Thomas Schaaf lässt seine Zukunft als Werder-Coach offen, sagt aber auch: „Das ist eine schöne Arbeit“

„Will ich diesen Weg weitergehen?“

Thomas Schaaf denkt über seine Zukunft nach – und will noch nicht sagen, ob er Werder-Trainer bleibt oder den Club verlässt.

Von Björn Knips und Carsten Sander · Bleibt er, oder bleibt er nicht, bleibt er oder . . . – es hat schon Tradition, dass sich Vertragsverlängerungen von Thomas Schaaf etwas hinziehen. So auch in diesem Jahr. Im Sommer läuft sein Kontrakt aus, und wie schon in der Vergangenheit hat der Club längst klargestellt, den Coach unbedingt halten zu wollen.

Vollzug wurde aber noch nicht vermeldet. Will Schaaf etwa seine Bremer nach elf Jahren als Chefcoach verlassen? Lesen Sie im zweiten Teil des großen Schaaf-Interviews, was der 48-Jährige dazu und zu den Titelchancen in dieser Saison sagt.

?Herr Schaaf, im Sommer läuft Ihr Vertrag bei Werder aus. Haben Sie darüber schon mit den Verantwortlichen des Clubs gesprochen?

!(grinst) Wir reden täglich, aber nicht täglich über meinen Vertrag.

?Sie machen nicht den Eindruck, als ob Sie keine Lust mehr hätten, mit Ihrer jungen Mannschaft weiterarbeiten zu wollen.

!Wenn man sieht, dass man das eine oder andere wieder bewältigt und in Gang gebracht hat, ist das gut. Und man sagt sich: Ja, es ist eine schöne Arbeit. Auf der anderen Seite muss man sich diesen Prozess auch immer wieder grundlegend vor Augen halten.

?Was heißt grundlegend?

!Naja, ob man weiterhin diesen Weg gehen will, ob man hierbleiben will oder ob man was anderes machen möchte.

?Machen Sie eine Vertragsverlängerung auch davon abhängig, ob die umworbenen Mesut Özil und Aaron Hunt bei Werder bleiben?

!Nein, das ist nicht voneinander abhängig. So etwas haben wir bei uns noch nie gekoppelt. Natürlich spricht man darüber, wie man die Mannschaft entwickeln kann. Aber über die Richtung und die Philosophie waren wir uns in der Vergangenheit immer einig. Ich sehe keinen Grund, dass sich das ändern wird.

?Gibt es bei Ihnen einen Masterplan, auf jeden Fall irgendwann noch einmal etwas anderes machen zu wollen?

!Diese Grundsatzentscheidung gibt es nicht. Mir ist nicht wichtig, unbedingt noch mal etwas anderes gemacht zu haben. Das lasse ich auf mich zukommen.

?Sie sind 48 Jahre alt und seit bald elf Jahren Cheftrainer eines Bundesligisten. Haben Sie sich einen Zeitpunkt gesetzt, an dem es heißt: Das reicht jetzt für mich?

!Auch hier ein Nein. Es gibt kein Jahr, für das ich sage, da ist Schluss oder so lange will ich unbedingt noch arbeiten. Ich glaube, irgendwann wird die Situation das ergeben.

?Als Sie anfingen, waren Sie ein junger Trainer, jetzt sind Sie ein erfahrener Trainer . . .

! . . . und bald bin ich ein alter Trainer, oder was? (lacht). Die Zeit hat natürlich ein paar Dinge verändert. Am Anfang war der Abstand zu den Spielern kleiner, als es jetzt der Fall ist. Mittlerweile könnten das alle vom Alter her meine Söhne sein.

?Macht das Ihre Arbeit leichter oder schwerer?

!Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich in Gesprächen vergesse, wie jung der Spieler mir gegenüber noch ist. Dann muss ich kurz stoppen und überlegen, ob er überhaupt verstehen kann, was ich ihm zu erklären versuche. Grundsätzlich gibt es jedoch keine Probleme – abgesehen von dem einen oder anderen Modetrend. Da finde ich längst nicht alles gut, aber ich bin ja ein toleranter Mensch.

?Dann gestatten Sie uns bitte eine von Ihnen wenig geliebte Frage: Ist Werder ein Titelanwärter?

!Für uns ist es im Moment einfach wichtig, dass wir die Dinge gut anpacken, dass wir gute Spiele abliefern. Natürlich freuen wir uns darüber, wenn wir gute Ergebnisse erzielen und uns eine Position verschaffen, die noch vieles offen lässt.

?Sorry, aber das ist doch sehr zurückhaltend . . .

!. . . es ist die einzige seriöse Antwort, die ich geben kann. So sehen wir das, so stellt sich das für uns dar. Im Moment hilft uns die Tabelle gar nichts. Zweiter zu sein, ist schön, gibt vielleicht auch ein gutes Gefühl. Aber eine Auswirkung hat diese Tabelle noch nicht. Sie kriegen nichts dafür.

?Allerhöchstens die Überzeugung und das Wissen um eine gute Mannschaft.

!Ja, diese Dinge wollen wir auch mitnehmen. Dass wir wissen, dass wir gute Leistungen abgeliefert haben und dass wir – wenn es so weitergeht – gute Chancen haben, auch mehr zu erreichen. Wenn wir diese Situation auch noch in der Rückrunde haben, dass wir sagen können, so jetzt sind‘s nur noch sechs, sieben Spiele, dann werden wir das auch mal thematisieren. Wenn wir Meister werden können, dann werden wir das versuchen. Aber ich werde jetzt nicht sagen, wir werden Meister.

?Seit 19 Spielen ungeschlagen – was ist das Geheimnis dieser Serie?

!Wir haben an den Defiziten der vergangenen Saison gearbeitet und das Glück gehabt, diese Dinge besser umsetzen zu können als im vergangenen Jahr.

?Welche Dinge meinen Sie speziell?

!Wir haben gesagt, wir wollen unseren offensiven Stil beibehalten und unsere Art und Weise Fußball zu spielen weitertragen. Aber wir dürfen es dem Gegner nicht wieder so leicht machen, auf unser Tor zuzurennen und Tore zu machen.

?Und wie hat das funktioniert?

!Jeder Einzelne ist stärker geworden. Zum Beispiel Per Mertesacker und Naldo, aber auch Clemens Fritz, der auf einem ganz anderen Stand als im letzten Jahr ist. Dazu kommt: Wir haben eine bessere Harmonie erzeugt, was das Verhalten in der Defensive betrifft. Und das Dritte: Im vergangenen Jahr war vieles sehr stark auf Einzelne fokussiert, jetzt wird’s ein bisschen mehr verteilt.

?Sie haben eine junge Mannschaft – liegt da auch eine Gefahr, weil junge Spieler anfälliger für Leistungsschwankungen sind?

!Deshalb haben wir uns ja auch bemüht, die Last nicht nur auf zwei, drei Spieler zu verteilen, sondern so vielfältig aufgestellt zu sein, wie es eben nur geht. Und wir haben eine Verpflichtung wie Tim Borowski getätigt. Er soll uns mit seiner Erfahrung weiterbringen und wie die anderen älteren Spieler die Mannschaft stabilisieren.

?Trotzdem fehlen Ihnen offenbar adäquate Alternativen, wenn Sie wiederholt nur 16 statt der erlaubten 18 Spieler berufen. Werden Sie deshalb im Winter Ersatz holen oder andere Veränderungen vornehmen?

!Das wird man sehen, das kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Wir haben noch sechs Wochen bis zur Winterpause und können uns sieben Spiele lang anschauen, ob wir Handlungsbedarf haben.

?Sieben Spiele, davon fünf in der Bundesliga – wie viele Punkte haben Sie bis zur Winterpause eingeplant?

!(lacht) Alle. Im Ernst: So etwas sollte man nicht vorher abwägen und ausrechnen. Unser Anspruch muss es sein, immer ans Limit zu gehen, immer das Beste herauszuholen.

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