Eichin: „Er hat die Abgewichstheit, die uns fehlt“

Werder immer schlechter, Obraniak muss helfen

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Finsterer Blick bei Robin Dutt. Statt wie versprochen den Schlüssel für die Lösung der Bremer Probleme zu finden, geht es für die Mannschaft deutlich abwärts. ·

Bremen - Die Verlierer mussten laufen und leiden. Am Morgen nach einem Spiel mit dem Charakter einer sportlichen Bankrotterklärung griff Robin Dutt zu den wenig kreativen Mitteln des Krisenmanagements.

Lesen Sie auch den Kommentar von Sportredakteur Björn Knips:

Dutts Ideen müssen endlich zünden

Der Werder-Trainer scheuchte sein Personal, das beim FC Augsburg wehrlos mit 1:3 (1:1) verloren hatte, zunächst auf die Laufstrecke, strich dann den trainingsfreien Tag heute. Und auf die Ohren gab es auch noch für die Profis, die so unprofessionell gespielt hatten: „Wir haben intern deutliche Worte gesprochen – es bleiben nicht die letzten in dieser Woche“, schnaubte Dutt.

Mit den Strafaktionen – heute wird zweimal trainiert, statt ausgeruht – verlässt Dutt erstmals in seiner Zeit als Werder-Coach die Linie des kuscheligen Mit- einanders. Der Trainer versucht durchzugreifen, weil die weiche Linie bislang nicht zum Erfolg geführt hat. „Ich bin angefressen, weil mir die Wettkampmentalität in den letzten beiden Spielen gefehlt hat. Ich habe der Mannschaft etwas vorzuwerfen.“

Es wäre ein Wunder, wenn nicht. Denn Werder präsentierte sich in Augsburg in einem besorgniserregenden, in einem jämmerlichen Zustand. Nach dem Eigentor von Jan-Ingwer Callsen-Bracker, das den Bremern die frühe Führung (3.) bescherte, erspielte sich die Mannschaft nicht eine Torchance. Was Cedric Makiadi zu einer überhaupt nicht lustig gemeinten und dennoch komischen Feststellung bewegte: „Nach vorne hin war es ein Schritt zurück.“

Werder verliert gegen Augsburg: Die Einzelkritik

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Ein großer sogar. Aber wie soll eine Mannschaft, bei der 42 Prozent aller Pässe beim Gegner oder im Nichts landen, auch Möglichkeiten kreieren? Und wie soll eine Mannschaft, die nur 41 Prozent ihrer Zweikämpfe gewinnt, das eigene Tor verteidigen? Wenn dann sogar noch grobe Fehler hinzukommen, ist sowieso alles verloren. So erfreuten sich die Augsburger Torschützen Tobias Werner (11.), Halil Altintop (49.) und Andre Hahn (55.) jeweils mehr oder weniger großer Hilfe der Bremer Belegschaft. Besonders beim 3:1 sorgten Lukas Schmitz und Keeper Raphael Wolf für einen Moment großer Peinlichkeit, als sie sich gegenseitig austricksten.

Dennoch war ihr Lapsus längst nicht das Schlimmste am Bremer Auftritt. Dutt und Sportchef Thomas Eichin waren gleichermaßen entsetzt über die Wehrlosigkeit der erst elf und nach dem Platzverweis für Santiago Garcia (45.+1) nur noch zehn Bremer. „Wir waren nicht mit dem Biss und der Härte in den Zweikämpfen, die man im Abstiegskampf braucht“, kritisierte Eichin und warf einen düsteren Blick in die Zukunft. „So wie heute dürfen wir uns nicht verhalten, sonst wird es schwer zu punkten.“

Korrektur: dann wird es unmöglich zu punkten. Jedenfalls in den folgenden Heimspielen gegen Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach. Cedric Makiadi weiß, was auf Werder wartet, wenn in diesen Partien nicht die Wende geschafft wird: „Wir haben bis jetzt immer das Glück gehabt, dass wir noch nicht ganz tief unten dabei waren. Wir sollten uns auf dieses Glück nicht weiter verlassen. Es kann jetzt in den nächsten ein, zwei Spielen ganz schnell gehen, dass wir da stehen, wo es richtig weh tut.“ Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist auf drei Punkte geschmolzen, bis zum Nordrivalen HSV auf dem vorletzten Rang sind es nur vier Punkte. Werder ist – da gibt es kein Vertun – voll dabei.

Intensiver Lauf nach Augsburg-Pleite

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Robin Dutt muss jetzt das finden, was er den Fans für die Rückrunde versprochen hat: den Schlüssel für mehr Qualität. „Schon sehr, sehr oft“ sei ihm das bei seinen vorherigen Stationen gelungen, hatte der 49-Jährige vor der Winterpause geprahlt. Doch aktuell bleibt festzustellen: Werder ist nicht besser, sondern eher schlechter geworden. Positive Entwicklung? Nicht mal unter dem Mikroskop zu erkennen. Robin Dutt landet bei der Suche nach den Gründen wieder bei seinem Lieblingswort – der Wettkampfmentalität: „Das ist eine Grundtugend. Wenn die fehlt, ist keine Entwicklung möglich.“

Augsburg gewinnt 3:1 gegen Werder Bremen

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In Augsburg fehlte auch Aaron Hunt und wurde in der Offensive schmerzlich vermisst. Die Erwartungen ruhen auf seiner schnellen Rückkehr – und auf einem, der sich heute das erste Mal als Fußballer in Bremen präsentiert. Um 14.30 Uhr wird Neuzugang Ludovic Obraniak (29) mit der Mannschaft trainieren, gegen Dortmund soll er im Werder-Trikot debütieren. Die Gefahr besteht allerdings, dass der Mittelfeldspieler in der aktuellen Phase mit Erwartungen überfrachtet wird. „Obraniak“, sagte Thomas Eichin und lud schon den ersten Haufen Hoffnung über dem Franzosen ab, „hat die Erfahrung, die Ruhe und die Abgewichstheit, die uns fehlt.“ · csa/kni

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