Werder-Coach Viktor Skripnik zieht eine erste Bilanz und erklärt, was für ihn Spaß ist

„Ich bin unter der Lupe“

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Gut drauf und in Redelaune: Werder-Coach Viktor Skripnik nahm sich gestern im Trainingslager viel Zeit für die Journalisten.

Zell Am Ziller - Es ist seine erste Sommer-Vorbereitung als Chefcoach einer Profi-Mannschaft – und das ist Viktor Skripnik durchaus anzumerken. Der Werder-Trainer wirkt seit dem Trainings-Start angespannt. Und er würde sich am liebsten nur auf die sportliche Arbeit konzentrieren.

So wenig wie Skripnik hat noch kein Werder-Trainer seit Otto Rehhagel in Trainingslagern mit den Journalisten gesprochen. Gestern nahm sich Skripnik in Zell am Ziller dann doch Zeit – und war so gut aufgelegt, dass sich die geplante Gesprächsdauer kurzerhand auf fast 45 Minuten verdoppelte. Skripnik sprach über…

…das Trainingslager

Eigentlich sei alles perfekt. „Luxus und tolle Bedingungen“, sagt Skripnik und wird plötzlich ganz ernst: „Ich bin ein bisschen frustriert.“ Die Ausfälle nerven ihn. Levent Aycicek und Julian von Haacke fallen mit muskulären Problemen aus. Wann sie wieder dabei sind, ist unklar. „Spieler sagen immer, es dauert einen Tag, Ärzte eine Woche…“, stöhnt der 45-Jährige.

…den Leistungsstand

„Jeder kann jetzt 60 Minuten lang präzise seine Sachen zeigen“, urteilt Skripnik und ist damit zufrieden: „Wir wollen nicht zu früh in Topform sein, um dann nicht warten zu müssen.“ Den Eindruck, dass die Profis weniger Läufe als früher absolvieren müssen, bestätigt der Coach: „Warum sollen wir auch 15 Mal 1000 Meter laufen. Ich kann meine Jungs auch mit dem Ball fertig machen.“ Skripnik lacht, weil alle lachen. Doch diese Ballarbeit ist ihm ganz wichtig: „Es hat uns in den letzten Jahren gefehlt, dass wir uns bei Belastung noch auf den Ball konzentrieren konnten.“ Deshalb wird viel gespielt – und das in den verschiedensten Formen. „Das sieht vielleicht von außen einfach aus, aber glauben Sie mir, das ist sehr anstrengend“, betont Skripnik.

…das Fitness-Ziel

Da nennt Skripnik ein ganz einfaches Beispiel. „Auch wenn ein Assani Lukimya hinter dir ist und dich attackieren will, musst du den Ball ganz sicher spielen können. Aber dafür musst du topfit sein.“ Es gehe nicht darum, den Platz rauf und runter marschieren zu können. Wichtiger sei es, so fit zu sein, um bis zum Ende des Spiels in höchster Konzentration mit dem Ball umgehen zu können. Denn, so der Coach, „wir wollen den Ball laufen lassen“.

…seine Chefrolle

„Es ist kein spaßiges Jahr, ich bin unter der Lupe“, glaubt Skripnik und spürt nach der guten Rückrunde schon den Druck der Fans und Medien. „Aber ich mache keine verrückten Sachen und bewahre einen ruhigen Kopf.“ Und wie ist das mit dem Spaß? Da grinst der 45-Jährige: „Spaß ist, wenn du einen Pokal hochhebst oder den Skripnicker im Radio hörst. Aber wenn du 2:5 in Frankfurt verlierst und deine Spieler den Ball nicht stoppen können, dann…“

…die vielen Talente

Nein, einen Spieler hervorheben, das will er nicht. „Klar, ich kann Maximilian Eggestein ein Kompliment machen. Aber was passiert in drei Wochen? Wo landet er dann?“, fragt der Coach. Es sei ein Auf und Ab bei den Talenten. „Top-Flop“, nennt Skripnik das und hofft bei dem einen oder anderen auf ein „Top-Top-Flop“ oder sogar noch mehr. Und damit niemand auf der Bank versauert, sollen alle bei der U23 in der Dritten Liga regelmäßig Spielpraxis sammeln. „Nur so können sich junge Spieler entwickeln“, glaubt Skripnik und träumt davon, „dass wir in ein paar Jahren einen Block von diesen Spielern fest in unserem Team haben.“

…die Torhüter

„Es ist echt schade, dass es keinen Konkurrenzkampf gibt“, ärgert sich Skripnik über den Ausfall von Raphael Wolf. Der kann nur individuell trainieren. Montag soll Wolf endlich ins Mannschaftstraining zurückkehren. Doch Skripnik ist wegen der Hüftprobleme etwas skeptisch: „Das ist für einen Torwart nicht einfach, weil er immer drauf fallen muss.“ Einen erfahrenen Ersatz für Wolf fordert Skripnik noch nicht. Genauso wenig macht er Felix Wiedwald jetzt schon zur Nummer eins, damit der sich nicht darauf ausruht und nachlässt.

…Anthony Ujah

Skripnik hebt die Stimme, es ist nicht zu überhören, dass es nun um eine besondere Personalie geht: Atnhony Ujah. „Er ist schon eine Stammkraft, ein Leistungsträger“, schwärmt der Ukrainer vom Neuzugang aus Köln: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schnell geht. Er passt nicht nur in unser System, sondern auch sehr gut zu Franco Di Santo und Zlatko Junuzovic.“ Damit ist Skripnik aber noch nicht fertig, er adelt den Nigerianer: „Bestes Training, beste Unterhaltung – mit ihm kann man wirklich Spaß haben. Das gehört zu Werder Bremen, das freut mich.“

kni

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