Werder-Coach Dutt holt sein Team ins Hotel, um heute gegen Freiburg hellwach zu sein

Endspielcharakter

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Nach drei Niederlagen am Stück sah Robin Dutt bei der Pressekonferenz für das Freiburg-Spiel ziemlich angeschlagen aus.

Bremen - Siebter Spieltag, Heimspiel gegen den SC Freiburg – normalerweise reißt das in Bremen niemanden vom Hocker. Bundesliga-Alltag eben. Nicht so in dieser Saison. Es knistert, denn bei Werder tobt nach dem schlechtesten Saisonstart seit 44 Jahren und den Sturz auf Platz 17 bereits der Abstiegskampf.

Sportchef Thomas Eichin hat für die Partie heute gegen die Breisgauer unmissverständlich festgestellt: „Ein Sieg ist Pflicht!“ Und Coach Robin Dutt, der auf der Pressekonferenz am Donnerstag angeschlagen wirkte, hat gehandelt: Das Projekt Heimschläfer ist beendet, die Profis wurden gestern Abend ins Atlantic Hotel Universum bestellt. „Das ist ein besonderes Spiel, wir wollen voll konzentriert sein“, erklärte Eichin die Maßnahme des Trainers. Der hatte vor einem Jahr mit der Tradition seines Vorgängers Thomas Schaaf gebrochen und die gemeinsame Übernachtung im Parkhotel vor Heimspielen abgeschafft. Im eigenen Bett schlafe es sich schließlich am besten.

Nun sollen es die Hotel-Matratzen richten, damit Werder endlich wach genug ist für den ersten Sieg. Dazu wurde unter der Woche viel geredet. Der Trainer mit der Mannschaft, der Trainer mit jedem Spieler – und die Spieler wiederum unter sich. Damit der Teamabend zu keiner traurigen Veranstaltung verkam, gab es auch noch ein Playstation-Turnier. Davie Selke hat gewonnen. Vielleicht bringt das ja Selbstvertrauen.

Denn davon ist bei den Bremern nicht mehr viel da. Der Trainer ist dafür der beste Beweis. Nach der 0:3-Heimpleite gegen den FC Schalke war der Coach vor einer Woche noch forsch aufgetreten, hatte davon erzählt, dass sein Team einfach nur so weiterspielen müsse, dann würden die Erfolge von alleine kommen. Mit einem Leuchten in den Augen erklärte der 49-Jährigen den Journalisten, dass er weiterhin von der Leistungsstärke seiner Mannschaft überzeugt sei. Der Coach schritt erhobenen Hauptes voran. Das ist Vergangenheit. Am Donnerstag saß ein anderer Robin Dutt im Medienraum des Weserstadions. Die drei Niederlagen am Stück waren ihm förmlich ins Gesicht gezeichnet. Der sonst so eloquente Schwabe, der verbale Angriffe gerne mit Witz und Charme kontert, reagierte diesmal extrem bissig, fast schon genervt. „Druck? Seit ich hier bin, haben wir Druck“, fauchte Dutt. Und auf die Frage, wie er mit der medialen Kritik an seiner Person umgehe, entgegnete er wenig überzeugend: „Das habe ich nicht gelesen.“

Der Coach weiß, dass die Schonzeit vorbei ist. Vor allem, wenn der Gegner SC Freiburg heißt. Ausgerechnet SC Freiburg. Dort hat er seine beste Zeit als Trainer erlebt, ist mit den Breisgauern in die Bundesliga aufgestiegen, hat den Club dort etabliert. Deshalb holte ihn Bayer Leverkusen in den Vip-Bereich der höchsten Spielklasse – und trennte sich bald wieder von ihm. Nun will Dutt mit Werder beweisen, dass er nicht nur in Freiburg funktioniert. Doch seine Bilanz ist mit nur 42 Punkten aus 40 Spielen miserabel. Er hat es nicht – wie versprochen – geschafft, die Schießbude der Liga zu schließen. An der Spielweise mag er trotzdem nichts ändern. „Wir wollen angriffslustig und mutig sein. Wir müssen an unseren Weg glauben“, fordert Dutt auch weiterhin ein Offensiv-Pressing. In der Hoffnung, dass der Gegner noch mehr Fehler macht als die eigene Mannschaft.

Von dem heutigen Gast sei das – anders als in den Vorwochen – durchaus zu erwarten. „Freiburg ist nicht Wolfsburg oder Bayern“, meinte der Coach: „Egal wie, wir wollen gewinnen. Das muss in den Köpfen sein.“

Abschlusstraining bei Werder

Das wünschen sich auch die Fans. Die Stimmung ist nach drei Niederlagen gekippt. Die Sorgen überwiegen. „Das ist normal“, befand Dutt: „Sollen die Fans uns dafür feiern, dass wir drei Punkte haben?“ Der Coach setzt darauf, dass mit einem Sieg alles wieder gut wird. Und dabei gönnte er sich am Donnerstag mit Blick auf den Marathon morgen in Bremen einen einzigen kleinen Scherz – untermalt mit einem tiefen Seufzer: „Angemeldet bin ich nicht, aber vielleicht mache ich einen Freudenlauf.“

kni

Ab 15 Uhr das Spiel im Liveticker

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