„Wir werden reagieren“

Werder droht mit Ostkurven-Zaun

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Blick in die Ostkurve bei Feuerschein: Vermummte Fans haben die Bengalos gezündet. Werder Bremen denkt nun über Maßnahmen nach. ·

Bremen - Werder Bremen ist begeistert von den eigenen Fans. Die Unterstützung in den vergangenen Monaten, die extrem aufwändige Choreographie gegen den Hamburger SV – alles vom Feinsten. Club und Anhängerschar könnten ein Herz und eine Seele sein. Aber es knirscht im Gebälk.

Nachdem während des 100. Bundesliga-Nordderbys gegen den Hamburger SV im Mittelblock der Ostkurve bengalische Feuer gezündet worden waren, droht der Club als Konsequenz mit dem Bau eines Sicherheitszaunes vor der Nase der treuesten Fans.

Es geht im Grunde um die Dummheit einer Minderheit. Dafür eine Kollektivstrafe zu verhängen, will gut überlegt sein. „Wir wissen, dass wir wegen 20, 30, 40 Verrückten die ganze Ostkurve bestrafen würden. Das macht es ja so schwierig“, sagt Werder-Geschäftsführer Klaus-Dieter Fischer. Zu seinem Verantwortungsbereich gehört die Fan-Betreuung. Die hat in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten verhältnismäßig gut funktioniert. Jedenfalls bei Heimspielen. Wenn Werder auswärts antrat, hat es dagegen im grün-weißen Block in unschöner Regelmäßigkeit den Einsatz von Pyro-Technik gegeben. Jedes Mal war eine Strafe fällig. Auch jetzt wird Werder zahlen müssen – zu rechnen ist mit einem fünfstelligen Betrag.

Doch das Geld ist für Fischer nicht der Grund, weshalb nun über einen Sicherheitszaun vor dem Herzen des Weserstadions nachgedacht wird. Schlimmer ist der Vertrauensbruch, klagt der 73-Jährige: „Es wurde gegen getroffene Absprachen verstoßen.“

Es muss eine Art Gentlemen’s Agreement sein, die der SV Werder mit seinen Fans getroffen hat. Inhalt: Kein Ärger in der Kurve, kein Zaun vor der Kurve. 15 Jahre lang hat das funktioniert. „Wenn dann auf einmal etwas passiert, ist das sehr überraschend“, meint Fischer und macht aus seinem Ärger über das Verhalten der verhältnismäßig kleinen Gruppe keinen Hehl. Erstens, weil der sportliche Erfolg gegen den HSV gefährdet war: „Unsere Mannschaft war ja geschockt über das, was da in der Ostkurve los war. Durch die Spielunterbrechung ist vorübergehend die Linie verloren gegangen.“ Zudem barg die eingehandelte Nachspielzeit weitere Gefahr. Zweitens, weil Bengalos alles andere als harmloses Spielzeug oder Atmosphäre schaffendes Beiwerk sind. „Es ist kriminell, im voll besetzten Stadion mit 1 000 Grad heißer Pyro-Technik zu hantieren“, schimpft Fischer.

Dass die Stäbe – kaum größer als ein Kugelschreiber – überhaupt immer wieder in Stadien gelangen, ist schwer zu verhindern. Denn wer will, kann die Bengalos dort „verstecken“, wo kein Ordner hinguckt: im eigenen Körper. Spürhunde, die Pyro-Technik erschnüffeln, könnten eine Lösung sein, denkt Fischer. Aber wer will schon am Stadioneinlass abgeschnuppert werden? Besser ist es, die Fans würden das unter sich regeln. Würden Feuerteufel ausgrenzen, ihnen klar machen, dass es so nicht geht Wie am Samstag schon geschehen. „Ihr seid scheiße wie der HSV“, hatte der Großteil der Ostkurve gerufen, während in der Mitte die Feuer brannten. Fischer sagt: „Das ist der Weg.“

Wer die Bengalos gezündet hatte, lässt sich im Nachhinein nicht mehr so leicht klären. „Wir werden mit Hilfe der Polizei Bildmaterial auswerten, das während des Spiels gemacht wurde“, kündigt Klaus-Dieter Fischer zwar an. Aber: Die Bengalo-Bande hatte sich getarnt und – wie in der Szene üblich – vor allen Kameras versteckt Masken übergezogen. Einzelne Personen zu identifizieren, wird folglich schwierig. „Aber wir können den Zwischenfall vielleicht einer Gruppierung zuordnen. Wir waren eigentlich davon ausgegangen, dass wir diesem Kreis vertrauen können. Deshalb ist unsere Enttäuschung so groß“, sagt der Werder-Geschäftsführer.

Klar ist für ihn: „Wir werden reagieren.“ In welchem Maße, das muss erst noch „in Ruhe und sachlich“ diskutiert werden, so Fischer: „Wir möchten das möglichst mit Fingerspitzengefühl lösen. Aber wir haben auch Verantwortung für 42 000 im Stadion.“

Sollten die Täter ermittelt werden, würde Werder sie vermutlich zur Kasse bitten. Das Strafgeld, das auf den Club zukommt, wird er von den Verursachern zurückfordern. „Wir machen das schon seit zwei Jahren so. Mit Erfolg“, erklärt Klaus-Dieter Fischer: „Das ist die beste Abschreckung.“ · csa

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