3:0 – Werder fegt den FC Chelsea aus dem Weserstadion / „Wir werden das nicht überbewerten“

„Oh, wie ist das schön“

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Bremens Torschütze Ludovic Obraniak (vorn) setzte sich mit der Hilfe von Santiago Garcia gegen Chelseas 40-Millionen-Einkauf Diego Costa durch. Assani Lukimya (kleines Bild, links) bremste gestern Alt-Star Didier Drogba aus.

Bremen - Wo soll das mit diesem SV Werder bloß noch hinführen? Die Fans sind jedenfalls schon total euphorisiert. Und das nach dem ges-trigen Auftritt durchaus zurecht: Denn der SV Werder fegte keinen Geringeren als den großen FC Chelsea völlig verdient mit 3:0 (2:0) aus dem Weserstadion. „Oh, wie ist das schön“, sang ein Großteil der 30517 Zuschauern. Es war der achte Sieg im neunten Testspiel, Werder ist in der Vorbereitung weiterhin unbesiegt und plötzlich ein echter Überraschungskandidat für die neue Bundesliga-Saison.

Doch davon wollte keiner der Protagonisten etwas hören. Alle Werderaner waren bemüht, die Euphorie zu bremsen. „Mir ist das Ergebnis zu hoch“, gestand Kapitän Clemens Fritz. „Wir werden das 3:0 nicht überbewerten“, versprach Stürmer Nils Petersen – und bestätigte damit Sportchef Thomas Eichin, der keinen Grund sieht einzugreifen: „Unsere Jungs sind schlau genug, diesen Sieg realistisch einzuschätzen.“

Aber was heißt das? War Werder nur so gut, weil Chelsea so schlecht spielte? Oder weil der Schiedsrichter nicht nach dem Geschmack von Chelsea-Coach Jose Mourinho entschied (siehe nebenstehenden Bericht)? Fakt ist: Chelsea war zwar namhaft besetzt, aber viele WM-Teilnehmer sind gerade erst ins Training eingestiegen, andere – wie Weltmeister Andre Schürrle – haben noch Urlaub.

Da ist Werder mit nur einem WM-Fahrer (Izet Hajrovic) körperlich insgesamt schon deutlich schon weiter. Und das war nicht zu übersehen. Die Gastgeber liefen viel und standen dadurch in der Defensive fast immer richtig. Die Gäste kamen kaum zu Chancen. Werder dagegen schon: Bereits nach acht Minuten zwang Franco Di Santo Belgiens Nationalkeeper Thibaut Courtois mit einem Kopfball zu einer „phantastischen Rettungsaktion“ (Mourinho). Die Bremer spielten weiter flott nach vorne. Eljero Elia ließ nach guter Fritz-Vorarbeit erst John Terry mit einem Trick ganz alt aussehen, dann schoss er ihm auch noch im Strafraum den Ball an die Hand. Schiedsrichter Harm Osmers aus Hannover, der seine Karriere beim SV Baden (Landkreis Verden) begonnen hat, entschied richtigerweise auf Strafstoß. Eljero Elia schnappte sich die Kugel, traf und feierte das 1:0 mit der Herzchen-Geste (20.).

Ganz anders Ludovic Obraniak: Dabei hatte der polnische Nationalspieler eine Flanke von Clemens Fritz herrlich mit dem Kopf ins lange Eck befördert – und das Weserstadion mit dem 2:0 in ein Tollhaus verwandelt (37.). Obraniak jubelte ganz zurückhaltend.

Und Chelsea? Da kam nicht viel. Fernando Torres hatte zwei gute Chnacen. Die erste vergab der Spanier kläglich (36.), die zweite vereitelte Werder-Keeper Raphael Wolf, indem er ganz lange stehen blieb und schließlich mit dem Fuß klärte (45.). Ganz stark!

Nach dem Wechsel brachte Mourinho Rückkehrer Didier Drogba – und das gab Applaus von allen Seiten. Den Ivorer wollten die Zuschauer unbedingt sehen, doch sie sahen eher Assani Lukimya. Denn Werders Deutsch-Kongolese, der körperlich bestens zu Drogba passte, ließ den Superstar einfach auflaufen. So blieb ein Lupfer von Cesc Fabregas, der auf dem Tornetz landete, die einzige Chance der Gäste in Halbzeit zwei (69.).

Werder gewinnt gegen Chelsea 3:0

Dabei hatte Robin Dutt den Gästen die Schleusen geöffnet, als durch diverse Wechsel eine Viertelstunde vor Schluss plötzlich folgendes Viererkettchen auf dem Platz stand: Marnon Busch, Lukimya, Oliver Hüsing und Levent Aycicek. Wollte der Werder-Coach etwa nicht gewinnen? Die jungen Burschen hatten jedenfalls hart zu kämpfen, ließen sich aber nicht bezwingen.

Sie durften sogar noch ein Tor bejubeln. Neuzugang Hajrovic schickte mit einem Superpass Petersen auf die Reise, der von Nathan Ake gefällt wurde. Mourinho und fast alle anderen im Stadion hatten es anders gesehen und hielten die Elfmeter-Entscheidung von Osmers für falsch. Doch die Bilder von Werder-TV zeigten: Petersen war zuerst am Ball, wurde dann getroffen.

Felix Kroos interessierte das alles herzlich wenig. Er vollstreckte den Strafstoß sicher zum 3:0 (88.). Jetzt gab es auf den Rängen, über die schon so manche Welle geschwappt war, kein Halten mehr. Und dem folgte sogar noch ein „Deutscher Meister wird nur der SVW“, allerdings wesentlich leiser. Denn viele wussten wie die Profis: Es war eben nur ein Testspiel, erst in zwei Wochen wird es wirklich ernst.

kni

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