Nürnbergs Coach Hecking rechnet fest mit dem Bremer Klassenerhalt und einem Remis im morgigen Duell

„Werder? Ich hätte nichts dagegen“

Die Laune von Dieter Hecking könnte nicht besser sein: Mit dem 1. FC Nürnberg nimmt der Coach in der Rückrunden-Tabelle den Platz an der Sonne ein.

Nürnberg  - Von Björn Knips · Dieter Hecking hatte in dieser Woche wesentlich mehr zu tun als sonst. Medienvertreter aus ganz Deutschland wollten wissen, wie er den Abstiegskandidaten 1. FC Nürnberg zur besten Rückrunden-Mannschaft gemacht und in der Tabelle auf Rang sechs geführt hat. Der 46-Jährige nahm sich vor dem morgigen Duell gegen Werder Bremen (15.30 Uhr) auch für diese Zeitung viel Zeit und erklärte zudem, warum er nach seinen Bundesliga-Stationen Nürnberg, Hannover und Aachen gerne auch mal in Bremen arbeiten würde.

?Gibt’s beim 1. FC Nürnberg überhaupt noch einen Ort, wo die Rückrunden-Tabelle mit dem Spitzenreiter 1. FC Nürnberg nicht hängt?

!Auf der Geschäftsstelle habe ich keine Tabelle gesehen, in der Kabine auch nicht. Aber natürlich sind wir hier ein Stück weit stolz, so eine Rückrunden-Tabelle zu haben. Es ist doch toll, von 18 Mannschaften die Beste zu sein – und das nicht nach ein oder zwei, sondern nach neun Spielen. Trotzdem ist auch das nur eine Momentaufnahme.

?Platz sechs in der Gesamtabrechnung nach 26 Spieltagen ist aber mehr als das.

!Das stimmt, damit sind wir auch sehr zufrieden. Schließlich sind wir mit dem Ziel in die Saison gestartet, diesmal nicht in der Relegation zu landen.

?Gibt es ein Nürnberger Erfolgsgeheimnis?

!Wir haben im Sommer einen riesigen Umbruch gemacht mit 13 Abgängen. Wir haben uns hingesetzt und kritisch hinterfragt: Mit welchem Spieler kommen wir noch weiter, von wem müssen wir uns trennen? Und dann hatte Martin Bader (Sportvorstand, Anm. d. Red.) ein wirklich glückliches Händchen mit den Neuverpflichtungen. Zum Beispiel ein Nilsson, Simons, Ekici, Hegeler, Schieber, Cohen und Mak – die haben alle mehr oder weniger eingeschlagen. Und unsere Alphatiere Schäfer, Wolf, Nilsson, Simons, Pinola und Mintal verstehen es glänzend, die jungen Spieler zu führen. Das ist ein Gemenge, das eine tolle Arbeit leistet – und zwar gemeinschaftlich, das ist die Basis zum Erfolg.

?Das klingt nach einem Teamgeist, den man bei Werder lange Zeit vermisst hat. Ist es in einer Mannschaft ohne große Stars einfacher, ein Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln?

!Natürlich. Aber bei Werder sieht es jetzt auch anders aus als noch vor vier Wochen. Da muss innerhalb der Mannschaft etwas passiert sein. Ich habe mir die letzten drei Spiele angesehen, da wird jetzt wieder zusammen gearbeitet. Das war doch immer die große Stärke von Werder, und man sollte es nicht zu dramatisch sehen, dass jetzt nach vielen guten Jahren mal ein nicht so gutes Jahr dabei ist.

?Das macht Werder und stärkt – anders als es viele Vereine in so einer Situation tun – dem Trainer den Rücken. Hat Thomas Schaaf den angenehmsten Arbeitsplatz der Liga?

!Das weiß ich nicht. Immerhin ist er jetzt auch mal ins Fadenkreuz geraten. Aber nach zehn Jahren muss man ihm einfach auch mal ein schlechtes halbes Jahr zugestehen. Zum Glück hat Werder die Ruhe bewahrt, und die letzten Ergebnisse geben dem Club recht. Aber noch ist die Situation nicht gemeistert.

?Sie sind ein absoluter Experte für Abstiegskampf: Waren Ihnen Konkurrenten, die eigentlich ganz andere Ziele hatten, lieber als die üblichen Verdächtigen?

!So pauschal kann man das nicht sagen. Aber ich möchte an dieser Stelle mal Wolfsburg und Bremen vergleichen. Im Vorfeld unseres Spiels vergangene Woche in Wolfsburg war von dort zu hören: So, jetzt haben wir nur noch Nürnberg von oben, danach machen wir den Klassenerhalt mit unserer Klasse perfekt. Das ist blauäugig, zumal die direkten Abstiegsduelle viel schwieriger sind. In Bremen weiß man das, ich habe jedenfalls vor diesem Spiel nichts anderes gehört. Nicht nur deshalb bin ich mir zu 100 Prozent sicher: Werder schafft den Klassenerhalt, auch ohne die Punkte gegen uns.

?Und Nürnberg?

!Wir würden gerne den Traum unserer Fans vom internationalen Geschäft so lange wie möglich am Leben halten.

?Ist es Zufall, dass Vereine wie Nürnberg, Freiburg, Hannover und Mainz die Bundesliga aufmischen, oder darf das als Fingerzeig für die Zukunft gesehen werden?

!Also wir werden auch in der nächsten Saison nicht die Möglichkeit haben, ganz groß einzukaufen. Hannover und Freiburg wird es wahrscheinlich ähnlich gehen, Mainz hat durch hohe Transfererlöse und das neue Stadion offenbar eine bessere Situation. Und man muss davon ausgehen, dass Werder, Schalke, Wolfsburg und Stuttgart mit ihrer finanziellen Kraft nächste Saison wieder nach oben kommen. Für uns heißt das: Wir wollen zwar keine Eintagsfliege sein, aber wir denken wieder zuerst daran, den Klassenerhalt so früh wie möglich zu sichern.

?Aber hätten Sie als Trainer nicht auch mal Lust, einen ambitionierteren Club zu trainieren?

!Ja und nein. Man sollte nicht immer daran denken, wo man überall noch hin will. Aber ganz ehrlich: Auch ein Dieter Hecking möchte mal um Titel mitspielen. Diesen Ehrgeiz darf ich als Trainer haben. Trotzdem fühle ich mich in Nürnberg sehr wohl und möchte die erfolgreiche Arbeit fortsetzen. Außerdem hat die jüngste Vergangenheit gezeigt, dass es zwischen Trainer und Verein passen muss. Bei Schalke und Magath oder Bayern und van Gaal war das offenbar nicht der Fall. Trotzdem sind das sehr gute Trainer. Und nur weil ich jetzt mit dem 1. FC Nürnberg eine gute Saison spiele, muss ich nicht gleich den nächsten Schritt machen. Nachhaltigkeit wird von einigen Vereinen auch sehr positiv gesehen und irgendwann . . .

?. . . landen Sie deshalb auch bei Werder Bremen.

!Für meine Familie wäre das Gold wert, weil sie in Niedersachsen in Bad Nenndorf lebt. Für mich ist Werder einer der sympathischsten Vereine der Liga. Ich hätte nichts dagegen, wenn es mal so kommen würde. Aber ich glaube, dass Thomas Schaaf noch lange bei Werder arbeiten wird.

?Das wäre schlecht für Sie, denn als Trainer konnten Sie in neun Versuchen nur zweimal gegen Werder gewinnen. Lediglich gegen Schalke ist ihre Bundesliga-Bilanz schlechter.

!Ich hätte nichts dagegen, wenn am Samstag aus der sehr negativen eine negative Bilanz wird. Aber Werder hatte immer auch eine gewisse Qualität und ist seiner Favoritenrolle gegen meine Mannschaften meist gerecht geworden.

?Aber morgen ist ihre Mannschaft der Favorit, oder?

!Von der Tabelle her ja, aber wir sind hier sehr realistisch. Wir werden Werder sicher nicht aus dem Stadion schießen, aber wir wollen natürlich gewinnen. Es wird ein enges Spiel, also wird’s wahrscheinlich ein Unentschieden . . .

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