Werder elektrisiert den Drittligisten

Heidenheims Trainer Frank Schmidt will Werder ärgern.

Heidenheim - Holger Sanwald redet gar nicht lange herum. „Das Pokalspiel gegen Werder Bremen ist das sportliche Highlight unser langen Vereinsgeschichte.“ Der 44-Jährige muss es ja wissen, schließlich ist er als Geschäftsführer des 1. FC Heidenheim der starke Mann beim Emporkömmling.

Er hat einst selbst in der ersten Mannschaft gespielt, übernahm vor 17 Jahren die Verantwortung als Abteilungsleiter, nun läuft keine Entscheidung ohne sein Zutun ab. Sanwald kann viel erzählen von diesem kleinen, kuscheligen Club, der es wegen des heutigen Pokalspiels gegen den arrivierten Erstligisten schafft, die 50 000-Einwohnerstadt am nordöstlichen Ende der Schwäbischen Alb in den Ausnahmezustand zu versetzen.

„Die Vorfreude ist riesig, Wir spielen gegen den Club, der nach Bayern München der erfolgreichste in der Bundesliga-Geschichte ist“, sagt Trainer Frank Schmidt. Das Los sehen die Heidenheimer als Belohnung ihrer Aufbauarbeit an. „Wir sind kein Kunstprodukt, sondern der Gegenentwurf zu Vereinen wie Hoffenheim. Bei uns ist alles aus eigener Kraft erschaffen worden: authentisch, familiär, aber trotzdem professionell“, insistiert Sanwald. Das dritte Jahr spielt dieser Fußballverein mittlerweile in der Dritten Liga, der Fünf-Millionen-Etat ist im Gegensatz zu vielen anderen Konkurrenten der Spielklasse solide finanziert, „weil wir der Region verbunden sind“ (Sanwald).

Oder wie Trainer Schmidt sagt: „Wir wissen, was wir können und was wir nicht können. Wir haben nicht den Kader, um ganze große Ziele auszugeben.“ Der 37-jährige Fußballlehrer setzt fast ausnahmslos auf junge, deutsche Spieler mit großem Willen – davon zeugte am Freitag vor einer Woche auch der 2:1-Auftaktsieg gegen die Offenbacher Kickers, als Heidenheim noch einen 0:1-Rückstand umbog.

Für den 1. FC erscheint ein Mittelplatz in der Dritten Liga realistisch. Und im Pokal? „Da wollen wir Werder überraschen“, erklärt Schmidt keck. Sanwald ergänzt: „Bisher haben wir neidisch aufs große Weserstadion geschielt, wenn wir auf Platz 11 in Bremen gegen die Zweite von Werder antreten mussten. Jetzt wollen wir die Chance nutzen. Zwei, drei Überraschungen sind in jeder Pokalrunde dabei.“  mab

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