Aus 3:2 wird ganz schnell ein 3:5

Fünf verhängnisvolle Minuten

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Ein Fußballer-Sandwich im Weserstadion – wobei sich ein Bremer (Jannik Vestergaard) gleich drei Wolfsburgern (von links) Diego Benaglio, Timm Klose und Naldo entgegenstemmt.

Bremen - Drei Mal geführt und doch verloren: In einem Spiel, das die Bezeichnung Spektakel mehr als verdient hatte, gingen für Werder Bremen gestern gleich zwei Serien zu Ende. Das 3:5 (3:2) gegen den Bundesliga-Zweiten VfL Wolfsburg war nach zuvor vier Siegen und einem Remis die erste Niederlage im Jahr 2015 – zudem bedeutete das Resultat die erste Heimpleite unter Trainer Viktor Skripnik.

Schuld waren fünf verhängnisvolle Minuten direkt nach der Pause, in denen Werder drei Gegentore kassierte.

Wolfsburgs Super-Torjäger Bas Dost mit seinen Rückrundentreffern zehn und elf (48./51.) sowie Daniel Caligiuri (53.) machten aus der Bremer Halbzeitführung im Eiltempo ein 5:3 für die Gäste. „So darfst du dich nicht abschießen lassen“, sagte Werder-Sportchef Thomas Eichin und fühlte sich an seine Zeit als Eishockey-Manager erinnert: „Da hast du Spiele auch schon mal in wenigen Sekunden verloren.“

Gestern waren es Minuten des „kollektiven Versagens“ (Mittelfeldmann Felix Kroos), die Werder gegen den mit Millionen-Investitionen hochgerüsteten VW-Club um den „verdienten Lohn“ (Eichin) brachten. Denn bevor Kevin De Bruyne als zweifacher Vorlagengeber und Dost als sicherer Vollstrecker die Bremer Hoffnung auf die nächste Überraschung mit ihrer individuellen Klasse gnadenlos zerstörten, hatte Werder erneut eine bemerkenswerte Vorstellung abgeliefert. Bis zur Pause. „Danach war es der Fehler des Schiedsrichters. Er hätte nach der Halbzeit abpfeifen müssen“, scherzte Skripnik, der die Niederlage mit Humor zu nehmen versuchte.

Gegen einen VfL Wolfsburg, der drei Tage nach dem 0:0 im Europa-League-Rückspiel bei Sporting Lissabon auf vier Positionen verändert war (unter anderem rückte 32-Millionen-Einkauf Andre Schürrle auf die Bank) gingen die Bremer mit dem ersten gelungenen Angriff in Führung. Neuzugang Levin Öztunali, als Vertreter des gesperrten Fin Bartels als Spielmacher aufgeboten, setzte sich auf rechts durch und legte perfekt für Zlatko Junuzovic in der Mitte auf. Der Österreicher traf ohne Mühe, erzielte sein erstes Nicht-Freistoßtor der Saison (9.). Die Führung hielt jedoch gerade mal 78 Sekunden. Werder-Schlussmann Raphael Wolf wehrte eine Flanke von Marcel Schäfer nach vorne ab, Caligiuri war zur Stelle und glich aus.

Ein fulminanter Beginn des Nordderbys – und es wurde noch besser. Wieder bereitete Öztunali sehenswert vor, diesmal vollendete Franco Di Santo in der Mitte (16.). Aber wieder dauerte es nur Augenblicke, bis Wolfsburg zurückschlug. Maximilian Arnold traf per Kopf nach Flanke von De Bruyne, der sich zuvor zu leicht gegen Werders Linksverteidiger Janek Sternberg durchgesetzt hatte. Exakt 143 Sekunden lagen zwischen dem Bremer und dem Wolfsburger Jubel. „Es war ein wildes Spiel“, sagte VfL-Coach Dieter Hecking später über diese Phase der Partie. Die als frühe Zugabe auch noch eine kuriose Note bekam. Nach einem abgewehrten Eckball zog Felix Kroos aus der Distanz ab, doch ins Tor wäre der Ball nicht gegangen. Vieirinha, eigentlich als Absicherung am Pfosten postiert, fuhr aber seinen rechten Fuß aus, spitzelte sich den Ball an die Wade – und von dort kullerte die Kugel zum 3:2 für Werder über die Linie. Offiziell ein Eigentor, doch Kroos gab den Treffer nicht her: „Ich verbuche das als mein Tor.“

Werder verliert gegen Wolfsburg: Die Noten

Mit dieser nicht für möglich gehaltenen Führung ging es in die Pause, und 40126 Zuschauer im Weserstadion fühlten, was Junuzovic später aussprach: „Wir hatten die Chance auf eine Sensation.“ Geschäftsführer Eichin war sogar „begeistert, weil wir gegen eine Mannschaft wie Wolfsburg das Zepter übernommen haben“. Doch mit Wiederbeginn brach es über die Bremer herein – auch weil Werders Abwehr, in der erstmals Jannik Vestergaard und Sebastian Prödl als Innenverteidiger-Duo agierten, patzte. Beim 3:3 verschätzte sich Vestergaard, beim 3:4 kam Prödl gegen Dost zu spät. Und beim 3:5 lag eine Abseitsstellung von Vorlagengeber Dost vor.

Danach blieb der Elf von Viktor Skripnik zwar noch jede Menge Zeit, auf den Rückstand zu reagieren, aber Eichin sah ein: „Die drei Gegentore waren ein Schock für die Mannschaft.“ Werder kam nicht mehr zurück. Dennoch wurde die schöne Serien unter dem Beifall der Fans beerdigt. „Wir haben verloren, und das fühlt sich nicht gut an. Aber wir können heute mit breiter Brust aus dem Stadion gehen, weil wir unseren positiven Trend bestätigt haben“, meinte Zlatko Junuzovic.

Werder verliert gegen Wolfsburg mit 3:5

Dass die Niederlage der Mannschaft einen Knacks versetzen könnte, glaubt übrigens niemand. „Wir sind mental gefestigt genug“, erklärte Coach Skripnik. Und Naldo, der Wolfsburg-Profi mit dem Werder-Herzen, zeigte auf, wohin es für die Bremer gehen kann: „Werder hat uns in der ersten Halbzeit vor viele Schwierigkeiten gestellt. Ein Team, das so spielt, steigt nicht ab. Ich sehe sogar Chancen auf die Europa League.“

csa

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