Werder hofft auf neue Modelle der Marke Klose, Özil, Mertesacker – wenn auch im kleinen Maßstab

Auf der Suche nach dem Mehrwert

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Was die Konkurrenz auf dem Transfermarkt treibt, kommt Thomas Eichin (l.) aus seiner Warte wie „Wahnsinn“ vor, Robin Dutt (r.) versucht mit den Gegebenheiten klarzukommen, sagt aber: „Zaubern können wir nicht.“

Bremen - Von Carsten Sander. Nein, nach Spielern von Werder Bremen suchte man bei der WM in Brasilien vergeblich. Nicht einer war dabei. Und doch darf der Club, der sich gerade neu erfinden muss, für sich in Anspruch nehmen, auch einen Teil zum vierten Titelgewinn der deutschen Mannschaft beigetragen zu haben. Wenn auch nur einen kleinen.

Denn bei Werder reiften in Miroslav Klose, Per Mertesacker und Mesut Özil drei neue Weltmeister einst zu internationaler Klasse. Das Bremer Ziel ist es, im Zuge des im eng geschnürten Finanzkorsett steckenden Neuaufbaus wieder Spieler hervorzubringen, die höchsten fußballerischen Ansprüchen genügen. Und die Werder dringend benötigte Transfereinnahmen bringen. Ein weiter Weg.

Bei Miroslav Klose, seit Sonntag nach zuvor drei vergeblichen Anläufen endlich Weltmeister, war es vor zehn Jahren so: Der damalige Sportdirektor Klaus Allofs musste beim Aufsichtsrat große Überzeugungsarbeit leisten, damit der die fünf Millionen Euro Ablöse für den deutschen Nationalstürmer bewilligte. Es sollte sich lohnen. Drei Jahre später verkaufte Allofs den Torjäger für das Dreifache der Ablöse an Bayern München weiter.

So muss das auch in Zukunft laufen bei Werder – allerdings in einem völlig anderen Maßstab. Die Bremer können keine fünf Millionen Euro Ablöse mehr bezahlen, die Bremer können quasi gar keine Ablöse mehr bezahlen. Von vier bislang getätigten Transfers hat nur Torhütertalent Raif Husic etwas gekostet (100000 Euro an den FC Bayern). Fin Bartels (FC St. Pauli), Alejandro Galvez (Rayo Vallecano) und Izet Hajrovic (Galatasaray Istanbul) waren alle ablösefrei. Und sollen nun zu dem werden, was Werders neuer Direktor für Profi-Fußball und Chefscout Rouven Schröder „Mehrwertspieler“ nennt. Solche, die erst wenig bis nichts kosten, dann aber einen Ertrag in Form einer Ablöse bringen sollen. Auf diese Art Geld zu generieren, sei die „einzige Chance“, die Werder habe, um sich sportlich zu entwickeln, sagt Geschäftsführer Thomas Eichin.

Von Einnahmen in der Größenordnung von 15 Millionen Euro wie bei Klose sind die Bremer aktuell freilich weit entfernt. Im Moment geht es eher darum, für zu teure, aber wenig bis gar nicht effektive Spieler wie Mehmet Ekici überhaupt noch Geld zu bekommen. Gelingt das nicht, wird sich bis Ende August vermutlich nichts mehr bewegen im Kader. Das Budget ist ausgereizt, obwohl keine Ablösen gezahlt werden mussten. Was den Rückschluss zulässt: Mit den laufenden Einnahmen kann Werder mal eben die laufenden Kosten decken. Um weiter in die Mannschaft zu investieren, fehlt – Stand jetzt – das Geld.

Die Gleichung ist simpel: Will Eichin noch einen Spieler holen (gesucht wird ein weiterer Offensivmann), muss er mindestens Ekici von der Gehaltsliste bekommen. Oder Joseph Akpala plus Mateo Pavlovic. „Mal eben einen zu holen, das geht nicht“, sagt der Manager.

Werder-Coach Robin Dutt spricht von „finanziellen Nicht-Möglichkeiten“, mit denen der Club klarkommen müsse. Er findet, dass Eichin und er das bisher mit den vier Neuzugängen – bei den ablösefreien Abgängen von Sebastian Mielitz (SC Freiburg), Lukas Schmitz (Fortuna Düsseldorf), Aleksandar Ignjovski (Eintracht Frankfurt) und Aaron Hunt (VfL Wolfsburg) – „ganz gut“ gemacht haben. Aber er sagt auch: „So viel schlauer können wir in Bremen nicht sein, dass wir alles ohne Ablösezahlungen hinbekommen, wofür die anderen Millionen ausgeben. Zaubern können wir nicht.“

Eichin entweicht ein „Wahnsinn“, wenn er sieht, was die Clubs, mit denen sich Werder um einen Platz im gesicherten Mittelfeld der Bundesliga streiten will, an Transfers tätigen. Hertha BSC hat den Schweizer Valentin Stocker für 3,5 Millionen Euro verpflichtet, der SC Freiburg hat zehn Millionen Euro für die Schweizer Admir Mehmedi und Roman Bürki ausgegeben. Hannover zahlte fünf Millionen Euro für Joselu, und Hoffenheim haut mal eben 15 Millionen Euro für diverse Spieler raus.

Werder konnte diese Summen auch mal zahlen. Für Klose, für Özil (fünf Millionen), für Mertesacker (4,7 Millionen) – alle wurden sie mit großem Gewinn weiterverkauft. Doch es gab zu viele Gegenbeispiele, die gekostet, aber nichts gebracht haben. So ging der Erfolg, die Probleme kamen. Und bleiben.

Vielleicht sind Izet Hajrovic und Alejandro Galvez ein Mittel, sie zu lösen. Dutt erwartet nicht, dass einer der Neuen wie eine Rakete durch die Decke geht – nicht sportlich und auch nicht auf dem Transfermarkt. „Aber ich erwarte, dass wir in der Summe einen Mehrwert erzielen“, sagt er und meint den sportlichen Fortschritt, der wirtschaftlichen Aufschwung nach sich ziehen würde. Izet Hajrovic, um den sich Werder und Galatasaray noch vor Gericht streiten werden, könnte dabei „ein wichtiger Mosaikstein“ werden, glaubt er. Weltmeister mit Deutschland wird der Offensivspieler aber niemals werden. Der Mann ist schließlich ein in der Schweiz geborener Bosnier.

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