Werder-Coach verkneift sich Kritik an Garcia und Schiri Hartmann nach 1:1 in Köln

Skripnik sucht keine Sündenböcke

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Enttäuschung pur nach dem 1:1 in Köln – bei Jannik Vestergaard (links), bei Fin Bartels (rechts), vor allem aber bei Santiago Garcia. Werders Argentinier verursachte extrem ungeschickt den Elfmeter, der zum späten Ausgleich führte.

Bremen - Viktor Skripnik hatte allen Grund, sauer zu sein und zu schimpfen. Auf seinen eigenen Spieler Santiago Garcia, der beim 1:1 (0:0) in Köln kurz vor Schluss mit einem tölpelhaften Foul einen Elfmeter verursachte. Und auch auf Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen), der den Bremern zuvor einen Strafstoß verweigert hatte. Doch Werders Trainer verkniff sich eine öffentliche Schelte, suchte keinen Sündenbock und urteilte: „So ist Fußball. Das müssen wir akzeptieren.“

Beim Thema Schiedsrichter fiel ihm das allerdings recht schwer. „Es bringt doch nichts, wenn ich jetzt etwas dazu sage. Dann gibt es wieder Theater“, erklärte Skripnik. Sportchef Thomas Eichin konnte oder wollte sich nicht beherrschen und kritisierte mit einer gehörigen Portion Sarkasmus: „Wieder eine entscheidende Fehlentscheidung gegen uns. In dieser Hinsicht bleiben wir auf dem letzten Platz der Liga.“

Was Eichin so maßlos ärgerte, geschah in der 77. Minute. Werder führte 1:0, der eingewechselte Levin Öztunali kam nach einem Laufduell mit Kevin Wimmer im Kölner Strafraum zu Fall. Doch die Pfeife von Hartmann blieb stumm. „Ein klarer Elfmeter“, fand Eichin. Und auch Öztunali konnte nicht verstehen, warum Hartmann „das nicht gesehen hat. Der Kölner trifft mich klar am Fuß.“ Er habe sich dann „kurz beim Schiedsrichter beschwert, aber der hat nur abgewunken“. So blieb Werder die Riesenchance auf das 2:0 verwehrt – und Öztunali haderte: „Es wäre natürlich ein sehr günstiger Zeitpunkt für das zweite Tor gewesen. Dann wäre Köln nicht mehr zurückgekommen und wir hätten die drei Punkte mit nach Hause genommen.“

Stattdessen gab es eine feurige Schlussphase mit einem drückend überlegenen FC und dem letztlich verdienten Ausgleich. Geradezu unfassbar aber, wie dieser zustande kam. Es lag überhaupt keine Gefahr in der Luft, der Ball hatte die Bremer Torauslinie fast schon überschritten. Und Kölns Bard Finne schien die Szene bereits abgehakt zu haben, als Linksverteidiger Garcia ihm urplötzlich in die Hacken lief. Finne sagte Danke, fiel hin und bekam den berechtigten Elfmeter, den Kapitän Matthias Lehmann souverän zum 1:1 verwandelte (88.).

Nach dem Schlusspfiff musste Garcia von den Teamkollegen erst mal getröstet werden. Kapitän Clemens Fritz, Keeper Raphael Wolf und Innenverteidiger Jannik Vestergaard nahmen den Argentinier nacheinander in den Arm. „Es ist wichtig, dass wir ihn jetzt wieder aufbauen. ,Santi‘ ärgert sich selbst am meisten“, sagte Fritz. „Wir machen alle Fehler – der Geschäftsführer, der Trainer, die Spieler“, meinte Eichin. Und Vestergaard fand, dass Elfmeter-Verursacher Garcia „nichts dafür kann. Er schaut nur auf den Ball – und der Kölner macht das geschickt“. Wie er selbst die verhängnisvolle Szene sah, sagte Garcia nicht. Der 26-Jährige verpasste sich einen Maulkorb, trat gestern Vormittag nicht vor die Presse. Wie sehr ihn der Riesenfehler getroffen hat, ließ sein Trainer durchblicken. „Ich habe zu ihm gesagt: ,Kopf hoch, das kann passieren.‘ Aber dann habe ich ihn in Ruhe gelassen, weil er schon im Keller ist“, meinte Skripnik.

Der Werder-Coach hatte Garcia erst in der 69. Minute für Janek Sternberg eingewechselt. „,Santi‘ ist nicht topfit, hat seit Wochen Probleme an der Patellasehne. Er trainiert und spielt mit Schmerzen, aber er wollte unbedingt helfen“, erklärte Skripnik. Und in den letzten 20 Minuten, als der Kölner Druck immer größer wurde, habe er einen kopfballstarken Mann wie Garcia gebraucht.

Die Werder-Noten zum Unentschieden in Köln

Nun darf der Argentinier aber ein bisschen kürzertreten, um seine Beschwerden auszukurieren. Skripnik: „Gott sei Dank ist jetzt Länderspielpause, da können wir ihm drei, vier Tage nur mit Rehaprogramm schenken.“

mr

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