Werder-Coach Dutt würde gerne noch in Spieler investieren, aber ohne Verkäufe geht das nicht

„Wir schöpfen unser Maximum aus“

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Robin Dutt warnt vor zu hohen Erwartungen, weil Werder aus finanziellen Gründen nicht so in die Mannschaft investieren kann wie es in dieser Saison viele andere Clubs tun.

Bremen - Die Schuldfrage ist praktisch schon geklärt. Sollte Werders Saison nicht erfolgreicher als die vergangene verlaufen, also nicht besser als Platz zwölf, dann können Trainer und Mannschaft nichts dafür. Das behauptet zumindest Robin Dutt: „Wir schöpfen unser Maximum aus, mehr kann man von uns nicht erwarten. Die Mannschaft gibt so Vollgas, dass wir alles, was an Potenzial drinsteckt, rausholen werden.“ Wer sich im Haifischbecken Bundesliga sicherer fühlen möchte, der müsse investieren. Dutt würde das gerne in Person eines Stürmers tun, doch es fehlt das Geld.

„Der Plan ist, noch jemanden zu holen. Aber das ist nicht umsetzbar, weil wir keine Verkäufe und kein zusätzliches Geld haben. Denn wir verschulden uns nicht“, sagt Dutt und verteidigt den Kurs des Clubs: „Das darf man auch mal positiv sehen. Ich vertraue dem Verein, dass der Konsolidierungskurs erfolgreich beendet, der Turnaround geschafft wird. Dann können die Investitionen wieder zunehmen. Schuldenfrei funktioniert das einfacher als mit Schulden.“

Und was ist bis dahin? „Wir versuchen dann eben, ohne diese Investitionen auf unseren Teamgeist, auf unsere sportliche Entwicklung zu setzen.“ Wohin das führt, vermag der Coach nicht zu sagen. Natürlich sei die Mannschaft weiter als vor einem Jahr kurz nach seinem Amtsantritt. Aber niemand solle sich bitteschön von der 3:0-Party gegen den FC Chelsea blenden lassen. Auch nicht von acht Siegen in neun Testspielen. „Die Ergebnisse sind völlig unwichtig. Ich weiß doch nicht, was der andere Trainer vor dem Spiel gemacht hat. Vielleicht hat er seine Jungs im Hotel 100 Mal die Treppen rauf- und runterlaufen lassen, weil er heute mal eine Niederlage wollte, um seine Mannschaft zu sensibilisieren. So etwas haben wir auch schon gemacht“, verrät Dutt und amüsiert sich beim Thema Vorbereitung: „Bei 16 von 18 Mannschaften herrscht gerade eitel Sonnenschein. Da heißt es dann: Wir haben eine tolle Vorbereitung, unsere Neuzugänge sind charakterlich in Ordnung, wir haben uns weiterentwickelt, wir sind topfit, wir haben ein tolles Teambuilding. Eigentlich haben wir 16 deutsche Meister. Nur ein, zwei haben eine Ergebniskrise, und wahrscheinlich sind es genau die Mannschaften, die am Anfang die Bundesliga-Spiele gewinnen.“

Wie bei Werder vor einem Jahr. Nach einer rumpeligen Vorbereitung mit wenig Erfolgen gab es zum Auftakt zwei Siege in Braunschweig und gegen Augsburg. Nachhaltig war das allerdings nicht. Schnell ging es wieder runter, ehe sich das Team über der Abstiegszone einnistete – und zumindest nicht mehr ganz unten reinrutschte. Auch dank der schwachen Konkurrenz im Tabellenkeller, die am Ende der Saison das Punkten sogar komplett einstellte.

Darauf kann sich Werder diesmal nicht verlassen. Selbsthilfe ist gefragt. Mit einem Kader, der quantitativ gut besetzt ist. Auf jeder Position hat Dutt gleich mehrere Möglichkeiten – ausgenommen das linke Glied der Viererkette. Doch der Coach nimmt es aus finanziellen Gründen in Kauf, dort im Fall eines Ausfalls von Santiago Garcia zu improvisieren. Zum Beispiel mit Innenverteidiger Luca Caldirola.

Nein, sollte das Werder-Konto noch einmal gefüllt werden, zum Beispiel durch die angestrebten Verkäufe von Mehmet Ekici und Joseph Akpala, dann soll vorne etwas passieren. Doch Dutt ist skeptisch, ob diese Einnahmen wirklich reichen würden: „Es wird nicht einfach, mit unseren finanziellen Möglichkeiten einen besseren Stürmer zu finden, als wir schon haben.“ Eine etwas ungewöhnliche Wertschätzung des Personals, dem Dutt natürlich kein schlechtes Zeugnis ausstellen will, trotzdem gerne einen Knipser vor die Nase setzen würde.

Dutt erklärt das so: „Es geht nicht darum, das in Frage zu stellen, was du hast, sondern zu schauen, dass du dich weiter verstärkst. Der Deutsche Meister investiert doch auch.“ Wie viele andere Clubs. Nur Werder hat in diesem Jahr einen Igel in der Tasche, um das Minus in der Bilanz aus den Vorjahren weiter zu senken und endlich mal wieder eine schwarze Null zu schreiben. Nur für den bereits ausgeliehenen Garcia wurde eine echte Ablöse (1,5 Millionen Euro) fällig. Alejandro Galvez, Izet Hajrovic und Fin Bartels kamen ablösefrei, Nachwuchskeeper Raif Husic für 100000 Euro. Ob sie Werder weiterhelfen, muss sich zeigen.

Dutt hat mit seiner Maximum-Aussage schon mal vorgesorgt. Sie ist Entschuldigung und Warnung zugleich. Klappt es nicht mit der erhofften Steigerung, dann wird er sich darauf berufen, Bescheid gesagt zu haben.

kni

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