Skripnik nicht mehr ganz so böse

Der Katastrophe folgt ein Donnerwetterchen

+
Erstmals ist Werder-Coach Viktor Skripnik nach einer Partie auf Distanz zu seiner Mannschaft gegangen und hat sie öffentlich heftig für ihre fehlende Einstellung kritisiert. Beim gestrigen Auslaufen behielt er die Profis aber genau im Auge.

Bremen - Der Trainer war schon ganz früh da. Um 8.32 Uhr brannte gestern Morgen bereits Licht in der Kabine von Viktor Skripnik. Warmmachen für die von ihm tags zuvor angekündigte „Krisensitzung“. Die gab es dann ab 10 Uhr für die Werder-Profis, die beim 0:3 (0:1) gegen Bayer Leverkusen nach der Pause so enttäuscht hatten. Erstmals war der Coach danach auf Distanz zu seiner Mannschaft gegangen und hatte nach der dritten Niederlage in Folge die Alarmglocken schrillen lassen. Doch mit Ohrenschmerzen kamen die Werder-Profis nach der Standpauke nicht aus der Kabine.

Als „Mittelweg“ zwischen Zuckerbrot und Peitsche beschrieb Zlatko Junuzovic das rund 20-minütige Donnerwetterchen seines Chefs: „Es bringt doch jetzt nichts, nur draufzutreten und Abstiegsangst zu verbreiten. Wir müssen darüber reden, wie wir es wieder besser machen müssen.“ Genau das habe Skripnik gemacht. Natürlich nicht im freundlichsten Ton. „In so einer Situation musst du als Trainer enttäuscht sein und darfst nicht locker sein“, sagte Claudio Pizarro nach der Sitzung: „Er muss zeigen, dass er sauer ist.“

Genau das hatte Skripnik schon direkt nach dem Spiel in aller Öffentlichkeit gemacht. „Das war eine Katastrophe, so schwach habe ich meine Mannschaft noch nicht gesehen“, schimpfte der Ukrainer, der seit einem knappen Jahr das Traineramt innehat: „Ich bin echt unglücklich. Wir müssen doch Männer sein.“ Genau das sprach er seinem Personal nach einer ordentlichen ersten halben Stunde ab.

Das unglückliche 0:1 durch einen abgefälschten Schuss von Admir Mehmedi (31.) hatte Werder komplett aus der Bahn geworfen. „Wenn du vorher zwei Mal verloren hast, dann ist das Selbstvertrauen eben nicht das größte. Und dann bekommst du so ein Tor…“, seufzte Junuzovic: „Das ist wirklich nicht einfach.“

Das sollte keine Ausrede sein. Genauso wenig wollte niemand die personellen Probleme als Hauptgrund für den Niedergang heranziehen. Dabei war die Liste schon lang: Zu den vorher bekannten Ausfällen Philipp Bargfrede, Fin Bartels (beide gesperrt) und Ulisses Garcia (verletzt) gesellte sich kurzfristig auch noch Aron Johannsson (Adduktorenprobleme). Auf der Bremer Bank saßen mit Ausnahme von Alejandro Galvez nur noch Talente, teilweise sogar ohne Bundesliga-Erfahrung wie die späteren Debütanten Luca-Milan Zander und Marcel Hilßner. „Wir müssen mit den Leuten, die wir haben, da rauskommen“, meinte Pizarro – und Junuzovic betonte: „Wenn man diesen Weg mit jungen Spielern geht, dann gibt es solche Momente. Wir müssen den jungen Spielern helfen.“

Werder in der Einzelkritik

Genau das ist am Samstag nicht passiert. Die erfahrenen Spieler stürzten nach zwei Pleiten endgültig ins Leistungsloch. Werder konnte froh sein, dass nur noch Julian Brandt (58.) und Kevin Kampl (65.) für den Champions-League-Teilnehmer trafen. „Unser Zusammenhalt hat uns immer ausgezeichnet, den müssen wir wiederfinden“, forderte Junuzovic. Der Vize-Kapitän will sich dabei nicht nur auf Skripnik und Co. verlassen. So deutete der Österreicher an, dass sich die Mannschaft in den nächsten Tagen mal zusammensetzen werde, um den Teamgeist zurückzuholen.

Bayer Leverkusen besiegt Werder Bremen mit 3:0

Thomas Eichin wird es begrüßen. Der Sportchef war zwar total bedient, blickte aber schnell wieder nach vorne: „Gott sei Dank hat jeder Spieler gesehen, was da passiert ist. Jeder weiß jetzt, was gefordert ist.“ Voller Einsatz, harte Arbeit, ein gutes Miteinander. Aber es müsse nun auch niemand überdrehen. „Wir brauchen keinen Krisenstab“, befand Eichin und ging dabei unbewusst auf Distanz zu Skripnik, der fast zeitgleich seine Krisensitzung ankündigte. In einem waren sich die beiden dann aber wieder einig: Werder habe die Qualität, in der Liga zu bestehen. Das gilt es am Samstag in Hannover zu beweisen.

kni

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Werders Talfahrt

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Familienurlaub in Grächen: Abfahrt mit dem Weltmeister

Familienurlaub in Grächen: Abfahrt mit dem Weltmeister

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Bayern-Fest bei Heynckes' Europa-Comeback - 3:0 gegen Celtic

Werder auf dem Freimarkt

Werder auf dem Freimarkt

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

NRW: 700 Polizisten stürmen Hells-Angels-Wohnungen

Meistgelesene Artikel

Sargent verliert mit USA bei U17-WM

Sargent verliert mit USA bei U17-WM

Das passiert am Samstag

Das passiert am Samstag

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Zehn Fakten zum Werder-Spiel gegen Gladbach

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Wohin mit Kainz? Nouri hat die Wahl

Kommentare