Rückendeckung von Eichin, Trainerdiskussion trotzdem nicht beendet

Skripnik bleibt – aber wie lange?

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Noch Viktor Skripnik (r.) bekommt Deckung von Werder Sportchef Thomas Eichin - auf Bewährung.

Bremen - Von Björn Knips. Kaugummi kauend und mit den Händen in den Taschen ging Werder-Coach Viktor Skripnik am Morgen zum Trainingsplatz – wie immer, als wäre nichts passiert. Und es wird auch vorerst wohl nichts passieren: Zumindest nicht in Sachen Trainer.

Skripnik darf trotz der schockierenden 1:2-Heimpleite am Samstag gegen den FC Augsburg mit dem Sturz auf den Relegationsplatz weitermachen. Nach den Aussagen von Sportchef Thomas Eichin am Vortag ist das eine faustdicke Überraschung. Für heute war fest mit einer Ablösung des Trainers gerechnet worden. Ganz ausgeschlossen ist diese Maßnahme allerdings noch nicht, Eichin öffnete sich für die nächsten Tage eine Hintertür.

„Natürlich bleibt er Trainer“, begann Eichin die extra angesetzte Medienrunde nach dem Training klar und deutlich: „Wir wollen die Dinge zusammen meistern. Das ist der Weg von Werder Bremen.“

Nach dem Spiel hatte sich Eichin mit seinen Geschäftsführerkollegen Klaus Filbry und Hubetus Hess-Grunewald getroffen, auch der Aufsichtsrat war in die Trainerfrage involviert. „Es war doch klar, dass wir einer Trainerdiskussion nicht entgehen konnten. Es ist unsere Pflicht, in so einer besorgniserregenden Situation darüber zu sprechen“, berichtete Eichin. Daraus den Schluss zu ziehen, Skripnik genieße kein Vertrauen mehr, sei jedoch falsch. Deswegen habe ihn die Vehemenz der Berichterstattung mit dem Tenor „Skripnik ist vor dem Aus“, etwas überrascht.

Verhältnis zu den Fans intakt

Die Geschäftsführung vertagte sich dann am Abend, „um eine Nacht darüber zu schlafen“, wie Eichin erklärte. Außerdem wollte man weitere Gespräche führen – zum Beispiel mit dem Trainerteam und der Mannschaft. Das geschah am Morgen. Anschließend ging Skripnik mit der Mannschaft auf dem Platz – und der wenig später dazugekommene Eichin demonstrierte vor rund 100 Zuschauern und zahlreichen Medienvertretern den vermeintlichen Schulterschluss mit dem angeschlagenen Trainer. „Viktor weiß, er hat unsere volle Unterstützung“, sagte Eichin: „Viktor ist kämpferisch genug, um das zusammen mit der Mannschaft zu meistern. Es gibt keinen Keil zwischen Trainer und Mannschaft.“

Auch das Verhältnis zu den Fans sei intakt. „Sie haben uns bis zur letzten Sekunde unterstützt“, hob Eichin hervor. Das Pfeifkonzert nach dem Spiel habe „nichts mit Viktor zu tun. Sie waren enttäuscht, das ist doch normal. Wie sollen sie das sonst zum Ausdruck bringen?“, fragte der Sportchef und betonte: „Ich kann doch den Unmut der Fans nicht nutzen, um den Trainer in Frage zu stellen.“

Kein Plan B

Doch richtig sicher auf seinem Trainerstuhl sitzt Skripnik trotzdem nicht. Eichin machte in der Medienrunde dort weiter, womit er nach dem Spiel angefangen hatte: einem gewisses Abrücken vom Coach. „Ich schließe momentan gar nichts aus“, wiederholte der 49-Jährige einen Satz vom Vortag, genauso wie inhaltlich einen anderen: „Unsere Marschroute ist es, an diesem Trainerteam festzuhalten.“ Das bietet zusammen weiterhin Raum für Spekulationen. Zumal Eichin betonte: „Die kritischen Gespräche sind noch nicht abgeschlossen.“ Am Nachmittag wird noch einmal die Geschäftsführung zusammenkommen – inklusive Teilen des Aufsichtsrats. Dann kommen noch einmal alle Fakten auf den Tisch. „Das ist hier keine One-Man-Show“, hob Eichin hervor. Er entscheidet also längst nicht allein über die Zukunft Skripniks.

Dazu gibt es ein großes Problem: Es liegt kein Plan B vor. Der wurde vor Wochen verworfen, nachdem Werder durch die zwei Siege in Leverkusen und Hannover in die Erfolgsspur zurückgefunden hatte. Und die Kandidatenliste war ohnehin nie lang. „Was wird damit besser?“, antwortete Eichin mit einer Gegenfrage auf die Trainerwechselfrage. Gleichzeitig stellte er aber auch klar: „Wir sind mutig genug, um zu handeln.“

Training am Sonntag

Skripnik darf sich also nicht zu sicher fühlen. Fünf Spieltage vor Saisonende scheint bei Werder alles möglich. Vor allem der Abstieg. Doch gerade diesem Eindruck trat Eichin energisch entgegen: „Wir sind noch nicht abgestiegen!“ Aber er gestand auch: „Wir haben zwei echte Kracherspiele vor der Brust.“ Erst am Samstag daheim gegen Champions-League-Viertelfinalist VfL Wolfsburg, dann unter der Woche im DFB-Pokal-Halbfinale beim FC Bayern München. Ob mit oder ohne Skripnik wird sich zeigen.

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