Eine Frechheit ohne Folgen

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Mainz - Von Björn Knips. Als Clemens Fritz gestern Nachmittag vor die Journalisten trat und die erste Frage gestellt bekam, da zögerte er mit der Antwort. Eine Sekunde, zwei, Sekunden, drei Sekunden. Tiefes Durchatmen. Noch eine Sekunde nichts, Und noch eine.

„Puuuuuh, ich muss wirklich aufpassen, was ich jetzt sage“, huschte es dem Kapitän des SV Werder Bremen dann endlich über die Lippen. Diese hochverdiente 0:3 (0:3)-Pleite beim FSV Mainz 05 hatte ihm zugesetzt wie selten eine Niederlage zuvor. „Es war eine absolute Frechheit, was wir hier heute abgeliefert haben. Das, was wir uns in den letzten Wochen aufgebaut haben, haben wir wieder eingerissen“, schimpfte der 34-Jährige.

Ihn konnte auch nicht trösten, dass Werder dank der Ergebnisse auf den anderen Bundesliga-Plätzen im Abstiegskampf nichts an Boden verloren und weiterhin sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat. Bei nur noch vier ausstehenden Spielen macht das den Klassenerhalt sogar noch ein Stück wahrscheinlicher. „Das interessiert mich jetzt nicht“, fauchte Fritz und gestand: „Ich schäme mich dafür, dass unsere tollen Fans so eine weite Strecke zurücklegen und dann so eine Leistung von uns sehen.“

Dabei hatte Werder-Coach Robin Dutt gegenüber dem starken Auftritt beim 1:1 gegen Schalke 04 wie erwartet nur eine Veränderung in der Startelf vorgenommen – das allerdings unfreiwillig: Für den gelbgesperrten Franco Di Santo rückte Nils Petersen in den Sturm. Der Angreifer wollte vor 33 597 Zuschauern in der Coface-Arena endlich seine Torflaute beenden und das erste Mal seit dem 21. März in Freiburg treffen. Das gelang ihm auch nach nur fünf Minuten. Allerdings auf der falschen Seite. Völlig unbedrängt beförderte Petersen eine Ecke von Johannes Geis ins eigene Tor (5.). Während der Unglücksrabe nach dem ersten Eigentor in seiner Karriere verschämt zu Boden blickte („Ein beschissenes Gefühl“), schimpften seine Kollegen auf Schiedsrichter Deniz Aytekin ein. Der hatte nach der Ecke den Schubser von Nikolce Noveski an Luca Caldirola nicht geahndet. Eine zumindest strittige Entscheidung.

Bei Werder ging danach gar nichts mehr. Die extrem engagierten Mainzer durften sich völlig frei entfalten, wurden von den Bremern kaum gestört. „Wir haben gefühlt nur fünf bis zehn Prozent der Zweikämpfe gewonnen. Das war unsere schlechteste erste Halbzeit, und wir hatten diese Saison viele schlechte erste Halbzeiten“, ereiferte sich Zlatko Junuzovic.

Der Österreicher und seine Kollegen schenkten den Gastgebern aber nicht nur die Zweikämpfe, sondern nach dem ersten auch das zweite Tor: Ein Befreiungsschlag von Clemens Fritz landete auf der Brust von Sebastian Prödl und dann unglücklich bei Christoph Moritz, der aus 18 Metern zum 2:0 vollstreckte (16.).

Werder war nach den starken Leistungen in den beiden letzten Spielen nicht wiederzuerkennen. Kein großer Kampf und deshalb überhaupt kein spielerischer Glanz. Stattdessen gab es hilflose Fouls und die nächste Gelbsperre: Junuzovic sah nach einer Attacke gegen Elkin Soto seine fünfte Gelbe Karte (20.) und fehlt nächste Woche im Heimspiel gegen Hoffenheim.

Immerhin gab es danach tatsächlich auch eine Bremer Chance, natürlich nicht aus dem Spiel heraus, sondern nach einer Standardsituation: Ecke Junuzovic, Kopfball Prödl – doch Osaki rettet auf der Linie für seinen Keeper Loris Karius (23.). Nach diesem Lichtblick wurde es aus Bremer Sicht aber schnell wieder finster. Fast im Minutentakt schossen die Gastgeber aufs Tor – und schafften in der 39. Minute die hochverdiente Vorentscheidung: Nach einem perfekten langen Ball von Rechtsverteidiger Zdenek Pospech lief Yunus Malli allen Bremern davon und hämmerte die Kugel zum 3:0 in die Maschen.

Frust pur bei Werder! Kurz vor der Pause beschimpfte Kapitän Fritz Angreifer Petersen, weil der sich nicht freigelaufen hatte. Der Beschuldigte konnte es nicht mehr besser machen, für ihn war in der Pause Schluss. Dutt brachte Theodor Gebre Selassie und stellte auf ein 4:3:3-System um. Ohne Erfolg. Werder blieb nach vorne harmlos und hinten hilflos. Fast jeder Mainzer Angriff beinhaltete Torgefahr. Zum Glück für die Gäste traf Malli nur den Pfosten (58.) und verzog wenig später knapp. Für Fritz war es trotzdem zu viel, der Außenverteidiger tobte und knöpfte sich Prödl und Caldirola vor. Keine Spur mehr vom hochgelobten Teamgeist, den Hunt bei seiner Auswechslung ebenfalls mit Füßen trat. Er ging nicht zur Bank, sondern stapfte schnurstracks in die Kabine (67.).

Bilder vom Spiel in Mainz

Schwache Bremer verlieren in Mainz mit 3:0

Da werden heute und in den nächsten Tagen noch deutliche Worte fallen. Und Junuzovic gab schon mal vor, was er nun erwartet: „Es reicht nicht, dass wir uns jetzt entschuldigen, wir müssen gegen Hoffenheim eine Reaktion zeigen.“

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