressing, haben hinten stabil gestanden und sind nie wirklich in Gefahr geraten. So wollen wir das haben“, sagte Aaron Hunt und sieht dem Ausflug ins Schwabenland erwartungsfroh entgegen: „Nach diesem Spiel gegen Hannover hat jeder genug Selbstvertrauen, um auch in Stuttgart zu gewinnen.“

So schnell geht es also bei Werder. Eben noch ein Haufen geschundener Fußballer, die mit dem 0:5 gegen Dortmund und dem 2:3 beim Hamburger SV einen kapitalen Fehlstart in die Rückrunde hingelegt haben. Nun schon wieder eine mutige Truppe. Wieso auch nicht, meinte Trainer Thomas Schaaf. Schließlich habe sich die Mannschaft selbst den Weg gewiesen. Das 2:0 habe „gezeigt, dass es funktionieren kann“, sagte der Coach und war zufrieden wie lange nicht mehr: „Der Wille und der Glaube, dieses Spiel zu gewinnen, waren immer da. Gratulation ans Team! Alle waren konzentriert und aktiv.“

Was von Hannover 96 nicht behauptet werden konnte. Aktiv war der Europa-League-Starter nur in der Abwehrarbeit. Nach vorne unternahmen die Gäste kaum etwas – und das, obwohl Werder zuvor in zwei Partien acht Gegentore kassiert hatte. Diese Unsicherheit zu nutzen, traute sich 96 offenbar aber nicht zu. Coach Mirko Slomka hatte angesichts von elf verletzten oder gesperrten Spielern schon vor der Partie ausgerufen, dass ein Punkt in Bremen ein Erfolg wäre. So spielten die Gäste dann auch – voll auf ein 0:0 aus. Das ging schief. „In der zweiten Halbzeit haben wir nur noch hinten dringestanden“, monierte Jan Schlaudraff das ängstliche Auftreten.

Letztlich fehlten 96 dennoch nur fünf Minuten, um den angestrebten Punkt einzufahren. „Wir haben lange gut verteidigt“, lobte Slomka und setzte sich wenig kritisch mit der Leistung seiner eigenen Mannschaft auseinander. Lieber lobte er Werder. „Nach wie vor“ habe sein Kollege Schaaf „eine Top-Mannschaft mit ganz hoher Klasse und außergewöhnlicher Qualität“ beisammen: „Vor allem in der Offensive“, so Slomka.

Einzelkritik: Werder Bremen gegen Hannover 96

Er meinte nicht nur Petersen, den Doppeltorschützen. Er meinte auch Eljero Elia, das Sorgenkind der Hinrunde. Der Niederländer präsentierte sich nach seiner Denkpause gegen den HSV in erstaunlicher Form. Nicht alles gelang, manchmal dribbelte der 25-Jährige auf der ungewohnten rechten Angriffsseite auch ins Nichts. Doch das 1:0 bereitete er mit einer feinen Einzelleistung vor, und beim 2:0 war er ebenfalls der Initiator. Seine Wiederauferstehung war auch Werders Wiederauferstehung. Oder umgekehrt.

Wer letztlich wen hochgezogen hat, ist Elia auch nicht so wichtig. Ihm hatte Fußball endlich wieder „Spaß gemacht“, sagte er, nachdem er sein über Tage selbst auferlegtes Schweigegelübde gebrochen hatte. Dass er bei seiner Auswechslung kurz vor Schluss mit stehenden Ovationen vieler Zuschauer verabschiedet wurde, war Balsam auf die Seele: „Die Fans unterstützen mich, das freut mich sehr.“ Anders als Nils Petersen hat ihm das Geduldsspiel übrigens nichts ausgemacht. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir nicht gewinnen würden“, erklärte Elia.

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