Werder-Coach Skripnik knackt Ausbilder Schaaf mit taktischer Finesse

Es war einmal ein Lehrling

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Diesmal gewann Viktor Skripnik (rechts) gegen Thomas Schaaf.

Bremen - Sie umarmten sich vor dem Spiel und sie umarmten sich nach dem Spiel – doch dazwischen hatte sich einiges verändert. Der Lehrling war endgültig nicht mehr Lehrling, Viktor Skripnik hatte es seinem Lehrmeister Thomas Schaaf mit einigen taktischen Finessen gezeigt und ihn verdient mit 1:0 besiegt. Natürlich lautete die Partie nicht Skripnik gegen Schaaf, sondern Werder gegen Frankfurt, doch die Trainer hatten an diesem Tag eben ganz besondere Rollen gespielt.

Schaaf allein schon deshalb, weil er erstmals als Werder-Gegner ins Weserstadion gekommen war. Und die Leute klatschten nicht nur, als sie ihn beim Aufwärmen erblickten, sie standen sogar auf. Der 54-Jährige winkte ins Publikum und bedankte sich später: „Das war schon außergewöhnlich.“

Noch außergewöhnlicher war allerdings, was sich Skripnik für seinen ehemaligen Trainer ausgedacht hatte: ein anderes System. Tschüss, Raute, die Schaaf einst bei Werder eingeführt und bislang auch Skripnik bevorzugt hatte. Willkommen, Trapez! Zwei Sechser (Bargfrede und Fritz) und davor zwei Mittelfeldspieler Junuzovic und Hajrovic), die sehr weit außen agierten. Einen zentralen Mann gab es nicht. Den Job übernahm immer mal wieder einer der beiden Sechser, vornehmlich allerdings, um Frankfurts Spielmacher Marc Stendera zu bremsen.

„In der ersten Halbzeit hat das noch nicht so gut geklappt“, urteilte Fritz: „Aber nach der Pause lief es richtig gut.“ Das lag auch daran, weil Skripnik sein Team in der Kabine noch einmal stark geredet und nach vorne gepeitscht hatte. Seinem erfahrenen Kollegen war das offenbar nicht gelungen. Die Eintracht reagierte nur noch.

Skripnik und sein Team lagen auch mit den Wechseln goldrichtig. Levent Öztunali machte wieder den Dampf, den Hajrovic langsam verloren hatte. Cedrick Makiadi sicherte das 1:0 ebenso gut ab wie Bundesliga-Debütant Lukas Fröde. „Er war unser kopfballstärkster Spieler auf der Bank, so einen wollte ich haben“, erklärte Skripnik die Entscheidung für den Neuling.

Als die Bremer Bank nach dem Abpfiff ausgelassen den Sieg feierte, schaute Schaaf ein wenig neidisch herüber. Für Sekunden stand er dort ganz alleine, kein Frankfurter kam zu ihm, sondern ein Bremer: Zlatko Junuzovic tröstete seinen ehemaligen Coach, der Werder vor rund zwei Jahren nach einer Ewigkeit verlassen musste.

Schaaf erwies sich als fairer Verlierer. „Es war nie die Frage, ob Viktor die Qualität hat. Es ist keine Überraschung, dass die Mannschaft so gut arbeitet, das passt“, lobte Schaaf, der das Hinspiel gegen Skripnik noch klar 5:2 gewonnen hatte. Damals träumte die Eintracht von Europa, jetzt macht es Werder. „Wir sind realistisch. Das Ziel ist die Europa League nach wie vor nicht, aber wenn wir sie erreichen, wäre das die Krönung“, meinte Skripnik. Neben ihm saß Schaaf – und hätte es in ähnlicher Situation wahrscheinlich genauso verhalten gesagt. Denn während sich Skripnik taktisch von seinem Vor-Vorgänger etwas entfernt hat, medial passt er sich an. Der 45-Jährige ist nicht mehr so locker, gibt sich sachlicher – und so mürrischer wie Schaaf.

kni

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