Werder gegen BVB am Ende chancenlos – 1:3

Ein super Spielzug reicht nicht

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UNDANKBARE AUFGABE: Werders Linksverteidiger Janek Sternberg (l.) versucht, Dortmunds munds Turbo-Sprinter Pierre-Emerick Aubameyang aufzuhalten.

BREMEN. Diese 32. Minute wird in keinem Saisonrückblick des SV Werder fehlen. Denn so schön haben die Bremer schon lange kein Tor mehr erzielt. Weil es auch noch der Ausgleich gegen Borussia Dortmund war, flippten die Fans fast aus. Da ahnten sie auch noch nicht, dass es kein schöner Bremer Nachmittag werden sollte. Denn am Ende waren die Gäste viel zu gut für die Grün-Weißen, siegten hochverdient mit 3:1 (2:1) und verkürzten den Rückstand auf Bundesliga-Spitzenreiter FC Bayern auf fünf Punkte. Werder ist zwar weiterhin 14., kann aber heute noch auf den Relegationsplatz abrutschen. Auch deshalb ging der Blick schon voraus – auf das nächste Spiel in genau einer Woche bei Schlusslicht FC Augsburg. „Das wird entscheidend“, meinte Keeper Felix Wiedwald.

Die Partie gestern wurde derweil in die Schublade für zu starke Gegner gelegt. Allerdings mit einer Portion Verärgerung im Bauch. Denn zwischenzeitlich hatte Werder durchaus mitgehalten. Und das nach einem krassen Fehlstart. Marco Reus hatte die Gäste nach Vorarbeit von Henrich Mchitarjan bereits in der neunten Minute in Führung geschossen. Unter Mithilfe von Wiedwald, der die Hereingabe nicht ausreichend entschärft hatte.

Auch die Fünferkette war nicht schuldlos gewesen. Ja, richtig gelesen: die Fünferkette. Wo normalerweise vier Spieler verteidigen, da sattelte Werder-Trainer Viktor Skripnik einen drauf – und zwar Fin Bartels ganz rechts. Allerdings mit etwas offensiverer Ausrichtung als ein echter Außenverteidiger. Auf der anderen Seite übernahm Janek Sternberg diesen Part. Offensiv machte er das richtig gut mit tollen Flanken. Defensiv gab es Probleme im Stellungsspiel und in der Abstimmung mit Nebenmann Jannik Vestergaard – wie vor dem 0:1.

Werder steckte den Rückstand überraschend gut weg. Das 5:1:3:1-System funktionierte nun ganz gut. Das Selbstvertrauen steigerte sich von Minute zu Minute und gipfelte in dem perfekt herausgespielten 1:1: Bartels auf Grillitsch, der mit der Hacke zu Junozovic, der weiter auf Bartels, der zurück auf Grillitsch, der zwar an BVB-Keeper Bürki scheitert, aber Ujah den Abpraller für den Einschuss zum 1:1 beschert. Erstes Bundesliga-Heimtor für den Nigerianer, der fast platzte vor Glück. „Wir haben gute Fußballer, die so etwas können. Das hätten sie gerne noch mal machen dürfen“, meinte Thomas Eichin und seufzte. Denn der Sportchef bekam derlei Schmankerl von seinem Team nicht mehr geboten. Ein Junuzovic-Kopfball, der das Ziel knapp verpasste (35.), das war’s.

In der 44. Minute senkte sich der Daumen über Werder: Der bis dahin bärenstarke Clemens Fritz verliert nach einer eigentlich überstandenen Standardsituation den Ball an Shinji Kagawa, der Mats Hummels ins Spiel bringt – und der Weltmeister nötigt mit einer starken Außenrist-Flanke Mkhitaryan praktisch zum Kopfball-Tor. Sternberg hätte es ohne Tiefschlaf verhindern können. „Noch so ein dummes Tor“, ärgerte sich Eichin. Und Wiedwald stellte später fest: „Das Tor war tödlich für uns.“

Denn trotz ungewöhnlichen Aufwärmprogramms kurz vor Wiederbeginn wirkten die Gastgeber wie eingefroren. Es spielte nur noch Dortmund. „Da hat uns nach der englischen Woche die Power gefehlt“, urteilte Eichin – wohl wissend, dass der BVB durch das internationale Geschäft sogar am Ende seiner zweiten englischen Woche steckt: „Aber die haben eine andere Tiefe im Kader, können besser rotieren.“

Für Werder hätte es ganz bitter werden können. Doch Pierre-Emerick Aubameyang ließ beste Chancen zum 3:1 ungenutzt. Erst Reus machte in der 71. Minute alles klar. Wieder hatte Mchitarjan vorbereitet.

Es war ein ganz besonderer Tag des 26-Jährigen. Denn nach dem Aufwärmen war er beim Gang in die Kabine von einem Fan aus der Ostkurve beworfen worden – mit einem zusammengeknüllten Pappkarton. Zum Glück folgenlos. Das galt allerdings nicht für den Täter. Der wurde dank Video-Aufnahmen sofort ermittelt und aus dem Stadion gebracht. Werder erstattete Anzeige.

Die Noten: Werder Bremen - Borussia Dortmund

Die 42100 Zuschauer bekamen davon fast alle nichts mit – dafür vom Schiedrichter-Wechsel in der 83. Minute. Tobias Welz musste wegen einer Wadenzerrung runter. Für ihn übernahm Assistent Dr. Martin Thomsen, dessen Job an der Linie der vierte Offizielle Norbert Grudzinski fortan ausübte.

Werder Bremen gegen Borussia Dortmund

Auf dem Platz passierte nicht mehr viel, umso unterhaltsamer wurde die Pressekonferenz. Thomas Tuchel nutzte die Gelegenheit, um fast eine Minute lang von Werder zu schwärmen: „Hier sind immer alle so freundlich. Hierher zu fahren und die Flutlichter über dem Stadion hängen zu sehen, ist immer etwas Besonderes.“ Da konnte der neben ihm sitzende Werder-Mediendirektor Michael Rudolph offenbar nicht anders und entgegnete dem 42-Jährigen: „Sie sind ja noch jung, vielleicht klappt es ja noch mal mit dem Trainerposten hier.“ Da lachten alle, auch Tuchel – und sogar Skripnik. Der Ukrainer weiß schließlich, dass er trotz der sechsten Pleite in den letzten sieben Bundesliga-Spielen fest im Sattel sitzt.

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