Werder holt 1:3-Rückstand auf

Ein 3:3 macht Skripnik sicher: „Diese Mannschaft steigt nicht ab“

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Zweikampf in der dritten Etage: Papy Djilobodji, Werders starker Neuzugang, gewinnt das Kopfball-Duell mit Hertha-Stürmer Vedad Ibisevic.

Bremen - Sie waren angetreten, um endlich mal wieder seit August 2015 im Weserstadion zu gewinnen. Und schafften es wieder nicht. Trotzdem gab es gestern Abend fast nur strahlende Werder-Profis. Denn das 3:3 (0:2) gegen Hertha BSC fühlte sich wie ein Bremer Sieg an.

Schließlich hatten die Gastgeber nach zwei Patzern von Keeper Felix Wiedwald erst 0:2 zurückgelegen, dann nach dem Anschlusstreffer gleich das 1:3 kassiert – und das gegen den Tabellendritten der Bundesliga. Werder schien gleich zwei Mal geschlagen. Ein Trugschluss. „Unsere Moral war perfekt“, lobte Coach Viktor Skripnik und legte sich fest: „Diese Mannschaft steigt nicht ab!“

Aber es lag nicht allein an der erfolgreichen Aufholjagd, dass die Stimmung so gut war. Werder hatte auch gut begonnen, der Überraschungsmannschaft aus Berlin spielerisch ordentlich etwas entgegengesetzt. Nur ein Tor fehlte. Das machten dann die Gäste aus heiterem Himmel – oder schlimmer noch: nach einem Einwurf von Werder-Verteidiger Theodor Gebre Selassie. Der Ball landete erst auf dem Kopf von Berlins Per Skjelbred, dann bei Vladimir Darida und schließlich im Netz (29.). Der Schuss aus 26 Metern schien nicht nur haltbar, er war es auch. „Das Tor nehme ich auf meine Kappe“, sagte Wiedwald und klärte umgehend auch die Schuldfrage beim 0:2 von Marvin Plattenhardt (41.): „Der Freistoß kommt in die Torwartecke, also muss ich mir den ankreiden.“

Werder gegen Hertha: die Einzelkritik

Hertha-Keeper Rune Jarstein machte es besser, entschärfte kurz vor der Pause einen Freistoß von Papy Djilobodji – übrigens Werders Bestem gestern. Unglaublich, wie abgeklärt und selbstbewusst die Leihgabe des FC Chelsea nach nur gut einer Woche in Bremen auftritt. Während seine Kollegen nach dem 0:2 geschockt wirkten und völlig neben sich standen, machte er ganz cool weiter.

In der Halbzeit stellte Skripnik um. Er brachte in Fin Bartels für Levin Öztunali einen echten zweiten Stürmer, zog Claudio Pizarro ganz auf die Zehn zurück und agierte dahinter mit einem Dreier-Mittelfeld (Grillitsch, Fritz, Junuzovic). Der Plan ging auf. Werder wurde wieder mutiger – und irgendwann auch belohnt: Bartels vollendete ein 40-Meter-Solo mit dem 1:2 (67.). Hertha-Coach Pal Dardai hätte sich da schon ein „taktisches Foul“ gewünscht. Der Schaden sollte sich allerdings in Grenzen halten: Schließlich stellte Salomon Kalou nur vier Minuten später den alten Abstand wieder her. Er profitierte von einem Fritz-Fehlpass im Spielaufbau – und der einzigen Fehlentscheidung von Djilobodji, der die Hereingabe von Johannes van den Bergh sieben Meter vor dem Gehäuse passieren ließ, um kein Eigentor zu riskieren.

Werder erkämpft sich 3:3 gegen Hertha

Hertha feierte, als wäre der Sieg schon perfekt. Und das schmeckte zumindest den Bremer Besuchern im mit 40141 fast ausverkauften Weserstadion offenbar überhaupt nicht. Trotzig skandierten sie „Steht auf, wenn ihr Bremer seid“. Und alle standen auf – auch die Spieler. Sie kämpften. Allen voran Laszlo Kleinheisler. Der eingewechselte Winter-Neuzugang feierte eine bemerkenswerte Bundesliga-Premiere. Werder wollte einfach nicht verlieren. Anthony Ujah ließ sich im Strafraum nur durch ein Foul von Fabian Lustenberger stoppen – Elfmeter. Pizarro schnappte sich den Ball und vollstreckte – 2:3 (75.).

Das Weserstadion bebte. Und es wäre zwei Minuten später fast explodiert: Ecke Junuzovic, Kopfball Santiago Garcia – Ausgleich! Wirklich der Ausgleich! Wer hätte das sieben Minuten zuvor gedacht? Niemand! Garcia ließ sich zurecht für seinen kleinen Geniestreich – der Ball senkte sich perfekt ins lange Eck – feiern. Nur in der Statistik wird das Tor bei ihm fehlen, denn Pizarro hatte noch seine Haare im Spiel. „Ja, ich war dran“, sagte der Peruaner später, natürlich garniert mit einem verschmitzten Grinsen. Endlich hat er nach seiner Rückkehr zu Werder auch im Weserstadion getroffen – und das gleich zwei Mal. Mit nun 181 Bundesliga-Toren verbesserte sich der 37-Jährige auf Platz fünf der ewigen Bestenliste, torgleich mit Ulf Kirsten.

Was wäre wohl passiert, wenn Pizarro noch einen drauf gelegt hätte? Doch dazu reichte bei ihm und seinen Kollegen die Kraft nicht mehr. Außerdem wollten die Gastgeber nicht zu viel riskieren, um nicht am Ende doch noch mit leeren Händen dazustehen. „Für die Tabelle wären drei Punkte natürlich besser gewesen“, sagte Skripnik: „Aber die Mannschaft hat Dinge gezeigt, die kannst du dir nicht kaufen.“ Deswegen ist sich der Coach auch so sicher, dass Werder nicht absteigt. kni

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